Burg Grenchen
Der Münzschatz der Burg Grenchen
Beschreibung des Fundes
Beschreibung des Fundes
German Leimer fand 1929 (ev. 1930) ca. 300 Münzen und Brakteaten-Schrötlinge, 1 Silberbarren und 1 Objekt aus Eisen mit schalenartiger Eintiefung von ca. 2 cm Durchmesser. H. U. Geiger erwähnt in seiner Arbeit aus dem Jahre 1976 "Bemerkungen zur Brakteatenprägung in der Schweiz" eine Zahl von 265 Schrötlingen, die im Jahre 1929 auf der Burg Grenchen gefunden und im März 1930 dem Museum Solothurn überlassen wurden.

Prot.-Auszug des Bürgergemeinderats Bettlach vom 8. März 1930.
Die Schrötlinge haben einen Durchmesser von etwa 1 cm und ein Gewicht von ca. 0,25 g. Es handelt sich bei Brakteaten normalerweise um sehr dünne einseitig geprägte Münzen. Chemische Zusammensetzung, Mass und Gewicht des Silberbarrens wie auch der Schrötlinge und Brakteaten sind heute bekannt. Ueber das Eisenobjekt liegen noch keine Angaben vor. Sobald weitere Daten bekannt werden, sollen sie hier integriert werden. Heute, im Jahr 2006, weiss man, dass der Münzfund auf der Burg Grenchen über 300 Objekte umfasst.

Münzfund Burg Grenchen: Brakteat 13-10-1.4, Zofingen, vorderösterr. Mzst.,
um 1320. Gewicht 0,287 g, Durchmesser zwischen 15,3 und 14,5 mm.
© Kantonsarchäologie Solothurn, Foto J. Stauffer.
Der Fund wird von den verschiedenen Autoren wie folgt beschrieben:
Tatarinoff (1931)
.. eine grosse Anzahl von Brakteaten, samt einem stark kupferhaltigen Silbergussplättchen, wowie einem Eisenbarren, der auf einer Seite eine Eintiefung hat, in der sich eine 2 cm breite Schale befindet. Unter den Brakteaten waren einige Laufenburger Stebler, ferner mehrere mit dem Elephanten, der vielleicht auf das Haus Oesterreich weist, und dann endlich eine grosse Menge von schnittenen Brakteaten, die nur ein grösseres oder kleineres Rechteck oder Quadrat, manchmal ganz flau, aufzuweisen hatten. Dieser Münzfund, der noch der genaueren Untersuchung harrt, dürfte aus dem 14. Jahrhundert stammen. Ich vermute eine Stätte, wo Notgeld geprägt wurde. Dafür spricht das Gussplättchen, das chemisch gleich zusammengesetzt ist, wie die Münzen, der Eisenbarren und die übergrosse Menge der nur mit einem rechteckigen Instrument geschlagenen Stücke. Von Interesse dürfte sein, dass keiner der befragten Numismatiker uns Aufschluss über ähnliche Vorkommnisse erteilen konnte.
Simmen (1938)
.. In der Ruine des Schlosses Strassberg ob Bettlach wurde 1929 ein Fund gemacht. Es handelt sich dabei vermutlich um vorbereitete Schrötlinge zu einer Prägung von Brakteaten einer unbekannten Münzstätte, event. Falschmünzerei. Begleitstücke waren 1 Silberlingot, einige abgenutzte nicht mehr bestimmbare und einige gut erhaltene Brakteaten mit Krone über Elephant ...
Meyer (1963)
.. Der grosse Münzfund von Grenchen befindet sich zur Zeit noch im Landesmuseum in Zürich, um dort eingehend untersucht zu werden. Da bis jetzt noch kein Ergebnis vorliegt, muss hier die Besprechung auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden.
.. [Fussnote] Die gegenwärtige gründliche Bearbeitung erfolgt durch Prof. Schwarz am Landesmuseum Zürich.
Kaufmann (1974)
..In der Mauer des Wohnturms macht im Jahre 1930 der Bettlacher Holzweibel einen der seltsamsten Münzfunde unseres Landes. Neben einem kleinen Silberbarren kamen einige Brakteaten mit dem stilisierten Löwen der Münzstätte von Laufenburg und auch mehrere mit dem Bild des Elefanten zum Vorschein. Brakteaten werden die mit der Schere aus dünnem Silberblech geschnittenen Münzen mit einseitiger Prägung genannt; sie entsprechen meist der alten Münzeinheit des Pfennigs, von denen 12 auf den Schilling und 240 auf das Münzpfund gehen. Die Elefantenbrakteaten konnten bis heute noch keiner bekannten Münzstätte zugewiesen werden; man vermutet dahinter einen Münzort im Breisgau. Der Grossteil des Münzfundes aber bestand aus brakteatenförmig zugeschnittenen Silberplättchen, die statt des gewohnten stilisierten Münzbildes nur ein Rechteck oder Quadrat eingeprägt trugen. Noch ist der Bericht über die wissenschaftliche Auswertung des seltsamen Münzfundes nicht publiziert worden. Vermutungen über die Bedeutung kreisen um die Existenz einer Notgeldprägestätte in Kriegszeit oder, krimineller, um eine Falschmünzerwerkstatt. Das einzige, das man heute mit Sicherheit über den Schatzfund der Grenchner Burg aussagen kann, ist die Feststellung, dass er mit dem Freiherrengeschlecht von Grenchen in keinem Zusammenhang steht; die Laufenburger- und Elefantenpfennige sind sicher nicht vor dem 14. Jahrhundert entstanden, zu einer Zeit also, die mindestens hundert Jahre jünger ist als die letzten Nachrichten über die Herren von Grenchen. ..

Münzfund Burg Grenchen: Schrötling mit altem Kartontäfelchen. © Kantonsarchäologie Solothurn, Foto J. Stauffer.
Geiger (1976)
.. Im Jahre 1929 wurde in der Ruine der Burg Grenchen bei Solothurn zusammen mit einem Silberlingot und einigen Breisgauer Pfennigen eine grössere Anzahl von Brakteatenschrötlingen gefunden, die uns erkennen lassen, wie solche Schrötlinge hergestellt worden sein müssen. ..
.. Die Burg wurde zu Beginn des 14. Jh. verlassen, der Fundkomplex muss aber aus der 2. Hälfte des 14. Jh. stammen, wobei es sich kaum um Material von Falschmünzern handeln kann, da der Silbergehalt mit 50 % bzw. 75-80 % den offiziellen Geprägen der 2. Hälfte des 14. Jh. entspricht. Möglicherweise war es verstecktes Diebes- oder Fluchtgut in Not- oder Kriegszeit, etwa der Guglereinfälle 1375. ..
Aufgrund von chemischen Untersuchen, die H.U. Geiger erwähnt, lassen sich die Schrötlinge in zwei Gruppen unterteilen:
| Gruppe |
Anzahl |
Feingehalt Silber |
Mittleres Gewicht |
g Feinsilber |
| A |
219 |
ca. 75-80% Ag |
0,226 g |
0,173 g |
| B |
46 |
ca. 50 % Ag |
0,288 g |
0,141 g |
Die Schrötlinge wiesen keinerlei Abnützungen auf.
Münzfund Burg Grenchen: Schrötlinge, links 1 Exemplar der Gruppe A, rechts 1 Exemplar der Gruppe B.
© Kantonsarchäologie Solothurn, Foto J. Stauffer.
Geiger vergleicht die Ergebnisse mit den Feingehaltsvorschriften für Zürcher Pfennige in der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts
| Jahr |
Vorschriften Feingehalt |
| 1377 |
80 % |
| 1382 |
67 % |
| 1387 |
73 % |
| 1400 |
62 % |
Fundjahr
Tatarinoff beschreibt den Fund in seiner 'Prähistorisch-archäologischen Statistik des Kantons Solothurn. 4. Folge 1930', also in einer Art Chronik auf das Jahr 1930. Auch Kaufmann (1974) nennt 1930. Im Gegensatz dazu nennen J. Simmen (1938) und H. U. Geiger (1976) 1929 als Fundjahr. German Leimer, der Entdecker des Fundes, kann sich leider nicht mehr an das genaue Jahr und Datum erinnern. Vermutlich fand die von Holzweibel Kummer veranlasste Grabung in der zweiten Hälfte des Jahres 1929 statt. Bis der Bürgergemeinderat Bettlach am 8. März 1930 die Uebergabe des Fundes schliesslich beriet, waren möglicherweise einige Monate vergangen. Es gab vorgängig einen Briefwechsel zwischen der Bürgergemeinde Bettlach und E. Tatarinoff, Solothurn. Zudem führte wohl E. Tatarinoff am Fund einige Abklärungen und Untersuchungen durch, bis die Uebergabe an das Museum Solothurn im März 1930 definitiv erfolgen konnte.
Literaturverzeichnis Münzfund
A. Fasnacht 04/2001