Übersicht
Ausgrabungen auf der Burg Grenchen
Die Burg Grenchen im Lichte der Ausgrabungen 1959 und 1961
Beschreibung der Burg
Der Backofen der Burg
Schicksal des Bauwerks
Die Untere Burg
Alltag und Funde
Landwirtschaft, Viehwirtschaft
Offene Fragen
Die Konservierung des Mauerwerks und des Backofens
Hans Rudolf Zuber, Grabungsteilnehmer 1961, berichtet (Erlebnisbericht mit Bildern)
Ausgrabungen auf der Burg Grenchen
Die Farbbezeichnungen in Klammern beziehen sich auf den Sensitiven Plan der Oberen Burg
Seit Jahrzehnten durchwühlten romantisch angehauchte Schatzsucher die Ruine. Vieles ging durch diesen Raubbau für spätere, wissenschaftliche Ausgrabungen verloren. Doch fanden auch einige seriöse Grabungen statt, die sich vor allem auf Sondiergrabungen beschränkten. Bereits konnten einige Funde sichergestellt werden.
Besonders spektakulär war ein Münzfund des Bettlacher Waldarbeiters German Leimer im Jahre 1930. Dieser Fund in den Mauern des Wohnturms wurde von Prof. Tatarinoff im Jahrbuch für Solothurnische Geschichte, Bd. 4(1931), S. 202-203, beschrieben. Der Münzfund steht jedoch in keinem Zusammenhang mit der Besiedlungsepoche der Burg durch die Freiherren von Grenchen, stammen doch die Fundstücke aus dem 14. Jahrhundert. Solche Funde schürten die Fantasie von Unberufenen und es wurde im Verlauf der folgenden Zeit auch immer wieder im Schutt gewühlt.
Der Architekt F. Gruber hob 1946 im Auftrag der Museumsgesellschaft Grenchen einige Sondiergräben aus und erstellte eine umfassende Vermessung der Oberen Burg. Gruber hatte bei seinen Grabungen einige Funde gemacht, die er mit seinen Aufzeichnungen der Museumsgesellschaft Grenchen überliess. Aufzeichnungen und Funde Grubers sind leider verschollen.
Vor den Ausgrabungen 1959 und 1961 waren von der Ruine allein die Innenwände (ca. 1 - 2 m hoch) des Wohnturms sichtbar. Die Aussenwände erreichten nur noch Bodenhöhe. Das Innere das Wohnturms wurde im Laufe der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch Raubgrabungen ausgeräumt.
Die Burg Grenchen im Lichte der Ausgrabungen 1959 und 1961
Die Museumsgesellschaft Grenchen veranlasste die umfassende Erforschung der Burg. Es war auch diese Gesellschaft, welche die für die Arbeiten notwendigen Geldmittel zusammenbrachte. Die Ausgrabungsarbeiten in den Jahren 1959 und 1961 standen unter der Leitung des bekannten Burgenforschers Werner Meyer, Basel, der die Burgenarchäologie in der Schweiz auf einen hohen, international anerkannten Stand führte.
Meine Ausführungen verdanke ich grösstenteils den Grabungsberichten von Werner Meyer:
Meyer, Werner
Bericht über die Ausgrabung der Grenchner Burg im Sommer 1959.
Jurablätter. Monatsschrift für Heimat- und Volkskunde.
22. Jg 1960. S. 1-16
Derendingen, 1960
Meyer, Werner
Die Burg Grenchen. Ein Beitrag zur wissenschaftlichen Burgenforschung.
Jahrbuch für Solothurnische Geschichte. Hrsg. vom Historischen Verein des Kantons Solothurn.
Bd 36 (1963). S. 142-219
s.a. Literaturverzeichnis.
Unmittelbar nach den Ausgrabungen begann man im Herbst 1961 mit der Konservierung des Mauerwerks und des Backofens. Die Konservierungsarbeiten fielen sehr umfangreich aus und dauerten bis ins Jahr 1963.
Das Kultur-Historische Museum in Grenchen zeigt in seinen Ausstellungen Funde der Burg Grenchen sowie ein Modell der Burg. Ein Besuch lohnt sich, vor allem vor einer Besichtigung der Burgruine.
Vorsicht! Die Besichtigung der Burg ist nicht ungefährlich. Die Ruine liegt im Felsgelände. Gutes Schuhwerk ist unbedingt nötig (steile Abhänge, Sturzgefahr).
Beschreibung der Burg
Uebersichtsplan der Oberen Burg nach den Ausgrabungen 1961
Rekonstruktionsversuch der Oberen Burg von Prof. W. Meyer
Es gab zwei Burgstellen: die eigentliche Hauptburg auf der Schlossfluh (Obere Burg) und die Untere Burg auf einem Felsen (Werner Strub nennt ihn Hofacherfluh), der Schlossfluh südwestlich vorgelagert. Die Obere Burg stand auf einem natürlichen Felshügel, der auf der Nordwestseite von einer künstlich aufgeschütteten Wallanlage und einem Burggraben gesichert wurde. Die Wallkrone war, wie ein gefundenes Pfostenloch zeigt, wahrscheinlich durch einen Holzzaun erhöht (ein Hinweis auf Palisaden fehlt). Auf den anderen Seiten des Hügels waren wegen der steil abfallenden, mit Felsen durchzogenen Abhängen keine weiteren Befestigungen nötig.
Der Burgweg
Die Burg war, ursprünglich von Grenchen aus, durch einen 2-3 m breiten Burgweg erschlossen, der heute an einigen Stellen beim Burghügel und unter der Schlossfluh noch gut erhalten ist. Damals konnte der Weg wahrscheinlich bis zur Wallanlage mit leichten, einachsigen Ochsen- oder Pferdekarren befahren werden. Eine besonders schöne Partie des Burgwegs befindet sich bei der Unteren Burg, wo der Weg zwischen zwei Felsenpfeilern durchführt.
Der Zugang zur Burg von der Terrasse hinter dem Wall her ist nicht mehr eindeutig rekonstruierbar. Wahrscheinlich führte er an der Südwestseite des Hügels hinauf zum gepflasterten Gehniveau (Rampe) (olivgrün). Vielleicht war die dem Hang entlang führende Mauer (blau) ein Teil des Zugangs. Beim Abtragen der Burg im Jahr 1585 und wahrscheinlich auch durch Verwitterung wurden die Hauptteile des Zugangs zerstört oder waren abgerutscht.
Das Tor zum Innenhof, das eigentliche Burgtor befand sich wahrscheinlich am Ende des Gehniveaus (Rampe) auf der Südwestseite des Turms in der Umfassungsmauer (grün). Das Tor war vom Gehniveau aus wahrscheinlich über eine kleine brückenähnliche Holzkonstruktion zugänglich.
Nach der Holzburg folgt ca. 1150 der Steinbau
Fundgegenstände datieren den Siedlungsbeginn der Anlage auf die Jahrtausendwende 10. / 11. Jahrhundert. Es entstanden mit grosser Sichereit erste Holzbauten, die Wallanlage sowie oben auf dem Burghügel eine Holzburg, deren bauliche Gestalt und Grundrisse archäologisch nicht mehr nachgewiesen werden konnten. Der Holzbau wurde etwa 1150 durch einen Steinbau abgelöst, der aus einem Wohnturm mit einem fast quadratischen Grundriss von rund 11,5 m Seitenlänge (innere Seitenlänge rund 8 m) als Hauptgebäude bestand (gelb). Südlich des Wohnturms war der Vorplatz der Burg durch eine erste Umfassungsmauer (rot) umbaut, die offenbar zusammen mit dem Turm enstand. Dieser Hof war mit leichten Nutzgebäuden, besseren Unterständen versehen. Ferner führte auf der Südostseite des Turms eine Holztreppe zum Hocheingang des Wohntrums. Der Turm hatte vielleicht vier Stockwerke, vielleicht auch mehr. Seine Höhe dürfte zwischen 10 m und 15 m gelegen haben.
Umgestaltung der Anbauten und der Umfassungsmauer um 1200
Etwa um 1200 veränderte man den Innenhof mit einer neuen Umfassungsmauer (grün) und baute grössere Nutzgebäude, die im oberen Bereich als Fachwerkbau ausgeführt waren. Diese Anbauten waren vermutlich bewohnt. Man fand in diesem Bereich eine Ansammlung von Ofenkacheln. Südlich des Turms war das bebaubare Gelände stark terrassiert durch bearbeitete Felsterrassen. Es mussten also beim Bau der Nutzgebäude starke Niveauunterschiede überwunden werden.
Ein grösserer Brand zerstörte die Anbauten kurz nach der Fertigstellung. Die zerstörten Nebengebäude baute man sofort wieder auf, wie die darunter liegende Brandschicht bekundet, die bei den Ausgrabungen zum Vorschein kam.
Der Backofen der Burg Grenchen
Beim Wiederaufbau nach dem Brand (ca. 1200) wurde auch der leicht ovale Backofen gebaut, dessen Konturen noch gut sichtbar sind (dunkelgrün). Die Backfläche hatte stattliche Ausmasse. Durchmesser auf der Schmalseite etwa 1,75 m und auf der Längsseite gut 2 m. Der Backofen galt als Sensation, denn er stellte den ersten mittelalterlichen Backofenfund der Schweiz dar. Es handelte sich um einen Lehmbackofen, wie er heute noch gebaut wird und zwar technisch sehr ähnlich wie das Exemplar der Burg Grenchen. Kurz nach dem Backofenfund auf der Burg Grenchen fanden Archäologen bei anderen Ausgrabungen auf Schweizer Burgen ähnliche Exemplare.
Bei der Ausgrabung und Entdeckung des Backofens im Jahre 1961 waren die beiden Bettlacher Lehrer Hans Rudolf Zuber und René Bolle direkt beteiligt. Sie waren es, die den Backofen in einer Nachtschicht während der Ausgrabungen im Sommer 1961 vom Schutt der Jahrhunderte befreiten. Hans Rudolf Zuber hielt dieses Ereignis in einem fesselnden Erlebnisbericht fest.
Den wichtigen Fund beschreibt Werner Meyer wie folgt:
Zitat Werner Meyer: "Hier trat direkt unter dem Mauerschutt eine mächtige, linsenförmige, hellrote Lehmschicht zutage. Als diese sorgfältig abgetragen wurde, kam in einer Tiefe von dreissig Zentimetern eine leicht ovale, horizontale, dunkelgebrannte Lehmfläche zum Vorschein, die von einem Kranz in Lehm gebetteter Steine umgeben war. Es handelte sich offenbar um die Reste eines Ofens. Gegen die Deutung als offene Feuerstelle sprach die Tatsache, dass über der Bodenfläche eine dreissig Zentimeter starke Lehmschicht gelagert war, die aus einzelnen Brocken bestand und offenbar die Reste einer Kuppel darstellte. Um einen Heizofen konnte es sich ncht handeln, da die Lage für einen solchen denkbar ungünstig gewesen wäre, und ausserdem fehlte jegliches Fragment einer Ofenkachel. (..) Nur gegen die Deutung als Backofen sprachen keine Argumente. Solche hat es auf den Burgen nachweislich gegeben, wenn auch aus hochmittelalterlicher Zeit in der ganzen Schweiz bis jetzt erst vier Exemplare gefunden werden konnten.
Auf drei Seiten war der Ofen von Mauerwerk umgeben. Ueber seinen Rauchabzug können nur Vermutungen angestellt werden. Sehr wahrscheinlich führte ein primitiver Rauchkanal auf der Innenseite der Mauern zum Dach empor. Die Einschussöffnung war ungefähr siebzig Zentimeter breit und war noch bis in eine Höhe von zwanzig Zentimetern erhalten. Der ganze Ofen ruhte auf einem festen Unterbau von Lehm und Steinen verschiedener Grösse auf." Ende Zitat.
Zitat aus: Meyer, Werner: Die Burg Grenchen. Ein Beitrag zur wissenschaftlichen Burgenforschung. Jahrbuch für Solothurnische Geschichte. Hrsg. vom Historischen Verein des Kantons Solothurn. Bd 36 (1963). S. 162/163.
Besonders schwierig gestaltete sich die Konservierung des Backofens. Eine Bergung des seltenen Stückes kam aus technischen Gründen nicht in Frage. Deshalb fertigte im Jahre 1961 eine Equipe des Schweizerischen Landesmuseums in wochenlanger Arbeit einen genauen Gipsabguss an und gab dem Original, das grösstenteils aus zerbröckelndem Lehm bestand, durch Tränkung mit verschiedenen Chemikalien und durch Erhitzung neue Festigkeit. Um den Ofen vor der Witterung und vor unvernünftigen Besuchern zu schützen, versah man ihn mit einem überdachten Gitter.
Die Schutzeinrichtung des Backofens wurde im Laufe der Jahre entfernt und die Reste des Ofens blieben der Witterung und der Vegetation ausgesetzt.
Das Schicksal des Bauwerks
Hinweise, dass die Burg oder Teile davon je einmal mit Gewalt, also durch kriegerischen Einfluss, zerstört worden wären, gibt es nicht.
Die Strassberger benutzten die Gebäude der geerbten Burg Grenchen nicht. Das heisst also, dass die Burg seit der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts höchstens noch von Dienstleuten (Angehörige des niederen Adels) bewohnt wurde, deren Namen nicht überliefert sind. Allein eine Urkunde der Grafen von Neuenburg aus dem Jahre 1214 erwdhnt zwei Ministerialen (Dienstmänner) mit Namen: Burcardus de Betelahe und Heinricus de Granges, wobei dieser Heinricus kein Angehöriger des edelfreien Geschlechts von Grenchen war. Er entstammte einer Familie niederen Adels (ministerialis). Ein Wohnsitz der beiden wird nicht genannt. Die Behauptung, dass einer von ihnen z.B. die Untere Burg bewohnt hätte, wäre sehr spekulativ und urkundlich in keiner Weise gesichert.
Spätestens anfangs des 14. Jahrhunderts gab man das Bauwerk endgültig auf und überliess es dem Zerfall. Auch die Funde belegen diese Tatsache. Stammen doch die jüngsten Keramikfunde aus dem 14. Jahrhundert. Ob Teile der Burg vom Erdbeben von Basel, am 18. Oktober 1356, zerstört wurden, bleibt ungewiss. Ihre rechtliche Bedeutung als Herrschaftssitz behielt die Burg jedoch bei. Sie erscheint bis um 1400 in den Handänderungsurkunden.
Die Ruine der Burg war im 16. Jahrhundert noch gut erhalten. 1583 beschloss der Solothurner Rat den Bau eines Gefängnisturms in Grenchen. Zum Bau dieses Turms wurde dem Maurer zu Selzach der Abbruch des "burgstalls zur burg ob bettlach" übertragen. Danach wurde die Ruine als Steinbruch benutzt für den Bau des Gefängnisturms in Grenchen. Dieser Gefängnisturm, im Volksmund das "Fuchsenloch" genannt, stand nördlich der alten katholischen Kirche an der Mauer des ehemaligen Friedhofs, ungefähr dort wo sich heute die Treppe von der Kirchstrasse zum Vorplatz der Kirche befindet.
Die Grenchner brachen den Gefängnisturm 1806 wieder ab und verwendeten seine Steine, also auch die der Burg Grenchen, beim Bau der neuen röm.-kath. Kirche in Grenchen. Damals mauerten die Kirchenbauer auch die Grabplatten der Herren von Grenchen, die in der alten Kirche beigesetzt waren, in die Fundamente der neuen Kirche ein. So lebt ein Teil der Burg Grenchen in der heutigen St. Eusebius Kirche in Grenchen weiter.
Die Untere Burg
Die Untere Burg stand auf dem der Schlossfluh vorgelagerten Felsen, der Hofacherfluh. Die Entdeckung der zweiten Burgstelle galt als Sensation anlässlich der Ausgrabungen im Jahre 1959. Die Fundgegenstände weisen auch hier eindeutig auf eine Besiedlung im 12. Jahrhundert. Bei den Grabungen kamen u.a. ein Spornstachel und eine Pfeilspitze von seltener Form zum Vorschein. In welchem Verhältnis die Untere Burg zur Oberen Burg stand, ist nicht klar. Ebenso offen ist, was für Gebäude sich auf der Unteren Burg befanden. Gefunden wurden im südlichen Teil die Reste von zwei Sockeln, die wohl zum Tragen einer Holzkonstruktion bestimmt waren. Die Burgstelle war allseitig mit einer 1,5 m starken Mauer umgeben. War die Untere Burg ein Sitz von Ministerialen (Dienstmänner) oder erfüllte sie die Funktion einer Vorburg? Genauere Angaben könnten erst nach einer flächendeckenden Freilegung gemacht werden.
Erst nach der Rodungsaktion auf der Oberen Burg im Herbst 2001 stellte man fest, wie ausserordentlich gut der Sichtkontakt zwischen den beiden Burgen war.
Der Alltag auf der Burg
Er war karg, hart, feucht und kalt. Das Leben in den 2 m dicken Mauern war nicht sehr komfortabel. In den Wohntürmen, so sicher auch in Grenchen, befand sich die Küche unten, meistens mit offenem Herdfeuer. In den oberen Stockwerken waren die Wohn- und Schlafgemächer untergebracht, die in den mittelalterlichen Burgen oft schon mit Kachelöfen beheizt wurden. Das dürfte auch in Grenchen der Fall gewesen sein; die Ausgrabungen brachten in den Nebengebäuden etliche Ofenkacheln zu Tage.
Die Vorläufer der Kachelöfen sind die in kalten Gegenden, vor allem im Alpenraum, in die Häuser eingebauten Backöfen oder überwölbten Herdfeuerungen. Der Backofen wanderte mit seinem Ofenkörper in die sich im Mittelalter herausbildende Stube, die Beheizungs- und Beschickungsseite verblieb aber in der Küche. Dadurch entstand ein Raum, der beheizbar war und trotzdem sauber gehalten werden konnte. Diese Öfen hatten meist eine Oberfläche aus Lehm und Kalk. Aus Gründen der leichteren Konstruktion baute man in diese Gewölbe Bauteile ein, die der Töpfer (Hafner) zu diesem Zweck herstellte nämlich konvexe oder konkave Schüsseln und Becher. Man merkte schnell, dass die Wärmeübertragung an den Stellen mit keramischen Bauteilen besser war.
Wie schaute der Alltag aus auf einer mittelalterlichen Höhenburg im Jura? Die Burg wurde bewohnt von der Familie des Burgherrn, vom Gesinde und, je nach Situation, von einigen Kriegsknechten. Auf oder unmittelbar bei der Burg hielt man sich Kleinvieh, Kleintiere und Hunde. Die Sennerei und der Landwirtschaftsbetrieb der Burg Grenchen befanden sich in einiger Entfernung der Burg; nämlich unten auf dem Hofacher und oben auf dem Bettlachberg die vermutete Sennerei.
Der Alltag des Burgherrn: Belegt ist von einigen Jura-Burgen, dass der Burgherr sich zuweilen mit Sennerei-Arbeit beschäftigte. Das stimmt mit dem von Werner Meyer geschilderten Bild vom Leben der Adeligen als kriegerische Hirten und Jäger voll überein. Die Jagd spielte auf allen Burgen eine wichtige Rolle. Bei manchen Jura-Burgen belief sich der Wildanteil der Tierknochenfunde auf 30% und mehr. In Grenchen waren es etwa 11%. Als Jagdwaffe spielte die Armbrust die Hauptrolle. Mit einer Armbrust konnte bis auf eine Distanz von über 100 m präzise getroffen werden. Ebenfalls für die Jagd wurden natürlich die Hunde eingesetzt, die auf jeder Burg zahlreich gehalten wurden. Auch die Jagd mit dem Falken pflegten einige Burgherren. Zu den 'Regierungsgeschäften' des Burgherrn zählte vor allem das Abhalten von Gerichtstagen, dem Klären von alltäglichen Streitereien, Problemen und Fragen seiner Bauern. Die Pflege der Beziehungen zu Verwandten und befreundeten Adeligen war von grosser Bedeutung. Waffenübungen, Turniere, Gelage und nicht zuletzt auch das Fehdewesen (Fehden, also Streit und Rechtshändel unter Adeligen, wurden teilweise als wahrhaftige Kleinkriege zwischen den beteiligten Adelshäusern ausgetragen) spielten mit im Alltag der Burgherren. Mit der schulischen Bildung der Burgherren war es schlecht bestellt - Analphabetismus war fast der Normalfall.
Der Alltag der Gemahlin: Die Frauen auf der Burg befassten sich mit den täglichen Hausarbeiten: Kochen, Backen, Wohnungspflege, Spinnen, Nähen, Waschen, Pflege und Fütterung der Kleintiere. Bei diesen Arbeiten legte selbst die Herrin Hand an. Bei den Damen gehörte Schrift und Sprache zur schulischen Ausbildung. Deshalb wurden die wenigen nötigen Schriftstücke oft von der Burgherrin geschrieben.
Besonders erwähnt sei hier der Winter. Die unwegsame Umgebung der Grenchner Burg dürfte sich im Winter besonders hart ausgewirkt haben. Oft waren die Wege kaum begehbar. Kälte, Schnee und Winterstürme machten den Bewohnern das Leben schwer. Die Burgen waren nur schlecht zu beheizen, Fenster im heutigen Sinne gab es nicht. Butzenscheiben kamen erst viel später auf. Die Bewohner waren gezwungen, die offenen Fenster und Luken soweit wie möglich zuzustopfen oder mit Läden zu vermachen - die dunklen Räume der Burgen waren im Winter noch viel ungemütlicher und kälter. Dennoch erlosch im Winter das Leben auf den Burgen nicht. Nach Weihnachten hielt man Turniere ab und in dieser Zeit eröffnete man die Fehden. Höhepunkte des Herrenlebens fielen also in die kalte Jahreszeit. Den Frühling erwartete man aber allemal mit grosser Sehnsucht: Ängste und Nöte des Winters waren endlich vorbei.
Kirche, Religion: Was das religiöse Leben betraf, richtete sich die Familie der Burgherren nach Grenchen aus. In der Kirche von Grenchen empfingen sie wohl die Taufe und besuchten die Gottesdienste. Als gesichert gilt die Tatsache, dass einige der Familienmitglieder in der Kirche Grenchen bestattet waren. Die Erbauer der neuen Kirche mauerten die Grabplatten der Herren von Grenchen anfangs des 19. Jahrhunderts in die Fundamente der St. Eusebiuskirche Grenchen ein.
Funde bei den Ausgrabungen 1959/1961
Bau- und Ausführung des Mauerwerks, Knochen-, Keramik-, Glas- und Metallfunde geben dem Archäologen recht genau Auskunft über die Besiedlungsepochen einer Burganlage. Eine wichtige Rolle spielen auch Ort, Beschaffenheit und Tiefe der Fundstellen (Kulturschichten).
Die Funde setzen sich denn auch hauptsächlich aus den genannten Materialgruppen zusammen. Den Hauptteil nehmen Tierknochen und Keramikfragmente ein, weniger Metallgegenstände und selten Glas- und Steingegenstände. Gegenstände aus leicht vergänglichen Materialien wie Leder und Holz wurden nicht gefunden. Alle Fundgegenstände weisen auf die Besiedlung der Anlage vom 10. Jahrhundert bis ins frühe 14. Jahrhunder hin. Eine Besiedlung in der gallorömischen Epoche kann ausgeschlossen werden.
Aus dem
Grabungsbefund schliesst Werner Meyer auf einen harten und sehr primitiven Alltag der Burgbewohner. Dennoch gibt es ein paar Hinweise auf eine etwas gehobenere Alltagskultur auf der Burg.
Der sensitive Plan der Burg gibt Auskunft über Fundort und Massierung der Fundgegenstände aus der Besiedlungsperiode der Steinburg, nach 1150.
Die erste Besiedlungsperiode, ca. 1000 - 1150, und die Funde aus dieser Zeit erläutert die Seite über die Holzburg.
Haustiere, Nutztiere, Landwirtschaft
Die Bewohner der mittelalterlichen Burgen waren eng mit den Haus- und Nutztieren verbunden. Die Tiere gehörten unmittelbar zur Lebenssicherung und Ernährung der Burgbewohner, die ein ausgesprochen landwirtschaftlich betontes Leben führten. Die Jagd spielte für die Ernährung eine eher untergeordnete Rolle auf den kleineren Herrschaftssitzen im Mittelalter. Das gilt auch für die Burg Grenchen. Die Nutztiere, vor allem Rinder und Pferde waren zu dieser Zeit kleiner als heute. Die Pferde darf man sich in der Grösse von Ponys vorstellen. Als Reittiere können sie nicht mit den heutigen schweren Tieren verglichen werden.