Das Titelblatt der nun hundertjährigen Kulturschrift. (Bild rww)
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Ein hundertjähriges Kulturbüchlein
rww. 1905, nur gerade zwei Jahre nach ihrer Gründung, liess die Volksbibliothek Grenchen ihren ersten Katalog drucken. 1'616 Nummern waren im Katalog aufgeführt.
Die Gemeinde- oder Volksbibliothek war in Grenchen auf Anhieb sehr beliebt, und nicht mehr bloss 311 Bände wie im Gründungsjahr, sondern über 1'600 Titelnummern wurden den Abonnenten im aller ersten Katalog zu Auswahl angeboten. Die Bibliotheksleitung nahm dabei auch Rücksicht auf die 552 französischsprechenden Grenchnerinnen und Grenchner und bot ihnen 45 verschiedene Titel an. Unter diesen 45 war Alphonse Daudet und die drei Musketiere von Alexandre Dumas. Italienische Buchtitel sucht man allerdings vergebens.
Stark vertreten waren im Katalog und in den Gestellen der Bibliothek die Publikationen des Vereins für Gute Schriften. Über 50 Sammelbände dieser Schriftenreihe, die von der Gemeinnützigen Gesellschaft gefördert wurde, finden sich im ersten Katalog der Gemeindebibliothek. Das verwundert nicht, wenn man weiss, dass die Gemeinnützige Gesellschaft in Grenchen sehr aktiv war. Mit nahezu 20 Sammelbänden war die Zeitschrift Helvetia (zur Unterhaltung und Belehrung des Volkes) im Angebot vertreten. Daneben verfügte die Bibliothek über ganze Jahrgänge verschiedener Zeitschriften wie Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens, Illustrierte Frauenzeitung, Am häuslichen Herd und natürlich fehlte auch Die Gartenlaube nicht. In der Belletristik findet man gerade drei solothurnische Schriftsteller. Der Grenchner Arzt und Schriftsteller Franz Josef Schild (Dr Grossätti us em Leberberg) ist mit zwei und Josef Reinhart mit vier Titeln vertreten. Am beliebtesten schien aber der Gäuer Bauerndichter Josef Joachim gewesen zu sein. Nicht weniger als 21 seiner Bücher hatte die Volksbibliothek Grenchen im Angebot.
Einen beachtlichen Umfang hatte die Abteilung Geschichte und Biographie. Hier finden wir die Solothurner Gilbert Bloch und auch Gustav Freytag, der die Erinnerungen von Karl Mathy redigiert hatte, kann man zu den Einheimischen zählen. Dazu gehören auch Ludwig Rochus Schmidlin, der historisch interessierte Pfarrer aus Biberist und Urs Vigier. Kapitel für Geographie und Reisen, Volkswirtschaftliche und Naturkundliche Schriften und Publikationen reihten das beachtliche und sorgfältig ausgesuchte Angebot ab. Wer diesen Katalog studiert, der stellt bald einmal fest, dass eine Abteilung Jugendliteratur nicht existierte. Für Jugendliche bestand keine eigene Literatur. Die Jugendlichen wurden Schritt und im Schritt in die Lesewelt der Erwachsenen aufgenommen. Dabei bildeten die Bändchen der Guten Schriften ideale Dienste.
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