Aktion "Usgläsni Choscht"

gestartet vor 25 Jahren (1981)


von Rainer W. Walter


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Museums-Gesellschaft
Grenchen





Titelblatt der Broschüre "Usgläsni Choscht"


Schlusswort mit Unterschriften


Schlussblatt der Broschüre "Usgläsni Choscht"


Bildquelle: Broschüre "Usgläsni Choscht", Grenchen 1981.
Exemplar im Besitz von Rainer W. Walter

Vor 25 Jahren gestartet: Aktion „Usgläsni Choscht“

rww. 1981 feierte der Kanton Solothurn seine 500jährige Zugehörigkeit zur Eidgenossenschaft. Mit verschiedenen sympathischen Aktionen feierte Grenchen und machte auf sich aufmerksam. Die „Usgläsni Choscht“ stiess auf ein derart positives Echo, dass die Aktion seither jedes Jahr wiederholt wurde. Vom 17. März bis 9. April 2006 ist es wieder so weit.

Als es darum ging, im Jubiläumsjahr des Kantons etwas Besonderes zu realisieren, hatte der damalige Wirt auf dem „du Commerce“, Markus von Büren, die Idee, eine Bestandesaufnahme über die Grenchner Gastronomie vorzunehmen, in Bild, Text und mehrdimensional in den einzelnen Restaurants. Von dieser Idee liessen sich nicht weniger als 14 Gastwirte anstecken. Koordinator der Aktion war der frühere Statthalter Grenchens und Commandeur des berühmten Burgunder Weinordens der „Chevaliers de Tastevin“, Cesar Schneider. Er galt als überaus kritischer Gast und wurde nicht zuletzt mit seinem Rezeptbuch „Der Wildkoch“ bekannt. Dieses erschien 1970 im Verlag der Galerie Toni Brechbühl und wurde von Ludwig Freidinger illustriert.

Vergebliches Suchen

Lange bevor die Aktion gestartet wurde, suchten die Teilnehmenden nach alten Rezepten, vor allem nach Rezepten aus dem Jahre 1481. Dazu schrieb Ces Schneider im Vorwort zum Büchlein „Usgläsni Choscht“ folgendes:“ Ideal wäre gewesen, wenn Ihnen Menus vorgesetzt werden könnten, wie sie vor 500 Jahren üblich waren. Das geht leider nicht gut; wir haben in alten Chroniken nachgesehen, aber es scheint, dass sich unsere Vorväter mehr nur ernährt haben, als dass sie richtig gegessen hätten.“ Vor allem erfuhren die Forscher, dass sich unsere Vorfahren sehr häufig von Hafer-, Weizen-, Roggen und andern Brei-Kreationen ernährten. Die Teilnehmenden an der Aktion konzentrierten sich in der Folge auf beliebte Menus. Im Hotel Bahnhof beispielsweise war die „Cementchuchi“ am Wirken und brachte Sauerbraten, gefüllte Auberginen und Wachteln auf den Jubiläumstisch. Markus von Büren liess im „du Commerce“ den „Selzacher Fleischtopf“ aufleben. Gerald Lechner schrieb in der Jubiläumsschrift die Geschichte dieses Gerichtes auf. Die Grenchner zogen zur Zeit der Reformation nach Selzach, um den Bewohnern dieser Gemeinde den Abfall vom katholischen Glauben mit Gewalt auszureden. Die Selzacher beabsichtigten nämlich und taten dies auch kund, am Aschermittwoch Fleisch zu essen. Die Grenchner redeten ihnen dies mit Gewalt aus und brachten den Selzacher Fleischtopf nach Grenchen, wo er noch bis 1884 aufbewahrt wurde.

Emil Blümli von Anfang an dabei

Ein persönliches Jubiläum kann heuer Emil Blümli feiern. Er war bei der ersten Auflage der Aktion „Usgläsni Choscht“ dabei und auch in diesem Jahr ist er mit von der Partie. Emilio überraschte die Gäste 1981 mit einem „Filet de Truite au Dézaley“ und einem Krebsensalat an Kräuterquarksauce. Die Rezepte für diese beiden Essen publizierte er im Büchlein, das heute als gastro-historisches Kleinod gilt. – Die teilnehmenden Gastwirte stellte in der Broschüre ihre Wirtshäuser vor und berichteten von den Köstlichkeiten, die sie auf den Tisch bringen wollten. Auf das Titelblatt der Broschüre setzten die Organisatoren einen Spruch des sagenhaften Tschui-Aetti : „Bireschnitz und Oepfuschnitz/und gäli Rüebli drunger, /wenn das nit guet für e Hunger isch,/de nimts my z'Tüfels wunger.“

Und dann gabs noch die Schori Wurst

Die Autoren des Büchleins befassten sich nicht ausschliesslich mit den Gasthäusern, sondern plauderten über die Grenchner Spezialitäten ganz allgemein. Von der „Spezial-Burewurst“, die der Schori-Metzger von Grenchen aus in alle Gebiete der Schweiz exportierte war die Rede. Gerald Lechner stellte Walter Lüthi's Grenchner Schibli („Eine Spezialität mit Löchern“) vor. Oskar Keller berichtete vom neuen Restaurant Feldschlösschen, German Vogt schilderte den köstlichen Tropfen des Jänzene [Enzianschnaps] vom Obergrenchenberg. Gerald Lechner stellte den Bäckermeister Emil Gassler vor, der das „Grenchner Kornbrot“ kreiert hatte. Die Rede war vom neuen Grenchner Wein. Stadtarchivar Hans Kaufmann legte ein Verzeichnis der verschwundenen und ein weiteres der umbenannten Wirtschaften an. Illustriert wurde das Büchlein mit Ansichten alter Grenchner Restaurants aus der Sammlung von Markus von Büren. Etwas ganz Besonderes bot Confiseur Dünner vom Tea Room Bambi an. Nach dem Rezept, das Giuseppe Mazzini im Bachtelenbad aufgeschrieben hatte, buk er den berühmten Mazzini-Kuchen.– 14 Grenchner Wirte gab es, die sich während der Spezialitätenwoche über täglich gefüllte Gaststuben freuten. – Heuer sind es noch zwei Grenchner Wirte, die sich an der 26. Auflage der „Usgläsne Choscht“ beteiligen.





Bibliografische Angabe:
Usgläsni Choscht : Die Wirte von Grenchen : Im Juni 1981. - Redaktion Markus von Büren und Pierre Amez-Droz, Texte von Hans Kaufmann, Cesar Schneider, Gerald Lechner, Oskar Keller, Rainer W. Walter und German Vogt.
Grenchen : Schmelzi Druck, 1981. - 40 S., ill.



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A. Fasnacht, 03/2006