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Burg Grenchen

Der Münzschatz der Burg Grenchen

Geschichtliche Zusammenhänge mit der Burg Grenchen







Der geschichtliche Zusammenhang des Münzschatzes mit der Burg Grenchen


Von den Fachleuten wird die Deponierung des Münzschatzes einhellig in das 14. Jahrhundert datiert. In neusten Erwägungen nennt man das 4. Viertel des 14. Jahrhunderts.

Die Ausgrabungen der Burg Grenchen, die von Prof. W. Meyer, Basel, in den Jahren 1959 und 1961 durchgeführt wurden, zeigen, dass die Burg Grenchen spätestens im frühen 14. Jahrundert aufgelassen wurde. Stammt der Fund also aus dem späteren 14. Jahrhundert, dürfte er in keinem Zusammenhang mehr stehen mit den Bewohnern der Burg, bei denen es sich im frühen 14. Jahrhundert nur noch um Ministeriale (Dienstleute) gehandelt haben dürfte. Das Geschlecht der Herren von Grenchen ist mit Berta II von Grenchen im frühen 13. Jahrhundert erloschen.

Vielleicht die erste Publikation eines Bildes aus dem Fund: 1938
Illustration aus der Schweizerischen Numismatischen Rundschau Bd. 27(1938)
8 Schrötlinge und 1 Brakteat aus dem Münzfund Burg Grenchen.
Prägestätte des Brakteaten vermutlich Münster, 1. Hälfte 14. Jh.


Selbst wenn der Schatz noch zur Zeit der bewohnten Burg dorthin gelangte, wäre das Verhältnis zwischen den Ministerialen (Dienstleute) der Strassberger bzw. des Hauses Nidau und dem Hort nicht einfach zu klären. Schon seit der ersten Erwähnung des Fundes in der Fachliteratur (Tatarinoff, 1931) werden Vermutungen wie eine 'Stätte wo Notgeld geprägt wurde' geäussert oder sogar das Wort 'Falschmünzerei' findet Verwendung. Die Ereignisse im 14. Jahrhundert verleihen solchen Vermutungen Gewicht. Gedacht ist hier etwa an die Wirren des Guglereinfalls (1375), des Kyburger Kriegs (1382-1384), an die allgemeine wirtschaftliche und politische Krise im 14. Jahrhundert wie auch an die Pestepidemien. So erwähnt Prof. H.U. Geiger 1976 in seiner Arbeit über die Brakteatenprägung in der Schweiz, dass es sich bei dem Münzfund auf der Burg Grenchen möglicherweise um verstecktes Diebes- oder Fluchtgut in Not- oder Kriegszeit, etwa der Guglereinfälle von 1375, handelte. Vielleicht war in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhundert die Burg Grenchen bereits teilweise zerfallen (Erdbeben von Basel, 18. Oktober 1356).


Brakteat Nr. 13-10-1.10 aus dem Münzfund Burg Grenchen: Elefant, über dem Rücken drei Höcker.
Prägestätte vermutlich Münster, 1. Hälfte 14. Jh. Gewicht 0,277 g, Durchmesser 16,5 - 16,1 mm.
© Kantonsarchäologie Solothurn, Foto J. Stauffer.



Es wurde anlässlich der Grabung von 1930 wohl ein sehr bedeutender Fund von Brakteaten und Silber-Schrötlingen gehoben, aber die historischen Zusammenhänge zwischen dem Münzfund und der Burg Grenchen werden kaum mehr geklärt werden können, ebenso die Frage der Vollständigkeit des Fundes. Diese Chance wäre intakt geblieben, wenn man das Innere des Wohnturms bei den wissenschaftlichen Ausgrabungen 1959 und 1961 noch in ungestörtem Zustand angetroffen hätte und die Münzen erst dann gehoben worden wären.

Nach den heute gültigen Rechtsgrundlagen ist die gezielte Suche nach Münzen oder anderen archäologischen Objekten, z.B. durch Metalldetektoren, ohne die Erlaubnis der zuständigen Kantonsarchäologie strafbar. Für Zufallsfunde besteht Meldepflicht.
Im Kanton Solothurn kommt in solchen Fällen die 'Verordnung über den Schutz der historischen Kulturdenkmäler', RRB vom 19. Dez. 1995, mit ihren klaren Vorschriften zur Anwendung. Die Verordnung kann hier im Volltext heruntergeladen werden.



Literaturverzeichnis zum Münzfund Burg Grenchen




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A. Fasnacht 04/2001