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Burg Grenchen - Bettleschloss

Geschichtliche Grundlagen







Allgemeine Situation

Die Position des Adels festigte sich zusehends während des allmählichen Niedergangs Hochburgunds. Eine Folge davon war auch die starke Zunahme des Burgenbaus. Adelsfamilien sorgten so für feste Refugien und durch Rodungen vergrösserten sie ihren Grundbesitz. Auch die Gründung der Burg Grenchen im späten 10. Jahrhundert ist wohl in diesem Zusammenhang zu sehen.


Die Herren von Grenchen, Gründer der Burg

Das Adelsgeschlecht der Herren von Grenchen gab es tatsächlich. Diese Familie bewohnte die Burg Grenchen. Wahrscheinlich waren sie auch die Gründer der Burg.

Erstmals erwähnt wurde ein Kuno von Grenchen (Chono de Granechun) 1131 im Zusammenhang mit der Stiftung des Klosters Frienisberg, wo Kuno als Zeuge auftrat. Man darf mit Sicherheit annehmen, dass es die Familie von Grenchen schon länger gab, weisen doch die älteren Funde auf der Burg ins 10. Jahrhundert zurück, als die heutige Westschweiz wie auch das Gebiet des Leberbergs noch zum Königreich Hochburgund gehörten.
Die Herren von Grenchen waren keine Grafen, wie es früher oft vermutet wurde. Sie gehörten aber doch dem höheren Adel an, wahrscheinlich als Edelfreie, wie ihre Verschwägerung mit Grafengeschlechtern wie den Grafen von Neuenburg und den Grafen von Neuenburg-Nidau vermuten lässt. Mit dem Niedergang der Königsautorität, der sie allein verpflichtet waren, verfügten Edelfreie wie die Herren von Grenchen ziemlich souverän über ihre Güter.

Das Geschlecht der Herren von Grenchen war früh ausgestorben, vermutlich schon im 13. Jahrhundert mit Berta II von Grenchen, die mit dem Minnesänger Graf Rudolf I von Neuenburg-Nidau verheiratet war. Die Herren von Grenchen waren offenbar Verwandte der Herren von Strassberg, deren Burg in Büren a.A.stand. Etwa 1180 wird Ulrich von Strassberg als Cognatus (Verwandter) Hessos von Grenchen erwähnt.

Zu ihrem Besitz zählten die Herren von Grenchen die Dörfer Grenchen, Bettlach und Selzach sowie wahrscheinlich kleinere Gebiete südlich der Aare.


Zur Quellenlage

Woher stammte eigentlich diese Familie von Grenchen? Hinweise auf Beziehungen zum deutsch-alemannischen Adel im Norden und Osten gibt es nicht. Man darf fast davon ausgehen, dass die Herren von Grenchen altem burgundischem Adel entstammten.

Rückblickend kennen wir mit einiger Sicherheit aus Erwähnungen in schriftlichen Quellen nur fünf Vertreter aus drei bekannten Generationen der Familie von Grenchen, nämlich:

  • Chono de Granechun 1131 (Kuno von Grenchen)
  • Hesso von Grenchen 1175, 1180, 1181
  • Berta I von Grenchen ca. 1192 (verheiratet mit Ulrich II v. Neuenburg)
  • Berta II von Grenchen 1225 (verheiratet mit Rudolf I von Neuenburg-Nidau)
  • Johann von Grenchen 1225 (Bruder von Berta II, nur erwähnt in der unten abgebildeten Schenkungsurkunde)

    Versuch einer Stammtafel
    Prof. Werner Meyer: Versuch einer Stammtafel


    Bei den Erwähnungen in schriftlichen Quellen muss man davon ausgehen, dass es damals bei weniger bedeutenden Geschlechtern und Gütern recht selten vorkam, dass ihre Namen in Urkunden erschienen. Vermutlich lebten noch weitere Angehörige der Herren von Grenchen, deren Namen bis heute unbekannt geblieben sind. Das dürfte bestimmt für die Zeit vor Kuno von Grenchen und etwas vermindert auch nachher zutreffen. In der Zeit vom 10. bis ins 12. Jahrhundert flossen die schriftlichen Quellen sowieso nur sehr spärlich.

    Schenkungsurkunde der Berta von Grenchen, 1225
    Schenkungsurkunde der Berta von Grenchen aus dem Jahre 1225
    Aus: Solothurner Urkundenbuch. - Hrsg. vom Regierungsrat des Kantons Solothurn. - Erster Band: 762-1245. -
    Bearbeitet von Ambros Kocher. - Solothurn: Staatskanzlei des Kantons Solothurn, 1952.
    Flächenmass: 1 Schuppose = 10 - 12 Jucharten, also rund 400 a


    Zur Erläuterung der Quellensituation sei Werner Meyers Einleitung zum Bericht über die Ausgrabung der Burg Grenchen zitiert:

    Zitat:

      Der Jura bot mit seinen mannigfachen Bergkuppen und Felsrippen im Mittelalter günstige topographische Voraussetzungen für den Bau von Burgen. Es kann deshalb nicht verwundern, dass sich in der Feudalzeit zahlreiche Festen auf den Höhen dieses Waldgebirges erhoben. Über ihren Ursprung wissen wir im allgemeinen sehr wenig. Die schriftliche Überlieferung setzte erst im Laufe des 13. Jahrhunderts in grösserem Umfang ein. Aus jener Zeit erfährt man vielleicht ein paar Dinge über ihre Bewohner und deren Besitzverhältnisse. Nur von Burganlagen, die bis in die Spätzeit des 15. oder 16. Jahrhunderts Bestand hatten, sind Nachrichten über die Baugeschichte, die Inneneinrichtung oder das tägliche Leben auf uns gekommen. Über die Entstehung der Festen ist aus schriftlichen Quellen in den seltensten Fällen etwas zu entnehmen.

      Die moderne Bodenforschung mit ihren Zweigwissenschaften ist imstande, einen Teil der durch die Dürftigkeit der schriftlichen Überlieferung entstandenen Wissenslücke zu schliessen.

    Ende Zitat.


    Erben der Herrschaft von Grenchen waren die Strassberger

    Der erwähnte Besitz der Herren von Grenchen geht nach dem Ableben von Berta II von Grenchen (in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts) an den Strassberger Zweig des Hauses Nidau. In einer der nächsten Generationen der Strassberger fand eine wichtige Erbteilung statt, die sich bis heute auswirkt.
    1309 erhielt Otto von Strassberg das Dorf Grenchen mit dem Kirchensatz, Büren a.A. und die Burg Strassberg. Berchtold von Strassberg dagegen erhielt Altreu, Selzach, Bettlach und die Burg Grenchen mit dem Dorfe Burg. Seit dieser Erbteilung im Jahre 1309 liegt die Burg Grenchen auf Bettlacher Boden.

    Das heute nicht mehr lokalisierbare Dorf Burg lag möglicherweise nahe dem Landwirtschaftsbetrieb Burghof. Wahrscheinlich von diesem Betrieb aus wurde das Gut der Burg Grenchen bewirtschaftet. Vermutlich wuchs das Dorf Burg aus dem mit der Burg verbundenen Landwirtschaftsbetrieb heraus.

    Die neuen Herren benutzten die Burg nicht mehr. Vermutlich bewohnten Ministeriale (Dienstleute) der Strassberger die Anlage noch einige Jahrzehnte. Anfangs des 14. Jahrhunderts gab man das Bauwerk auf und überliess es dem Zerfall. Ihre rechtliche Bedeutung als Herrschaftssitz behielt die Burg jedoch bei. Sie erscheint bis um 1400 in den Handänderungsurkunden.

    Das Wappen der Herren von Grenchen

    Die Chronik von Johannes Stumpf "Gemeiner loblicher Eydgnoschafft Stetten, Landen und Völckeren Chronick wirdiger Thaaten Beschreybung" , gedruckt 1548 bei Froschauer in Zürich, überliefert das Wappen der Herren von Grenchen in den Farben Silber (Weiss) und Blau. Die Chronik erwähnt es offenbar als Wappen Hessos von Grenchen.



    Literaturverzeichnis





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    A. Fasnacht 03/2000