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Burg Grenchen - Bettleschloss

Hinweise auf kultivierten Alltag








Unter den Fundgegenständen, die 1961 bei den Ausgrabungen gefunden wurden, befanden sich einige Stücke, welche doch auf eine etwas edlere Lebensart der Burgbewohner hinweisen.

So deutet der Teil einer bronzenen Buchschliesse (Zeichnung 36) an, dass auf der Burg vielleicht sogar gelesen wurde oder dass es Bewohnerinnen gab, die des Lesens und des Schreibens kundig waren. In jener Zeit waren es vor allem die Burgfrauen, welche diese Kunst beherrschten.

Buchschliesse, Bronze
Burg Grenchen: Teil einer Buchschliesse aus Bronze
Zeichnung von Werner Meyer, 1963

Bei den männlichen Adeligen gehörte die literarische Bildung weniger zur Erziehung. In der Regel waren die Burgherren Analphabeten. Es waren Geistliche und speziell ausgebildete Schreiber, die für das Schreiben der amtlichen Schriftstücke und Urkunden zuständig waren. Zur Zeit der Besiedlung der Burg Grenchen waren Bücher Luxusgegenstände. Jedes Buch war eine individuelle Einzelanfertigung (Unikat), von Hand geschrieben, illustriert und gebunden. Papier war in Europa noch kaum bekannt. Geschrieben wurde auf Pergament, das in einem komplizierten Verfahren aus Tierhäuten (vor allem Ziegenhaut) anfertigt wurde. Eine Burgbibliothek war sicher nicht vorhanden. Vielleicht besass man ein einziges Buch oder bestenfalls zwei bis drei Bücher. Was wurde wohl gelesen oder vorgelesen auf der Burg Grenchen? Man darf davon ausgehen, dass es sich um Erbauungsliteratur gehandelt haben dürfte (Texte über die zehn Gebote, Heiligenleben, Geschichten aus der Bibel oder Gebetstexte). Die Buchschliessen ermöglichten das feste Schliessen eines Buches, um es so besser schützen zu können vor Schmutz, Alterung und Feuchtigkeit.

Buch mit Schliesse

Buch mit Beschlägen und Buchschliesse
Abb.: Buchbinderei zum Schönen Buch, Allschwil


Erst etwa 150 Jahre nach der Aufgabe der Burg Grenchen erfand Johannes Gutenberg in Mainz den Buchdruck, ca. 1450. Damit legte Gutenberg den Grundstein für die mechanische Vervielfältigung der Texte und die spätere Massenproduktion der Bücher.

Ein weiteres interessantes Fundstück ist das Fragment einer Schiefertafel (Zeichnung 39). Auf der einen Seite weist es eingeritzte Schriftzüge auf, von denen einzig der Buchstabe b entziffert werden kann. Handelt es sich bei dieser Tafel um einen 'Notizblock' oder gar um eine Übungstafel für die Schreibübungen junger Burgbewohnerinnen?

Fragment Schiefertafel
Burg Grenchen: Fragment einer Schiefertafel
Zeichnung von Werner Meyer, 1963

Zu den spärlichen Funden aus Buntmetall gehört ein Ortband (Zeichnung 34) aus Kupferblech mit Spuren einer Versilberung. Vermutlich handelt es sich dabei um den Rest (Spitze) einer Dolchscheide. Weiter fand man einen Teil eines Zierblechs (Zeichnung 35) unbekannter Verwendung (Bronze) mit s-förmigen Gravierungen.

Funde in Buntmetall
Burg Grenchen - Funde aus Buntmetall: Spitze einer Dolchscheide aus Kupferblech mit Versilberungsspuren (34),
Zierblech unbestimmter Verwendung aus Bronze mit S-förmiger Gravierung (35), Buchschliesse aus Bronze (36)

Zeichnung Werner Meyer, 1963

Es kamen auch einige kleine Reste von unbestimmten Buntmetallblechen zu Tage, die zum Teil Spuren von Vergoldungen trugen.


Zeichnungen aus:
Meyer, Werner
Die Burg Grenchen. Ein Beitrag zur wissenschaftlichen Burgenforschung.
Jahrbuch für Solothurnische Geschichte. Hrsg. vom Historischen Verein des Kantons Solothurn.
Bd 36 (1963). S. 195




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A. Fasnacht 12/2000