Burg Grenchen - Bettleschloss
Das Roden
Vom Roden und von Rodungen rund um die Burg
Das Roden, eine harte Arbeit
Das Roden zählte zu den härtesten körperlichen Arbeiten im Mittelalter. Man begann das Roden einer Waldfläche meistens mit dem Schwenden, dem Abschälen der Rinde von den Bäumen. Das Schwenden verursachte das Verdorren der Bäume. Oft folgte danach die Brandrodung. Es ist jedoch anzunehmen, dass man in Waldstücken mit hochwertigem Stammholz auf die Brandrodung verzichtete.
Als Werkzeuge dienten Beile, Gerteln, Sägen und verschiedenartige Kettenkeile. Das Hauptwerkzeug beim Roden war die Reuthaue. Sie diente zum Ausgraben und Ausheben von Wurzelstöcken, zum Entfernen von Gestrüpp und zum Wegwuchten von Steinen, denn allein mit dem Abbrennen und Entfernen der Bäume war die Rodungsarbeit längst nicht erledigt.
Schliesslich legte man eine bepflanzbare, sichere Bodendecke (Humus) an. Erst jetzt konnte man an eine erste Aussaat denken. Das neu gewonnene Land musste weiter sorgfältig gepflegt werden.
Rodungen rund um die Burg
Der Plan der Einungen Grenchen, Bettlach, und Selzach aus dem Jahre 1822 zeigt Weidegebiete nördlich angrenzend an die Burg. Die Weiden der Bützen und des Bettlachbergs berührten sich bei der Burg. Seit wann sich die Weidegebiete der beiden Berge bei der Burg vereinigten, ist nicht bekannt. Vermutlich erreichte im 19. Jahrhundert die vieh- und weidewirtschaftliche Nutzung des Leberberger Juras ihren Höhepunkt.
Ausschnitt aus dem Plan Einungen Grenchen, Bettlach und Selzach aus dem Jahre 1822.
Plansammlung Staatsarchiv Solothurn, Signatur A 38, Plan 21, 1822. Vollanzeige.
Später wurden etliche Weidegebiete wieder aufgeforstet, so z.B. in Grenchen das Witeli (unterhalb des Stierenbergs) und die Fuchsböden (östlich des Käswegs) sowie auf Bettlacher Gebiet das Weidegebiet unmittelbar bei der Burg (im Kehr) wie auch am Bettlachstock. Vermutlich nutzte man auch die Ebene Matt (westlich der Burg) weidewirtschaftlich. Der Flurname deutet es an.

Ebene Matt, westlich der Burg
Der Plan aus dem Jahre 1822 ist ein interessantes und wichtiges Dokument. Er zeichnet sich aus durch hohe Genauigkeit und vermittelt ein entsprechend klares Bild der damaligen landschaftlichen Realität rund um die Burg.
Laut Werner Meyer umfassten die Rodungsgebiete der Burg und der Freiherren von Grenchen allein den Hofacher und die Teile der Weiden auf dem Bettlachberg. Die oben erwähnten, burgnahen Gebiete wurden höchstwahrscheinlich im Laufe der späteren Jahrhunderte gerodet.

Rodungsgebiet der Burg lt. Werner Meyer:
Hofacher und Teile der Weiden auf dem Bettlachberg
Plan Meyer aus:
Meyer, Werner
Rodung, Burg und Herrschaft.
Ein burgenkundlicher Beitrag zur mittelalterlichen Siedlungsgeschichte.
Aus: Burgen aus Holz und Stein.
Burgenkundliches Kolloquium in Basel 1977.
50 Jahre Schweizerischer Burgenverein.
Olten: Walter Verlag, 1979. S. 43-80
ISBN 3-530-12790-6
A. Fasnacht 04/2002