Burg Grenchen - Bettleschloss
Konservierung
des Mauerwerks und des Backofens 1961-1963
Unterhalt der Burg nach 1963 und in Zukunft
Zitat aus dem Bericht von Werner Meyer:
Konservierung
Das freigelegte Mauerwerk befand sich grösstenteils in einem sehr schlechten Zustand. Deshalb drängte sich eine rasche Konservierung auf. Dr. R. C. Schild, Präsident der Museumsgesellschaft Grenchen, sorgte dafür, dass die wichtigsten Erhaltungsarbeiten noch vor dem Einbruch des Winters 1961/62 durchgführt werden konnten. Das Baugeschäft Meyer-Wyss AG, das schon 1959 den Innenmantel des Wohnturmes gesichert hatte, erhielt den Auftrag, mit den Konservierungsarbeiten möglichst rasch zu beginnen.
Freilich sollte keine künstliche Ruine errichtet werden, sondern die Sicherungsarbeiten hatten lediglich die Aufgabe, das bestehende Mauerwerk vor weiterem Zerfall zu bewahren. Die Aussenmäntel, welche meistens bis auf die Fundamente hinunter zerstört waren, mussten allerdings bis in die Höhe des Mauerkerns neu aufgemauert werden. Bei gut erhaltenen Mauermänteln genügte ein gründliches Ausfugen, verbunden mit einzelnen Ausflickungen.
Wohnturm: Südwestmauer mit Rampe vor der Konservierung/Aufmauerung
der Rampe und des Aussenmantels der Südwestmauer.
Bild: Werner Meyer, 1963

Wohnturm: Südwestmauer mit Rampe nach der Konservierung/Aufmauerung
der Rampe und des Aussenmantels der Südwestmauer.
Bild: Zustand April 2002
Die äusserste Schicht des Bindemittels wurde durch Zusatz von Weisskalk und gesiebtem altem Mörtel aus dem Mauerschutt im Farbton dem alten Gemäuer angeglichen, so dass die störende bläulichgraue Zementfarbe nirgends sichtbar blieb.
Besonders schwierig gestaltete sich die Konservierung des Backofens. Eine Bergung des seltenen Stückes kam aus technischen Gründen nicht in Frage.
Nordostmauer, hinten die Schutzeinrichtung (Gitter, Dach) des Backofens.
Bild: Werner Meyer, 1963.
Deshalb fertigte eine Equipe des Schweizerischen Landesmuseums in wochenlanger Arbeit einen genauen Gipsabguss an und gab dem Original, das grösstenteils aus zerbröckelndem Lehm bestand, durch Tränkung mit verschiedenen Chemikalien und durch Erhitzung neue Festigkeit. Um den Ofen vor der Witterung und vor unvernünftigen Besuchern zu schützen, versah man ihn mit einem überdachten Gitter.
Zur Zeit ist die Konservierung noch nicht abgeschlossen. Aus diesem Grunde wäre ein umfangreicher Bericht über die Sicherungsarbeiten noch verfrüht. Es ist aber zu hoffen, dass die noch ausstehenden Arbeiten in absehbarer Zeit zu Ende geführt werden können.
Ende Zitat
Anmerkung von A. Fasnacht: Die Konservierungsarbeiten begannen im Herbst 1961 nach den Ausgrabungen und dauerten mit Unterbrüchen bis 1963.
Die Schutzeinrichtung des Backofens wurde im Laufe der Jahre entfernt und die Reste des Ofens blieben der Witterung und der Vegetation ausgesetzt.
Unterhalt der Burg nach 1963 und in Zukunft
In unregelmässigen Abständen liess nach 1963 die Bürgergemeinde Bettlach Schäden am Mauerwerk des Wohnturms ausbessern und hielt den Burgzugang begehbar.
Die Vegetation bemächtigte sich aber immer mehr der Umfassungsmauern und des Turminneren. In den letzten Jahren waren im Sommer die Umfassungsmauern und das Innere des Wohnturms kaum mehr sichtbar. Der Historische Verein Bettlach und die Museumsgesellschaft Grenchen beschlossen darauf, sich der Ruine anzunehmen. Am 27. Oktober 2001 führten die beiden Vereine einen gemeinsamen Aktionstag "Burg Grenchen - Bettleschloss" durch mit dem Ziel, die Ruine von der wuchernden Vegetation zu befreien, die Mauern auszubessern und den Burgzugang zu erneuern.
Die gesteckten Ziele wurden alle erreicht, das Resultat darf sich sehen lassen. Die beiden Vereine wollen sich auch in Zukunft um die Erhaltung der Burg kümmern.
Zitat aus:
Meyer, Werner
Die Burg Grenchen. Ein Beitrag zur wissenschaftlichen Burgenforschung.
Jahrbuch für Solothurnische Geschichte. Hrsg. vom Historischen Verein des Kantons Solothurn.
Bd 36 (1963). S. 142-219
A. Fasnacht 07/2002