Burg Grenchen
Plan der Burg Grenchen aus dem Jahre 1894
von K. Meisterhans

Vielleicht der älteste Plan der Burg
Rahn, J.R.: Die Mittelalterlichen Kunstdenkmäler des Cantons Solothurn. Zürich, 1893/94
Zitat aus Rahn, J.R.: Die Mittelalterlichen Kunstdenkmäler des Cantons Solothurn. Zürich, 1893/94. S. 226/227
Strassberg oder Bettlach-Schloss
Es gab zwei Schlösser dieses Namens, das eine bei Büren, Ct. Bern, das andere etwa eine Stunde oberhalb Bettlach im Solothurner Amte Lebern gelegen und ohne Zweifel identisch mit der pag. 34 erwähnten Ruine.
Die zwischen 1637 und 1640 verfasste "Croneck Loblicher Statt Solothurn" (Msc. in der Stadtbibliothek Solothurn) p.22 meldet hierüber: "Strassberg, das Schloss ligt ob dem dorf Bettlach, von den Inwohneren die burg genannt, dessen Vestigia vnd alt gemür, daselbst noch zu sechen, darvon von etlich jaren vill Maurstein gehn Grenchen (vgl. oben p.90, Art. Grenchen) zu erbauwung der Kefi daselbst, Fuchsenloch genambt, von den landleuthen gefüert worden".
Der Weg zu der Ruine führt dem Giglerbach entlang über einen prähistorischen Bergsturz, auf dessen unterem Theile, im Kastelsfelde, die Ruinen einer römischen Villa liegen, und an der "Burgmatt" vorbei. Westlich erhebt sich die Gestlerfluh, oder Gäschlerfluh, wie sie im Volksmunde und auf dem Katasterplane der Amtsschreiberei Lebern, Detail-Blatt Nr. 44, heisst. Auf dem Hofacker angelangt, sieht man vor sich zwei hinter und über einander gelegene Flühen: die vordere Hofacker- und die hintere Schlossfluh. Auf dieser stand die Burg (Fig. 107). Dass auch die Südseite D mit einer Mauer bewehrt war, möchte ich bezweifeln, obwohl Mörtelstücke herumliegen. Ich glaube, dass die ganze Burg aus nichts als aus dem Thurme bestand. Bei C ist eine runde Vertiefung von ca. 3 m. Weite, deren Tiefe sich ohne Spaten nicht feststellen lässt. Von den Mauersteinen (Kieseln) haben viele durch Feuer eine röthliche Färbung angenommen, besonders bei F. Die Mauerdicke ist bei E gemessen 1m. Die Ruine liegt 400 m. über dem Dorfe Bettlach. Auf Fig. 107 ist fälschlich ein nasser Graben verzeichnet.
Meisterhans, 14/IV, 1894.
Ende Zitat.
Zitat ebenda p. 90, Art. Grenchen:
2. Zum Neubau der Kirche hatte man die Steine eines das "Fuchsenloch" genannten Thurmes verwendet, der 1581 über der nach Biel führenden Strasse zur Aufnahme der Gefangenen aus den Trümmern des Schlosses Strassberg (wohl eher Burg Grenchen?) errichtet worden sein soll. Auf einem Steine desselben standen die Initialen A.C.R.S., wie Strohmeier 1. c. sie deutet, die Anfangsbuchstaben der Inschrift: ad coercendum rusticorum superbiam!!
R. 1892
Ende Zitat
Erläuterungen von A. Fasnacht:
Beim Plan aus dem Jahre 1894 von K. Meisterhans handelt es sich wahrscheinlich um den ältesten erhaltenen Plan der Anlage der Burg Grenchen (Bettleschloss). Bemerkenswert ist das Versehen, den Schlossgraben als nassen Graben, d.h. als Wassergraben darzustellen.
Der Plan ist nach den damals noch sichtbaren Teilen der Burg genau und sorgfältig gezeichnet worden und stellt zusammen mit der Beschreibung der geografischen Lage und der Ruinenstätte ein interessantes Dokument dar.
Was den Namen der Burg betrifft, bestand damals noch Unsicherheit. Drei Namen standen zur Auswahl:
Schloss Strassberg ob Bettlach
Bettlach-Schloss
Burg Grenchen
Rahn verwendet in seinem Artikel von Grenchen bei der Nennung der Burg Grenchen noch ein Fragezeichen und setzt die Bezeichnung in Klammern. Er war sich damals der historischen Sachlage noch nicht ganz sicher. Diesbezügliche Sicherheit bringt schliesslich Ferdinand Eggenschwiler mit seiner kurzen Abhandlung über die Burg Grenchen aus dem Jahre 1912. (F. Eggenschwiler: Die Burg Grenchen. Aus: Solothurner Monatsblatt, Jg. 1912, S. 146-148).
Das Zitat aus der Solothurner Chronik aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts ("Croneck Loblicher Statt Solothurn") erwähnt zwei interessante Tatsachen. Einmal ist da der vom Volk gebrauchte Namen 'burg' und anderseits der Bericht über den Zustand der Ruine und die Nennung des Gefängnisbaus in Grenchen. Dieser Gefängnisturm, im Volksmund das "Fuchsenloch" genannt, stand nördlich der alten katholischen Kirche an der Mauer des ehemaligen Friedhofs, ungefähr dort wo sich heute die Treppe von der Kirchstrasse zum Vorplatz der Kirche befindet.
Mit 'dessen Vestigia' meint der Verfasser etwa 'dessen Spuren, Ueberreste'.
Hartnäckig hatte sich während Jahrhunderten der Name Schloss Strassberg verbreitet, dies vor allem in schriftlichen Quellen. Der Name Schloss Strassberg leitet sich ab von den Herren von Strassberg, die im frühen 13. Jahrhundert die Burg von der letzten Angehörigen der Familie von Grenchen (Berta II von Grenchen) über den Strassberger Zweig des Hauses Nidau erbten. Die Strassberger waren ein historisch sehr wichtiges und mächtiges Geschlecht für die Gegend von Büren a.A. und des Oberen Leberbergs. Im Jahre 1309 schliesslich fand die Erbteilung unter den Strassbergern statt, wo die Burg dem heutigen Gemeindegebiet von Bettlach zugeschlagen wurde. All diese Tatsachen trugen dazu bei, dass die 'Burg ob Bettlach' zunehmend in den schriftlichen Quellen mit 'Schloss Strassberg ob Bettlach' oder ähnlich zitiert wurde und das ausgestorbene Geschlecht der Edelfreien von Grenchen allmählich in Vergessenheit geriet, also kaum mehr mit der Burg in Verbindung gebracht wurde.
Erst die historische Quellenforschung des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts rief die Gründer der Burg Grenchen, die Familie der Edelfreien von Grenchen, wieder zurück ins geschichtliche Bewusstsein einer breiten Bevölkerung. Neben dem im Volksmund geläufigen Namen 'Bettleschloss' erhält die Burg ihren ursprünglichen und wissenschaftlich korrekten Namen 'Burg Grenchen' zurück.
Lange hielt sich auch die Deutung der eingemeisselten Buchstaben in einigen Quadersteinen der Burg, die beim Gefängnisbau in Grenchen eingemauert wurden: A.C.R.S. - Diese sollen gemäss einer Deutung von Peter Strohmeier (1836) die Initialen zu folgender Inschrift gewesen sein: ad coercendum rusticorum superbiam (zur Bekämpfung des bäuerlichen Übermuts). Es ist jedoch sehr wahrscheinlich, dass es sich bei diesen Buchstaben um Steinmetzzeichen handelte.
Die Steine des Grenchner Gefängnisturms 'Fuchsenloch' verwendete man beim Neubau der katholischen Kirche in Grenchen (ca. 1806).
Die runde Vertiefung C auf dem Plan von Meisterhans wurde bei den Ausgrabungen 1959/61 untersucht. Es handelt sich dabei um einen natürlichen Schacht von etwas mehr als 3 m Tiefe. Als Teil einer Wasserversorgung kommt er nicht in Frage, da weder Bearbeitungsspuren noch Abdichtungen nachgewiesen werden konnten, die bei der Funktion z.B. als Zisterne nötig gewesen wären. Ob der Schacht damals anderswie genutzt wurde, ist nicht bekannt, da sein Inhalt einigen Raubgrabungen zum Opfer fiel. Abenteurer vermuteten dort einen unterirdischen Gang.
Meisterhans gibt beim Turm (Plan Mauer E) einen Mauerdurchmesser von 1 m an. Die Mauern des Turms weisen jedoch eine Dicke von 2 bis 2,6 m auf. Damals waren vermutlich bloss der Innenmantel der Mauern und teilweise der Mauerkern sichtbar.
A. Fasnacht 03/2002