Start

Burg Grenchen

Der Münzschatz der Burg Grenchen

Geschichte und Bedeutung des Fundes







Die Geschichte und Bedeutung des Fundes

Im Jahre 1929 fand man bei einer vom Bettlacher Holzweibel Vinzenz Kummer veranlassten Grabung auf der Burg Grenchen einen Münzschatz bestehend aus annähernd 300 Silber-Schrötlingen, einigen Münzen (Brakteaten), einem kleinen Silberbarren und angeblich einem Eisenbarren, der auf einer Seite eine Eintiefung von ca. 2 cm Durchmesser aufweist.
Entdecker dieses umfangreichen Silberfundes war German Leimer (1906-2002), der während Jahrzehnten in Bettlach als Waldarbeiter tätig war. Leimers Aeusserungen zum Fundhergang werden hier publiziert.

Silberbarren     Silberbarren
Münzfund Burg Grenchen: sog. Silberbarren bzw. Abbruchstück eines grösseren Stückes Silber. Bild links Vorderseite, Bild rechts Rückseite Gewicht 26,84 g,
Durchmesser zwischen 31,0 und 25,5 mm. © Kantonsarchäologie Solothurn, Foto J. Stauffer



Numismatiker, die sich heute erneut mit dem Fund beschäftigen, messen dem Silberhort der Burg Grenchen internationale Bedeutung bei. Die Wichtigkeit des Fundes machen nicht nur die verschiedenen Brakteaten aus, sondern auch die Zusammensetzung des Fundes aus dem Silberbarren, der die chemisch gleiche Zusammensetzung aufweise wie die heute (2006) bekannten rund 284 Schrötlinge, die detaillierte Rückschlüsse zulassen auf den Arbeitsablauf bei der Brakteatenprägung im Hochmittelalter. Prof. H. U. Geiger weist in der Antwort einer Anfrage (E-Mail) besonders darauf hin, [Zitat:] 'dass diese schrötlinge ein einmaliges dokument für die mittelalterliche prägetechnik, besonders der hohlpfennige (brakteaten) sind'. [Ende Zitat].

Die Fundstücke wurden im März 1930 (Protokoll des Bürgergemeinderats Bettlach vom 8. März 1930) definitiv dem Museum der Stadt Solothurn (heute Museum Blumenstein) überlassen. Eugen Tatarinoff publiziert den Fund im Jahrbuch für Solothurnische Geschichte, Bd, 4, 1931. Tatarinoff berichtet auch von einer ersten chemischen Analyse, durchgeführt von Prof. Liechtenhan. Tatarinoff erkennt die Schrötlinge noch nicht als solche und schreibt von 'geschnittenen Brakteaten, die nur ein eingeschlagenes grösseres oder kleineres Rechteck oder Quadrat, manchmal ganz flau, aufzuweisen hatten'.

Im Jahresbericht 1930 des Museums der Stadt Solothurn findet man neben der Schilderung des Münzfundes (wohl aus der Feder von Eugen Tatarinoff) folgende äusserst interessante Bemerkung zur Uebergabe des Fundes an das Museum: 'Die ganze Sammlung wurde von der Bürgergemeinde Bettlach dem Staate geschenkt; eine grössere Partie der Notmünzen gelangte später durch Kauf in die kantonale Sammlung.'

1938 veröffentlicht J. Simmen in der Schweizerischen Numismatischen Rundschau einen kurzen Bericht mit vermutlich ersten Bildern (7 Schrötlinge, 1 Brakteat: Elefant, über dem Rücken drei Höcker) über den Fund. Erst Simmen spricht in seinem Beitrag von Schrötlingen.


Brakteat aus dem Münzschatz Burg Grenchen
Brakteat Nr. 13-10-1.11aus dem Münzfund Burg Grenchen: Elefant, über dem Rücken drei Höcker.
Prägestätte vermutlich Münster, 1. Hälfte 14. Jh. Gewicht 0,247 g, Durchmesser 16,5 - 16,4 mm.
© Kantonsarchäologie Solothurn, Foto J. Stauffer.


Zur Erläuterung des Elefanten-Motivs, das vermutlich aus der Vita Alexanders d. Gr. stammt, sei verwiesen auf die Publikation zur Ausstellung "Le Trésor de Colmar. - Exposition présentée au musée d'Unterlinden, Colmar, 29 mai - 26 September 1999". Das Elefanten-Motiv wird erläutert auf den Seiten 75-76 und auf Seite 90, wo ein Exemplar des Elefanten-Brakteaten (möglicherweise gleichen Ursprungs wie diejenigen, die auf der Burg Grenchen gefunden wurden) abgebildet und beschrieben ist.

Mindestens einen Teil des Fundes gab man weiter ins Schweizerische Landesmuseum in Zürich, wo der Fund von Prof. Dietrich Schwarz untersucht werden sollte. Schliesslich wurde diese Untersuchung leider nicht durchgeführt.
Dem Schweizerischen Landesmuseum gehören heute 13 Silber Schrötlinge aus dem Fund (1970 als Geschenk ins Inventar übernommen).


Brakteaten-Schrötlinge Fundort: Burg Grenchen
13 Brakteaten-Schrötlinge: Münzfund Burg Grenchen.
© Schweiz. Landesmuseum Zürich



In den Siebziger Jahren befasste sich Prof. H. U. Geiger, Zürich, in einer Arbeit über die Brakteatenprägung in der Schweiz mit dem Silberfund der Burg. Er veröffentlichte in seinem Bericht interessante Erkenntnisse zum Fund.

Anlässlich der 8. Sitzung des Arbeitskreises für Münzhortfunde vom 2. März 2006 in Olten befassten sich Suzanne Frey-Kupper, freie Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Kantonsarchäologie Solothurn, und Beatrice Schärli, Basel, in einem Referat mit dem Schatzfund von Bettlach. Es zeigte sich einmal mehr, dass der Fund noch immer Rätsel in sich birgt und etliche Fragen unbeantwortet lässt.


Heller Heller
Münzfund Burg Grenchen: Heller 13-10-1.20, Schwäbisch Hall, 2. V. 13. Jh., linkes Bild Vorderseite, rechtes Bild Rückseite. Gewicht 0,592 g,
Durchmesser zwischen 17,7 und 18.6 mm. © Kantonsarchäologie Solothurn, Foto J. Stauffer


Wo befindet sich der Münzschatz der Burg Grenchen heute?

13 Schrötlinge verwahrt das Schweizerische Landesmuseum in Zürich. Acht Schrötlinge und ein Elephantenpfennig, möglicherweise aus der Sammlung J. Simmen, tauchten in Deutschland auf und befinden sich heute in der Sammlung der Universität Tübingen. Michael Matzke hat diese Stücke beschrieben und analysiert in seiner 2003 veröffentlichten Arbeit "Die Analysen der europäischen Mittelalter-Münzen". Offenbar tauchten vor einigen Jahren Schrötlinge aus dem Fund an einer Münzenbörse in Bern auf, wo sie privat die Hand wechselten. Heute befindet sich der Hauptteil des Schatzes in Obhut der Kantonsarchäologie Solothurn, der für die Bodenfunde zuständigen Institution des Kantons Solothurn. Aufbewahrungsort ist das Historische Museum Olten, das Funddepot der Kantonsarchäologie. Zählt man die bis heute wissenschaftlich erfassten und bekannten Objekte des Fundes zusammen, ergibt sich das stolze Total von 306 Einheiten.

Der Inhalt dieses Berichts kann sich laufend ändern. Neue Tatsachen werden möglichst umgehend aufgezeichnet werden.

Literaturverzeichnis zum Münzfund





Start



A. Fasnacht 04/2001