
Bei den männlichen Adeligen gehörte die literarische Bildung weniger zur Erziehung. In der Regel waren die Burgherren Analphabeten. Es waren Geistliche und speziell ausgebildete Schreiber, die für das Schreiben der amtlichen Schriftstücke und Urkunden zuständig waren. Zur Zeit der Besiedlung der Burg Grenchen waren Bücher Luxusgegenstände. Jedes Buch war eine individuelle Einzelanfertigung (Unikat), von Hand geschrieben, illustriert und gebunden. Papier war in Europa noch kaum bekannt. Geschrieben wurde auf Pergament, das in einem komplizierten Verfahren aus Tierhäuten (vor allem Ziegenhaut) anfertigt wurde. Eine Burgbibliothek war sicher nicht vorhanden. Vielleicht besass man ein einziges Buch oder bestenfalls zwei bis drei Bücher. Was wurde wohl gelesen oder vorgelesen auf der Burg Grenchen? Man darf davon ausgehen, dass es sich um Erbauungsliteratur gehandelt haben dürfte (Texte über die zehn Gebote, Heiligenleben, Geschichten aus der Bibel oder Gebetstexte). Die Buchschliessen ermöglichten das feste Schliessen eines Buches, um es so besser schützen zu können vor Schmutz, Alterung und Feuchtigkeit.

Erst etwa 150 Jahre nach der Aufgabe der Burg Grenchen erfand Johannes Gutenberg in Mainz den Buchdruck, ca. 1450. Damit legte Gutenberg den Grundstein für die mechanische Vervielfältigung der Texte und die spätere Massenproduktion der Bücher.
Ein weiteres interessantes Fundstück ist das Fragment einer Schiefertafel (Zeichnung 39). Auf der einen Seite weist es eingeritzte Schriftzüge auf, von denen einzig der Buchstabe b entziffert werden kann. Handelt es sich bei dieser Tafel um einen 'Notizblock' oder gar um eine Übungstafel für die Schreibübungen junger Burgbewohnerinnen?

Zu den spärlichen Funden aus Buntmetall gehört ein Ortband (Zeichnung 34) aus Kupferblech mit Spuren einer Versilberung. Vermutlich handelt es sich dabei um den Rest (Spitze) einer Dolchscheide. Weiter fand man einen Teil eines Zierblechs (Zeichnung 35) unbekannter Verwendung (Bronze) mit s-förmigen Gravierungen.

Es kamen auch einige kleine Reste von unbestimmten Buntmetallblechen zu Tage, die zum Teil Spuren von Vergoldungen trugen.
Zeichnungen aus:
Meyer, Werner
Die Burg Grenchen. Ein Beitrag zur wissenschaftlichen Burgenforschung.
Jahrbuch für Solothurnische Geschichte. Hrsg. vom Historischen Verein des Kantons Solothurn.
Bd 36 (1963). S. 195