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Burg Grenchen - Bettleschloss

Zum Bau der steinernen Burg







Beim Burgenbau spielte der Repräsentationsgedanke eine wichtige Rolle. Diese Haltung dürfte auch bei den Herren von Grenchen zum Tragen gekommen sein, als man in der Mitte des 12. Jahrhunderts beschloss, die alte Holzburg durch einen imposanten Steinbau mit Wehrcharakter zu ersetzen.
Wieso Wehrcharakter, wenn es doch klar ist, dass die Burg keine grosse strategische Bedeutung hatte? Sie musste weder einen Juraübergang noch andere Verkehrswege bewachen. Neben der rein repräsentativen Bedeutung des Wehrbaus kommen doch einige kriegerische Ueberlegungen ins Spiel. In der Zeit, als die Steinburg gebaut wurde, hatte das Fehdewesen grosse Bedeutung. Rechtsstreite unter Adeligen wurden teilweise als Kleinkriege zwischen den beteiligten Adelshäusern ausgetragen. Man versuchte sich gegenseitig alle erdenklichen Schäden zuzufügen: Raub, Verwüstung der Ländereien, Ueberfälle, Entführung von Verwandten, wie eben nicht zuletzt auch Belagerungen und Viehraub im grossen Stil. Eine Rechtfertigung des wehrhaften Steinbaus lag demnach auf der Hand. Werner Meyer spricht vereinzelt von den frühen Hirtenburgen des Juras, auch die Burg Grenchen zählt er dazu. Diese Burgen mussten ihre Weidegebiete überschauen, bewachen und sichern können. Eine Funktion, welche die Burg Grenchen mit ihrer hervorragenden Lage optimal wahrnahm.

Das Baumaterial Jura-Kalkstein konnte in der Nähe zusammengetragen oder abgebaut werden. Der Burghügel befindet sich in einer felsigen Gegend, steht doch die Burganlage selber auf Kalkstein. In unmittelbarer Nähe befinden sich die Gäschlerflühe und die hochragenden Kalkgrate am Bettlachstock.
Werner Meyer vermutet, dass die grossen Quaderblöcke für die Aussen- und Innenmäntel der Mauern aus entfernteren Steinbrüchen stammen. Der Kalkstein der nahen Umgebung der Burg wäre zu brüchig für die Gewinnung und Bearbeitung grosser Quaderblöcke, hingegen ausreichend als Füllmaterial für den Mauerkern.

Für den Bau der Steinburg verwendete man in grossen Mengen Mörtel als Bindemittel zur Festigung des Mauerwerks. Die Aufbereitung des Mörtels erfolgte auf der Baustelle. Wo der Kalkofen zum Brennen der Kalksteine stand, ist nicht bekannt. Es ist durchaus möglich, dass man den gebrannten Kalk von Grenchen zur Baustelle heraufkarrte. Nach dem Löschen des Kalks ist dieser mit Sand zu mischen im Verhältnis etwa 1:3.

Interessant ist, was mir Herr Günter Mann vom Freilichtmuseum Beuren in Deutschland per e-Mail mitteilte: "Wenn es bei der Baustelle eine ebene Fläche zur Errichtung eines Kalkofens und das nötige Holz gab, dazu der Kalkstein direkt anstand, kann ich mir gut vorstellen, dass der Ofen direkt auf der Baustelle errichtet und dort auch der Stein gebrochen wurde. Auch das von den Steinmetzen abgeschlagene "Abfallmaterial" hätte gebrannt werden können, soweit es nicht als Füllmaterial in den Mauerkern gelangte".

Der Bau der Burg Grenchen als steinerne Burg wird wohl einige Zeit gedauert haben. Man weiss, dass für kleinere Burganlagen zwanzig und mehr Steinmetze, Maurer, Zimmerleute und Fronarbeiter zwei bis drei Jahre gearbeitet haben. Für den äusseren und inneren Mauermantel des Wohnturms verwendete man mehrheitlich behauene Steine. Im Aussenmantel fand man grosse, behauene Quaderblöcke, die einem Steinmetz viele Stunden Arbeit abrangen. Wieviele Grenchner und Bettlacher beim Bau der Steinburg Fronarbeit leisten mussten, ist nicht bekannt.

Zitat von Werner Meyer: "Der Grundriss des Turmes beschrieb annähernd ein Quadrat von 11,5 Metern äusserer Kantenlänge. Die Mauerdicke schwankte zwischen 2 und 2,6 Metern. Die Turmmauer ruhte grösstenteils auf dem gewachsenen Fels auf. Um den teilweise recht grossen Quaderblöcken guten Halt zu verschaffen, waren an verschiedenen Stellen Fundamentabsätze in den Fels gemeisselt. M1d (Nordostmauer des Turms) stand bloss teilweise auf Felsgrund; denn die mittleren Partien ruhten in gewachsenem Lehm. Deshalb besassen die Fundamente an dieser Stelle einen bis zu dreissig Zentimetern vorspringenden Absatz. Aehnlich verhielt es sich im Mittelteil von M1a (Südostmauer des Turms), wo der Fels erst in einer gewissen Tiefe anstand. Hier erhob sich das aufsteigende Mauerwerk auf einem massiven, bis zu fünfzig Zentimetern vorstehenden Sockel, dessen Höhe ca. 1,3 Meter betrug. Alle diese Fundamente waren aus kleinerem Bruchsteinmaterial in lagerhaftem Verband errichtet. Die aufsteigenden Mauern dagegen bestanden aus grossen Quadern; diese waren in einer Manier errichtet, die für jurassische Verhältnisse als hervorragend bezeichnet werden musste. Die Ecksteine und vermutlich auch die Gewändsteine von Türen und Fenstern trugen Bossen mit Randschlag (Buckelquader). Auch der Innenmantel des Turmes bestand aus einem sorgfältigen Quaderverband von mittelgrossen Blöcken, während der Mauerkern eine eher nachlässige Technik, einen Mörtelguss mit unbearbeiteten Steinen unterschiedlicher Grösse aufwies." Ende Zitat.
In runden Klammern: Erläuterungen von A. Fasnacht.


Modell der Burg: Sü:d-Ansicht

Modell der Burg Grenchen im Kultur-Historischen Museum Grenchen: Süd-Ansicht.

Zitat aus: Meyer, Werner
Die Burg Grenchen. Ein Beitrag zur wissenschaftlichen Burgenforschung.
Jahrbuch für Solothurnische Geschichte. Hrsg. vom Historischen Verein des Kantons Solothurn.
Bd 36 (1963). S. 152/153





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A. Fasnacht 01/2001