Burg Grenchen
Die Sage
Vor uralten Zeiten hauste in der Burg Grenchen ein arger Tyrann, der das arme Volk arg bedrückte und aussaugte. Damals lebte drüben über der Aare, unweit vom Dorfe Arch, ein Zwingherr auf seinem Schloss, dem die Not des Volkes zu Herzen ging und der daher den Entschluss fasste, dieser ein Ende zu machen. Er beredete die Schlossmagd der Burg Grenchen, ihm behilflich zu sein, den Tyrannen beiseite zu schaffen. Als dieser an einem Abend voll Behagen hinter seinem Humpen am Tische sass, brachte die Magd das Licht herein und stellte selbiges dem Fenster Gegenüber auf den Tisch. Bald darauf flog von Arch herüber ein Bolzen und traf den Tyrannen ins rechte Auge, so dass er tot vom Stuhle stürzte.
Seither sei nach der Volkssage der Geist nicht zur Ruhe gekommen, sondern spukte in Teufelsgestalt in der zerfallenen Ruine. In einer grossen Kiste bewache er in einem unterirdischen Gange einen reichen Schatz. Schon wiederholt haben Schatzgräber denselben zu heben gesucht, dabei aber jedesmal Schaufel, Karst und Pickel eingebüsst und sie mussten noch froh sein, dass sie mit heiler Haut davon gekommen sind.
Wenn der Biswind daherkommt und das Wetter ändern will, dann verlasse der Schlossteufel den Schatz, komme auf die Rothenfluh heraus und jauchze und johle, dass niemand des Lebens mehr sicher sei. Wenn dann zufällig ein Zug vorbeifahre, habe der Teufel oft den Rossen die Kummet abgenommen und in die Tannen hinaufgehängt.
Meidet die Burg in der Nacht ...!
Auch den Sennen habe er früher manchen Spuk getrieben und sie auf Irrwege geführt. Darum hat auch der Bützensenn, wenn er am Schloss vorbeigegangen ist, sein Lederkäppchen abgenommen und einen frommen Spruch getan und ihm ist auch nie was Leides begegnet.
Seit den Franzosenzeiten hat man von dem Schlossteufel nichts mehr gehört. Mit dem Glauben ist eben auch er verschwunden und freut sich nun das Volk der vollen Freiheit, die der Schlossteufel einst geschändet hat.
Ebenfalls ging die Sage um, dass der Schlossteufel wieder regiere, wenn das Wissbächli in schlimmen Regentagen grosse Steine und Tannäste mit sich fortriss.
Aus: Strub, Werner: Heimatbuch Grenchen. Solothurn: Verlag Vogt-Schild, 1949.

Der Grenchner Arzt und Mundartdichter Franz Josef Schild,
gen. Grossätti vom Leberberg, 1821-1889.
D'r Schlosstüfel im Bettleschloss
In Verse gesetzt vom Grenchner Mundartdichter Franz Josef Schild, (Grossätti vom Leberberg)
Jo, 'sLaub isch uehe, grüen isch's au im Thal,
Und 'sHeiweh uffe Bärg erwacht bim Senn
Und au bim Veh, au plogt's d'r Bützesenn,
Wo düre Winter z'Grenche g'fuet'ret het:
Si Fläck und Stärn thüe nümme guet im Stall,
D'r Neumichelitag isch halt v'rbi, -
Das wüsse sälbi Chüeh, si wüsse's z'guet.
Just isch's am Fritig, s'isch e guete Tag,
Wo bi d'r Uffahrt Glück und Säge bringt,
So wie m'r seit vo-n-alters her; d'rum tribt
D'r Bützesenn a sälbem Tag scho früeh
Vo Grenche-n-ab, d'r Mälcher geit vorus
Und lockt mit Johlijo und Hossässä
Die munt're Chüehli gege d'Bütze zue.
Und wie si oben-n-a d'r Burgmatt si,
Nid öppe grüsli wit vom Bettleschloss,
Zieht dört d'r Bützesenn si Chappe-n-ab,
Macht's Chrüz und seit e-n-ernste, fromme Spruch
Doher und murmlet dri: "Du guete Gott,
Di Allmacht und di Heiligkeit isch gross,
Füehr du-n-is doch bim Tag und bi d'r Nacht
Mit wiser Hang uff guete Wäge do
Bim Bettleschloss v'rbi, ig bitte di!"
D'r Mälcher, dä die Spärgementli g'seht,
Wo au dä Spruch und au das Bäte kört,
Möcht d'rum au gärn vom Meister wüsse, was
Er eigelig d'rmit de säge well.
"Nu Laubi umme, Chüehli hohä ho"
Rüeft du d'r Senn, zeigt d'ruf uff's Bettleschloss
Und seit: "So los m'r jetz frei ordli zue:
Dört uff d'r Flueh, wo bocksgrad uehe steit,
Dört isch vor mänggem, grüslig mänggem Johr,
Vor Zite, vom'r si nid b'sinne ma,
Es Schloss und d'rinn e Zwingherr g'si, dä 'sVolch
Zu alle Dinge drückt und zwunge het,
Er het uff alli Sache Stüre gleit
Und so d'rmit im arme plogte Bur
Die letschte Chrüzer gno, m'r isch em au
Bi Stock und Galge,-n-und wie süsch die Strof
No heisst, die schönste Früchte schuldig g'si;
Und wenn's e g'lustet het, so het'r eim
Die schönste Ross und Chüeh vom Wage g'spannt
Und mir nüd, dir nüd de do uehe g'füehrt.
Und isch im Thal es ordligs Meidli g'si,
So het'r's uff sis Schloss lo cho und het's
Zur g'heime Süng v'rfüehrt, v'rfüehrt mit Gäld,
Mit guete Worte-n-oder z'letscht mit G'walt.
O Gott, wie mänggi Muetter het de nid
Um d'Unschuld vo d'r liebe Tochter au
Im Stille briegget, und wie mängge Bur,
Wo drückt g'si-n-isch vom schwäre Joch, dem's Herz
Im Zwilchechittel g'schwinger g'chlopfet het,
Het nid a d'Rach' und a d'V'rgeltig dänkt
Und öppe-n-a 's Erlösigsstüngli g'laubt.
Dört äne, g'rad' dört äne-n-a d'r Aar,
Nid ebe wit vo sälbem Dorf, vo-n-Arch,
Si au no Räste vo me-n-alte Schloss.
Zur gliche Zit, wo-n-üse Zwingherr do
Im Schloss as wie nes Uthier g'huset het,
Het's au im Schloss bi-n-Arch e Zwingherr g'ha.
Däsälb dört isch, so seit m'r, mönschlig g'si,
Het sini Bure ni mit Last und Zwang
Und Ummuess g'nöthet, und het's Unrecht g'hasst.
D'rum het'r gäge Herr vom Bettleschloss
I wilder Täubi uff's V'rdärbe g'stunt.
Es isch e Summerobe g'si, so mild
Und still, do het d'r Zwingherr dört vo-n-Arch
Du mit d'r Schlossmagd do vom Bettleschloss
Bi sälber Flueh dört äne, oberlufts,
Rothflueh, so heisst si jetz sid sälber Zit,
Geheime Roth und Ungerredig g'ha,
Uff weli Art und Wis dä Grüsel do,
Wo si im Schloss do obe g'sädlet het,
Uff d'Site z'schaffe sig; und los, mi Bueb,
D'r Plan d'rzue isch gleitig g'schmiedet g'si.
Und wo am nächsten-n-Obe du d'r Vogt
Do obe-n-i d'r Stube g'hocket isch,
Am Tisch, und über neui Stür und Last
Im Stille bruetet het, und wo's im Dorf
Do z'Bettle niede nüni g'schlage het,
Het d'Schlossmagd 'sLicht i d'Stube treit und het's
Em Pfeister gege-n-über uffe Tisch
Vor ihre Herr und ihre Meister g'stellt;
Jo wägerli sie het's g'rad' vor ne g'stellt,
Zum g'wüsse Ziel und Zeiche zu sim Tod.
Und bloss e chlini Zit isch d'rüber hi,
So isch e Chrugle-n-us 'me-n-alte G'schoss
Vo-n-Arch, i d'Stube do vom Burgvogt cho
Und het ne g'füehrt zum g'rechte Richterstuehl,
Zum stränge Gott, es Glück für's ganze Thal!

...soeben vom Geschoss getroffen!
Bild aus: Leimer, Edgar: Bettlach. Geschichte und Geschichten. Bettlach, 1981.
Der Holzschnitt stammt aus dem "Eidgenössischen National Kalender für das Schweizervolk 1883", S. 41/42.
Do obe spukt'r jetz sid sälber Zit
I Tüfelsg'stalt, d'r Geist vom Vogt, m'r seit,
Er hock' im Bode-n-inne ime Gang,
Uff riche Schätze-n-und uff Gäld, m'r glaubt
Für g'wüss, es sig e Chiste voll, und wenn's
D'r Eint' und Anger g'luste thuet, wo-n-au
D'r Mueth und au 'sGuräschi het
Und nohe grabt, so wird em währli gäng
Si Schufle-n-und si Charst und Bickel gno
Und jo, d'r Tropf cha frili z'friede si
Und danke, wenn'r ohni Präste-n-und
Mit heiler Hut vo so're Chilbi chunnt.
Und will es Wätter cho, will's Bise gä,
So geit d'r Tüfel ab sim Schatz und chunnt
Uff d'Schlossflueh dört und jutzget, lärmidiert
Und thuet, ass do bim Schloss, Gott b'hüet is doch,
Keis läbigs G'schöpfli sicher isch. Wenn g'rad'
E Zug do uehe-n-oder abe fahrt,
So zieht d'r Schwarz de Rosse d'Chömmet ab,
Und hänkt se do und dört a d'Tanne-n-uf;
Au macht'r hie und do de Senne Spuk;
Wenn eine-n-uehe-n-oder abe geit,
So wird 'r uff es lätzes Wägli g'füehrt,
So ass'r lang nid weiss, wo's ane geit, -
Und d'rum, mi Mälcherbueb, d'rum ha-n-ig au
Zum Himmel bätet jetz, um Schutz und Heil.-
Nu, mini liebe Chüehli, vorwärts, hai!"
Aus:
Schild, Franz Josef:
Aus dem Leberberg : Gedichte und Sagen in Solothurner Mundart.
Erstes Bändchen. - Beitrag zum schweizerischen Idiotikon.
Biel: Steinheil, 1860. 106 S.
A. Fasnacht 03/2001