Schwimmbad Grenchen 1956

Granges-les-Bains


von Rainer W. Walter


MG Logo

Museums-Gesellschaft
Grenchen





Bild Slg. Grenchen Rainer W. Walter.


Kurhaus Bachtelen, Grenchen.



Restaurant Bad mit Concert- & Theatersaal, Grenchen.
Bild Heimatslg. Grenchen Hans Kohler.

Restaurant Bad, Grenchen, ca. 1900. Wird etwa Grenchner Wein angeliefert?
Bild Heimatslg. Grenchen Hans Kohler.


Kur- und Badeanstalt Sperisen, Schützengasse, Grenchen. Die Badeanstalt war von 1908-1958 in Betrieb.
Bild Heimatslg. Grenchen Hans Kohler.


Auch im Bellevue konnte man baden, wie das Inserat aus den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts zeigt.
Bild Heimatslg. Grenchen Hans Kohler.



„Granges-les-bains“ – oder wo schon die Römer heilbadeten

rww. Vor 50 Jahren wurde das Grenchner Gartenbad eröffnet; aber lange zuvor schon genoss Grenchen als „Bäderstadt“ grosses Ansehen. Selbst die alten Römer wussten um die Heilkraft des Bachteler Quellwassers und nutzten sie.

Wenn jemand von „Granges-les-bains“ spricht sind alteingesessene Grenchnerinnen und Grenchner nicht restlos begeistert. „Granges-les-bains“ wurde einst die aufstrebende Ortschaft von ihren Nachbarn mit etwas Neid in der Stimme genannt, denn das Bachtelenbad erwies sich als wirtschaftlich und gesellschaftlich erfolgreich.

Einer verlor seinen „Magnus Maximus“

Unweit des heutigen Kinderheims Bachtelen wurde vor einiger Zeit eine Münze mit dem Bildnis des römischen Kaisers Magnus Maximus gefunden. Dieser regierte in der Zeit von 383 bis 388 nach Christi. Es ist durchaus möglich, dass ein römischer Legionär, welcher in der einfachen Badanstalt bei der Bachtelen Quelle heilbadete diese Münze auf dem Heimweg verloren hatte. Sicher ist, dass die Römer die Heilkraft des Grenchner Wassers sehr wohl kannten. Bei Nachgrabungen beim heutigen Kinderheim stiess man 1828 auf die Überreste römischer Bäder.

Das Geschäft mit dem Heilwasser

Lange bevor Grenchen als Uhrenstadt von sich reden machte, führten die Girards durchaus erfolgreich im Bachtelentälchen ihr Grenchen-Bad. Damit erhielt die Ortschaft wirtschaftlich gesehen neben der Landwirtschaft ein zweites Standbein. Auf Anhieb entsprach das junge Unternehmen des Garnbuchers und Landwirts Josef Girard genau den Vorstellungen seiner Klientel, welche es zu schätzen wusste, dass in ihrer Nähe ein solches Etablissement existierte. In den guten Zeiten mussten täglich mehrere Pferde-Omnibusse von Solothurn nach dem Bachtelenbad geführt werden um die Gäste zu bringen, und 1845 berichtete das „Solothurner Blatt“, dass in den Ställen der Grenchner Landwirte 200 fremde Pferde standen, deren Besitzer sich im Bad Gutes taten. Besonders beliebt waren als Vorläufer der heutigen Wellness-Kuren die russischen Dampfbäder. Punkto Preis und Leistungen sowie unter Berücksichtigung der Ambiance und der Küche galt das Bachtelenbad weitherum als eines der vorbildlichsten und zugleich preiswertesten.
Als Giuseppe Mazzini im Bachtelenbad von den Girards Asyl erhalten hatte, bekam das Bad internationalen Bekanntheitsgrad und wer in Europa zu jenen gehörte, die eine politische Veränderung suchten, traf im Bachtelenbad ein, um sich hier mit Seinesgleichen zu beraten. – Nach einem Zwischenspiel als Institut Breidenstein, wurde das Bachtelenbad erneut in aufgefrischter Schönheit reaktiviert. Allerdings ohne grossen Erfolg.

Sieben Badzimmer und „ausreichend Wasser“

Ihren Spitznamen „Granges-les-bains“ erhielt unsere Stadt nicht zuletzt, weil 1866 an der damaligen Eisenbahnstrasse (der heutigen Bahnhofstrasse) das Restaurant „Bad“ eröffnet wurde. Dieses Restaurant war ein imposanter Gebäudekomplex mit acht Wohnungen, zwei grossen Speise- und Tanzsälen, einer Trink- und Bierhalle, einer Badeanstalt mit sieben Badzimmern, Stallungen für die Pferde und Wagen, Zimmer für Knechte und Mägde und zwei Kegelbahnen. Der Hof umfasste eine Jucharte und war mit Bäumen bepflanzt. 1979 verkaufte Emil „Miggu“ Wullimann das beeindruckende Anwesen, das dann abgerissen wurde und einem Neubau Platz machte.

Das „Bad“ war Grenchens erstes Kulturzentrum. Im grossen Theatersaal, der bei Konzertbestuhlung 900 Besuchenden Platz bot, fanden die wichtigsten Aufführungen der Grenchner Ortsvereine statt. Auch die Gemeindeversammlungen wurden im „Bad“ durchgeführt. – Und schliesslich bleibt noch der Hinweis auf das Badehaus an der Schützengasse. Eine kaum mehr lesbare und verwitterte Schrift berichtet, dass in diesem Hause jene baden konnten, die in ihren Häusern über kein eigentliches Badzimmer verfügten.





Zurück zur Übersicht

A. Fasnacht, 01/2006