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Burg Grenchen - Bettleschloss

Geografische Lage, Umgebung, Klima







Die Burg liegt auf der Schlossfluh (950 m ü.M.) in unwegsamem, felsigem Gelände am Jura-Südhang auf dem Gebiet der Gemeinde Bettlach, einer aufstrebenden Ortschaft östlich der Uhrenstadt Grenchen im Kanton Solothurn. Die Burg Grenchen reiht sich in die frühen Rodungsburgen des Juras aus dem 10. Jahrhundert ein. Gerodet wurden Teile des Hofachers (älterer Flurame 'Burgacker') und Teile der heutigen Weiden auf dem Bettlachberg.

Die Burg bestand aus zwei Burgstellen: die Obere Burg (Hauptanlage) auf der Schlossfluh und die Untere Burg auf der Hofacherfluh, der Schlossfluh vorgelagert.

Eine bedeutende strategische Aufgabe der Burg ist nicht nachzuweisen. Sie kontrollierte weder einen Juraübergang noch andere Verkehrswege. Die Wege zum Mürenpass, der seit der Römerzeit begangen wird, führten nicht an der Burg vorbei. Für dessen Sicherung war wahrscheinlich die Schauenburg (nahe der Hasenmatt) zuständig.

Einen historischen Plan (K. Meisterhans) aus dem Jahr 1894 und eine interessante geografische Beschreibung der Burg finden wir bei J.R. Rahn: Die Mittelalterlichen Kunstdenkmäler des Cantons Solothurn. Zürich, 1893/94. S. 226/227.
Ferner finden wir die Burg und die benachbarte Schauenburg auf einigen Landkarten und Plänen aus dem 18. und 19. Jahrhundert.

Vorsicht! Die Besichtigung der Burg ist nicht ungefährlich. Die Ruine liegt im Gebirgsgelände. Gutes Schuhwerk ist unbedingt nötig (steile Abhänge, Felsen, Sturzgefahr).

Situationsplan  (Swissgeo Member Alfred Fasnacht)
Swissgeo Member Alfred Fasnacht



Die erste Flugaufnahme der Oberen Burg: Südansicht

Die wohl erste Flugaufnahme der Burg Grenchen verdanken wir
Peter Brotschi, Aviation.doc, Grenchen: Südansicht.



Jura bei Grenchen-Bettlach

Umgebung der Burg Grenchen: der felsige Jura bei Grenchen - Bettlach.
Bei der Gestaltung dieses charakteristischen Wechselspiels
zwischen Wald und Weiden beteiligten sich auch die Herren von Grenchen mit ihren Rodungen.


In Anbetracht der hohen Lage der Burg muss auch die klimatische Voraussetzung dieser Zeit berücksichtigt werden. Die Besiedlungszeit der Burg fällt ziemlich genau in die sog. Medieval Warm Period (Klimaoptimum des Mittelalters), die von ca. 900 bis ca. 1300 dauerte. Die durchschnittlichen Temperaturen lagen in dieser Zeit ungefähr 1 Grad Celsius höher als vorher und nachher. Nach der Medieval Warm Period begann die sog. Kleine Eiszeit, die bis ins späte 19. Jahrhundert reichte.

Während der Besiedlungszeit der Burg waren die Voraussetzungen für den Betrieb einer Gutswirtschaft in höheren Lagen wahrscheinlich besser als in späteren Epochen, obwohl es auch während dieser "Warm Period" zu erheblichen klimatischen Schwankungen kam. So sind z.B. aus dem 11. Jahrhundert mehrjährige Feuchtperioden mit grossen Niederschlagsmengen überliefert, die Missernten und Hungersnöte bewirkten. Im Burgund soll es sogar zu Kannibalismus gekommen sein (Bericht des Mönchs Radulf Glaber über eine Hungersnot in den Jahren 1032-1034).

Die Besiedlungsepoche der Burg Grenchen fällt zugleich voll in die Zeit eines starken Bevölkerungswachstums. Von 950 bis 1300 wuchs die europäische Bevölkerung um 140 %, von 22 Mio. auf 55 Mio. Einwohner. Für diese markante Aufschwungsbewegung gibt es wohl verschiedene, z.T. einander bedingende Faktoren: Klima, grosser Landgewinn durch Rodungen, Dreifelderwirtschaft , die Herausbildung der feudalen Gesellschaft, die allmähliche Entfaltung des Städtewesens, neue technische Hilfsmittel, (Egge, Anspanntechnik (Kummet)).




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A. Fasnacht 03/2002