Schwimmbad Grenchen 1956

Hans Liechti und Urs Grütter erinnern sich


von Rainer W. Walter


MG Logo

Museums-Gesellschaft
Grenchen





Schwimmbad Grenchen: Restaurant, ca. 1960


Schwimmbad Grenchen, Eingang/Ausgang ca. 1960: Alle müssen durch und werden gezählt!


Schwimmbad Grenchen: Nichtschwimmerbecken, ca. 1965.



Bilder: Slg. Grenchen Rainer W. Walter.
Per Adresse – Badmeister Grütter, Sanitätsraum, Schwimmmbad, Grenchen

rww. Der erste Badmeister, Kurt Grütter, fand 1955 in Grenchen keine Wohnung und brachte deshalb seine Familie kurzerhand im Schwimmbad unter. Nur gerade drei Wirte betreuten in den ersten 50 Jahren das Schwimmbad-Restaurant. Auch ein positives Qualitätszeichen!

Urs Grütter erinnert sich noch gut: Als sein Vater, Kurt Grütter, zum ersten Grenchner Badmeister gewählt worden war, zog die Familie von Derendingen nach Grenchen. Der Drittklässler Urs besuchte am neuen Schulort die Schulklasse von Lehrer Suter. Alles schien zu klappen, doch nicht ganz...
In Grenchen herrschte 1956 bittere Wohnungsnot, und die Badmeister-Familie fand kein Dach über dem Kopf. So blieb Kurt Grütter nichts anderes übrig, als die Familie im Schwimmbad selber und dort im Sanitätsraum und einem angrenzenden Zimmer unterzubringen. In der Folge ging die Schwimmbad-Kommission auf die Wohnungssuche. Kurt Grütter war der ideale Badmeister, streng, korrekt und darauf bedacht, eine stets blitzsaubere Anlage präsentieren zu können. Er setzte den Massstab! Wenn Urs von der Schule heimgekommen war und der letzte Ton der Sirene verklungen war, welche jeweils das Ende der Badezeit ankündete, mussten er und seine Schwester an jedem Sommertag im ganzen Schwimmbadareal die Papierfetzen zusammenlesen.

Drei Schwimmbad-Wirte

Ein wichtiges „Herzstück“ des Grenchner Schwimmbades ist das schmucke und gut eingerichtete Schwimmbad-Restaurant. Im Verlaufe der ersten 50 Schwimmbad-Jahre arbeiteten hier nur gerade drei Wirte: 1956 bis 1961 Ernst Römer, der auch die „Burgunderhalle“ mit der sagenhaften „Burgi-Bar“ führte. Auf ihn folgte Hans Liechti von 1961 bis 1971. Er führte während langer Zeit auch das Grenchner Volkshaus und später den „Ochsen“. Von 1971 bis heute steht Küchenchef Heinz Kiechel dem Restaurant im Grünen vor. Er ist bereits 35 Jahre lang dem Gartenbad treu; auch ein Jubiläum und einen Applaus wert!
Hans Liechti erinnert sich an seinen ersten Arbeitstag im Schwimmbad. Sein Vorgänger, Ernst Römer, sagte ihm: „Bei gutem Wetter sind die Badegäste scharf auf Käsekuchen. Das ist ein todsicherer Tipp!“ Hans Liechti schrieb sich diesen hinter die Ohren, und als am frühen Morgen des Auffahrtstages 1961 die Sonne vom stahlblauen Himmel schien, buk er zusammen mit einem Bäcker Käseküchlein für ganze Heerscharen. Kaum befand sich das Gebäck im Restaurant, schlug das Wetter abrupt um und der Himmel war verhangen. Die Badegäste blieben weg, und Hans Liechti sass auf einem Käsekuchenberg fest. Anderntags staunten die Volkshausgäste nicht wenig, als sie plötzlich mit Käseküchlein verwöhnt wurden.
Einmal sah sich Hans Liechti gezwungen, den Preis für den Liter Mineralwasser um 30 Rappen auf 2,50 Franken zu erhöhen. Mit diesem teuerungsbedingten Aufschlag waren viele nicht einverstanden und reklamierten, jedoch nicht beim Wirt sondern – beim Stadtammann. Dieser schrieb Hans Liechti einen geharnischten Brief, worin er ihn aufforderte, diese Preiserhöhung rückgängig zu machen, was in der Folge jedoch nicht geschah.
Sonntags seien nicht selten 10'000 und mehr Badegäste gezählt worden, meinte Hans Liechti, und er habe jeweils an solchen Tagen seine Schwestern aufgeboten, ihm zu helfen. Dann standen zur Essenszeit die Gäste in langen Schlangen, und nicht selten hätten einige von ihnen reklamiert, der Service dürfte schneller gehen. An solchen Tagen habe es sich als sehr gut herausgestellt, dass die Küche und die übrigen Räume des Restaurants mustergültig eingerichtet waren.
Abends habe es sich eingebürgert, dass die Badegäste vor dem Heimgehen frische Nussgipfel kauften. Ein besonderes Lob hat Hans Liechti den Bademeistern. Sie seien streng gewesen, korrekt und äusserst aufmerksam.

Das Gartenbad im Spiegel der Zahlen

Im Schwimmbad finden die Benützenden nicht allein gute Unterhaltung, sondern gesunden und individuell betriebenen Sport. Das Schwimmbad wird in naher Zukunft noch wichtiger für die Gesunderhaltung der Bevölkerung.
Die Baudirektion rechnet, dass jährlich im Schwimmbad rund 30'000 Kubikmeter Wasser verbraucht werden. Das sind 30 Millionen Liter! – Blicken wir aufs Spitzenjahr 2003 so sehen wir, dass damals gar 45 Millionen Liter besten Trinkwassers verbraucht wurden. Noch eindrucksvoller ist die Zahl der Wasserumwälzungen. Das sind sage und schreibe 4 Millionen Kubikmeter pro Saison oder ganz einfach vier Milliarden Liter!

400 Kubikmeter Holzschnitzel in der Wasserheizung

Seit Jahrzehnten wird das Grenchner Badwasser auf für Badende angenehme Temperaturen aufgeheizt. Als die erste Gasheizung installiert wurde, war das eine kleine Sensation, und man sprach weitherum von den Grenchnern und ihrem geheizten Schwimmbad-Wasser. Es wurde sogar darüber diskutiert, ob das Bio-Gas aus dem Faulturm der Kläranlage verwendet werden könnte. Heute wird das Badwasser mit der Holzschnitzelanlage im Berufsbildungszentrum aufgeheizt. Pro Saison wird eine Heizenergie von 300'000 kWh benötigt. Und diese wiederum entspricht 400 Kubikmeter Schnitzel. Damit leistet die Stadt einen Beitrag zur Bewirtschaftung einheimischen Holzes.
Die Stadt lässt sich das Gartenbad einiges kosten. Der bauliche Unterhalt beläuft sich auf rund 100'000 Franken und die Betriebkosten 800'000 bis 850'000 Franken pro Jahr. Die Einnahmen betragen je nach Sonnentage pro Saison bei 300'000 Franken.
Bleiben wir noch kurz beim Geld: Als das Gartenbad vor genau 50 Jahren eröffnet wurde, beliefen sich die Investitionskosten auf 1,850 Mio. – In den vergangenen zehn Jahren wurden mehrere und etappenweise gestaffelte Sanierungen im Gesamtwert von 6,2 Millionen durchgeführt; das 3,3 fache der seinerzeitigen Erstellungskosten. Inbegriffen in diesem Betrag ist auch die Sanierung des Sportbeckens, die 2007/08 erfolgen und rund zwei Millionen Franken kosten wird.




Zurück zur Übersicht

A. Fasnacht, 07/2006