Grenchner Geschichten

50 Jahre Parktheater


von Rainer W. Walter, Grenchen


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Museums-Gesellschaft
Grenchen




Parktheater Grenchen. Bild Genossenschaft Parktheater


Eröffnungsfeier des Parktheaters am 10. September 1955. Freude herrschte. Bild Genossenschaft Parktheater


Adolf Furrer, Grenchner Stadtammann, wird Ehrenbürger von Genua. Im Hintergrund ein Standbild Giuseppe Mazzinis. Bild Slg Grenchen Rainer W. Walter


Aufführung des Theaterstücks "Höhenluft" von Adolf Furrer im Jahre 1960. Die Aufführung erfolgte anlässlich der Abschiedsfeier von Adolf Furrer. Bild Slg Grenchen Rainer W. Walter

50 Jahre Parktheater
Ein Start nach Mass mit Mozarts Zauberflöte
rww. Anlässlich der Eröffnung des Parktheaters am 10. September 1955 umriss Stadtamann Adolf Furrer die Aufgaben des Hauses als „Thalientempel“. Am 24. September begann im Parktheater die erste Theatersaison mit Mozarts „Zauberflöte“.
Für Adolf Furrer, kunstsinniger Schriftsteller, Nationalrat und Grenchner Ammann war es ganz nach Schillers Vorgabe klar, dass das Theater ein „Bildungsmittel“ und ein „Erhebungsmittel“ sein müsse. Er zeigte in seiner Eröffnungsansprache zwar ein gewisses, aber nur leises Verständnis für den Wunsch nach Unterhaltung und Zerstreuung und meinte dazu: „Aber wenn nur das ausgelassene, leichtgeschürzte Mägdlein der unbeschwerten Muse auf dieser Bühne Gastrecht erhalten sollte, dann haben wir auf dieses Haus zu viel Sorgfalt und Liebe verwendet, dann hätten wir mit dem finanziellen Aufwand Verschwendung getrieben.“ – Für Adolf Furrer und mit ihm auch für den Verwaltungsrat war es klar, dass Grenchen ein geeigneter Ort zum Aufbau einer Theatertradition sei, denn Karl Mathy, der erste Grenchner Bezirksschullehrer berichtete in seinen Erinnerungen, Jugendliche hätten ihm erzählt, dass früher im Dorfe eine grosse Theatertradition geherrscht habe. Die jungen Leute berichteten ihm von Aufführungen der „Genoveva“ (es dürfte sich hier um jene bekannte Dichtung des Bauerndichters und Grenchner Gemeindeammanns Andreas Ris gehandelt haben). Mathy entschloss sich dann, diese Tradition fortzusetzen und das Stück „Hans Waldmann* aufzuführen. Dabei stellten die Behörden fest, dass dank dieses Projektes im Dorf unter den jungen Leuten während des ganzen Winters über kein Streit ausgebrochen sei. Diese Tradition neu aufleben zu lassen, war Absicht von Adolf Furrer, denn er sah (nicht zu Unrecht!) in der kulturellen Tätigkeit generell Ansätze zu positiven Entwicklungen der Gesellschaft.
Adolf Furrer wollte, dass das Parktheater den Vereinen die Möglichkeit zu Auftritten gebe. Von ihnen erwartete er den kommenden kulturellen Aufschwung in Grenchen.
Eine detaillierte Geschichte des Theaterbaus wurde von Rektor René Stämpfli überliefert. Als verantwortlicher Präsident der Saalbaukommission führte er ein genaues Tagebuch, in dem er alle Ereignisse festhielt.

Vorhang auf!
Erster Präsident der Theaterkommission war Paul Glocker. Er nahm die Einweihungsfeier zum Anlass, auf kommende Veranstaltungen hinzuweisen. Wie im Titel bereits angetönt begann das Grenchner Parktheater-Leben mit der Aufführung der „Zauberflöte“ des Berner Stadttheaters. Dann trat die Basler „Komödie“ , das Berner „Atelier-Theater“ und wieder das Berner Stadttheater mit der Operette „Schwarzwaldmädel“ auf.
In seinem Bericht als Architekt wies Ernst Gisel unter anderem auf die Kunst im Parktheater hin, den (inzwischen verloren gegangenen) Teppich der Elsie Giauque beispielsweise und die Bildscheibe von Otto Staiger (Basel) im Gemeinderatssaal. Für Ernst Gisel war es wichtig, dass ins kulturelle Geschehen die Auseinandersetzung mit der einzigartigen Park-Landschaft gehört. Zum Platz vor dem Theatereingang sagte Gisel: „Dieser Platz ist vom Verkehr abgerückt und wird nicht als Parkplatz verwendet.“ Diese Idee wurde – leider – nicht umgesetzt! - Der berühmte Architekt schloss seine Ansprache: „Wir hoffen, die Stadt Grenchen werde für ihren Mut, einen so grosszügigen Bau erstellt zu haben, belohnt und dieses Theater entwickle sich bis in ein paar Jahren zu einem wirklichen Kulturzentrum, wo der Bevölkerung und vor allem der heranwachsenden Generation, jene Werte vermittelt werden, die keiner Krise unterworfen sind.“


Ein realistischer Träumer
Ohne Adolf Furrer (1897 – 1978) und seine Vision eines kulturell aufgeweckten Grenchen wäre das Parktheater nie realisiert worden. Aber auch das Gartenbad, die Neue Wohnbaugenossenschaft, das Ortsspital, die neue Post, der Ausbau der Wasserversorgung und der Kanalisation, der neue Bahnhof Süd, die Schulhäuser IV, Kastels und Eichholz West wären ohne Dazutun von Adolf Furrer wohl nie realisiert worden. – Dabei war Adolf Furrer eigentlich ein Träumer und Schriftsteller, in dessen Theaterstück „Höhenluft“ Zwerge und Elfen sich die Hand geben. Zwischen seinen Gesetzesbüchern standen Märchenausgaben, in denen er Bestätigung seiner Visionen fand. Wie kein anderer Magistrat wusste er aber seine Ideen, Träumereien oder sagen wir Visionen umzusetzen und Realität werden zu lassen. Und das war das Besondere an diesem sympathischen Menschenfreund, der Grenchen und die Grenchnerinnen und Grenchner über alles liebte. Er war ein ganz Grosser und zugleich Bescheidener.





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A. Fasnacht, 08/2005