Burg Grenchen - Bettleschloss
Strategische Bedeutung der Burg
Zweck der Burg, Befestigung, Kommunikation
Allgemeines
Die Burg Grenchen hatte keine wichtige strategische Bedeutung. Sie sicherte weder einen Juraübergang noch andere wichtige Verkehrswege. Die Wege zum Mürenpass, dem nächstgelegenen Juraübergang, der übrigens seit der Römerzeit begangen wird, führten nicht an der Burg vorbei. Für die Sicherung des Passweges war wahrscheinlich die Schauenburg bei der Hasenmatt zuständig. Dieser Juraübergang führt vom Aaretal (Selzach, Lommiswil) nach Gänsbrunnen oder Court.

Berghaus Schauenburg, hinten der bewaldete Burghügel der Schauenburg,
links der Weg über den Mürenpass bei der Hasenmatt (Bild ungefähr aus dem Jahr 1960).
Die Burg Grenchen überwachte die Gebiete des eigenen Gutsbetriebs, so die Weiden auf dem Bettlachberg und im Hofacher (Untere Burg), wo auch Ackerbau betrieben wurde.
Viehraub und Fehden waren sehr häufig während der Besiedlungszeit der Burg. Diese Tatsache und das Repräsentationsdenken rechtfertigten den steinernen, wehrhaften Neubau der Burg in der Mitte des 12. Jahrhunderts. Dauerhafte politische und militärische Geltung konnte im 12./13. Jahrhundert von den gräflichen und edelfreien Geschlechtern kaum mehr durchgesetzt werden ohne das zeitgemäss gestaltete Machtzentrum einer Steinburg.
Befestigungsanlagen der Burg
Was die Verteidigung betrifft, war die Standortwahl für die Burganlage auf der Hofacher- und auf der Schlossfluh nahezu ideal. Die topografischen Voraussetzungen für eine Wehranlage waren gegeben. Grosse, besondere Bauten und Erdarbeiten für die Verteidigung waren nicht notwendig. Beide Burghügel (Untere und Obere Burg) waren gesichert durch steiles Gelände und Felswände. Bei der Oberen Burg waren der Burggraben und die Wallanlage natürlich vorgegeben. Allein der Wall musste über eine Strecke von gut 40 m künstlich aufgeschüttet werden. Der Wall war mit einem Zaun erhöht.
Aussehen und Grundrisse der frühen Holzburg und der noch nicht erforschten Unteren Burg sind nicht bekannt. Hingegen kennen wir die Ruine des Wohnturms der oberen Burg. Die Obere Burg konnte nur auf der Nordseite angegriffen werden. Die Nordwest- und die Nordostmauer des Turms sowie auch die Stirnmauer der Anbauten an die Nordostwand waren auch als Wehrmauern angelegt. So weisen die Nordwest- und die Nordostmauer des Wohnturms eine um rund ½ m erhöhte Festigkeit auf im Vergleich zu den nach Süden ausgerichteten Turmflanken. Die Umfassungsmauern im südöstlichen Bereich schliesslich fügten die Obere Burg zu einer rundum befestigten Wehranlage zusammen.
Von der Unteren Burg wissen wir, dass sie auf ihrer Nordseite durch einen Graben vom Burgweg abgesetzt und von einer etwa 1,5 m dicken Wehrmauer auf der Nord- und vielleicht auf der Westseite geschützt war. Aussehen und Funktion der Unteren Burg sind noch nicht bekannt. Schriftliche Quellen übermitteln kaum Hinweise zu den Bauten der Burganlage.
Überwachung und Kommunikation
Obwohl die Rolle der Unteren Burg nach wie vor unbekannt ist, geben Beobachtungen doch einige allgemeine Hinweise. Am Aktionstag auf der Burg (27. Oktober 2001) befreite man die Ruinen der Oberen Burg von der Vegetation. Dadurch wurden die Mauerreste der Burg gut sichtbar.
Diese Rodung hatte zur Folge, dass man im Winter/Frühjahr bei entlaubten Bäumen und Sträuchern feststellen kann, wie ausserordentlich gut der Sichtkontakt zwischen den beiden Burgen gewesen sein muss. Von der Unteren Burg kann man einige Mauern der Oberen Burg sehr gut erkennen. Als die Burgen bewohnt waren, hielt man die Burghügel unbewaldet. Das bedeutet, dass ein ständiger Sichtkontakt zwischen den Burgen da war, der höchstens wetterbedingt (Nebel) unterbrochen werden konnte. Die Distanz zwischen den Burgen ist gering eine Verständigung durch akustische oder visuelle Signale war problemlos möglich: Rufe, Hornsignale, Fahnen, Feuersignale.
Untere Burg: Blick hinauf zur Oberen Burg.
Die Rodung vom Okt. 2001 bringt es an den Tag:
Die beiden Burgen waren durch Sichtkontakt miteinander in Verbindung.
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Beim Begehen des Burgwegs fällt auf, dass dieser überwacht werden konnte. Vom Turm oder vom Wehrgang der Umfassungsmauer der Oberen Burg liess sich das Wegstück hinunter zur Unteren Burg leicht überwachen. Auch von der Unteren Burg konnte der Burgweg überschaut werden. Hier vor allem das Wegstück unter der Schlossfluh (östlich des Felsentors) wie auch hinauf zur Oberen Burg.
Die zum Gutsbetrieb der Burg gehörenden Landwirtschaftsgebiete auf dem Bettlachberg wie auch einen Teil des Hofachers überwachte die Obere Burg. Die Untere Burg hatte den Hofacher und die Burgmatt voll im Blickfeld.
Untere Burg: Blick auf den Hofacher und auf die Burgmatt.
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Das Herrschaftsgebiet zu Füssen
Von ihrer Burg aus hatten die Herren von Grenchen eine faszinierende Aussicht auf ihr Herrschaftsgebiet - atemberaubend gar war der Ausblick von der Turmzinne. Bei gutem Wetter war sicher die Burg Strassberg ob Büren an der Aare sichtbar, wo die Verwandten der Freiherren von Grenchen, die Freiherren von Strassberg, ihren Wohnsitz hatten. Infolge der heutigen Bewaldung kann die Aussicht nicht mehr voll genossen werden.
A. Fasnacht 04/2002