Adolf Gschwind's Vokabular zur Uhrmacherei

erklärt von Peter Aebi, Ing. HTL, Grenchen


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Grenchen



Adolf Gschwind's Vokabular zur Uhrmacherei




Liste der von Adolf Gschwind verwendeten Fachausdrücke


Erklärt von Peter Aebi, Ing. HTL, Grenchen



Fachausdruck

Erklärung



Acheveur

In der Uhrenindustrie Arbeiter, der die Funktionen der Hemmung einstellte; ehemals auch der Gehäusespezialist für den Zusammenbau der Taschenuhrgehäuse.

Adoucir

Feinschleifen von Oberflächen.

Arbre

Welle, in der Uhrmacherei Synonym für Federkern, bzw. Federwelle.

Balancier

Unruh, in Verbindung mit der Spiralfeder Schwingsystem für den genauen Gang der Uhr; auch gebräuchlich für das Pendel oder eine manuelle Stanzpresse.

Barillet

Federhaus, Käfig für die Zugfeder.

Bride

Befestigungsvorrichtung, Haltevorrichtung; auch äusseres Ende der Zugfeder zum Anhaken im Federhaus.

Burin

Drehstahl, Schneidwerkzeug.

Calibre/Kaliber

Synonym für Abmessung und Formgebung eines Uhrwerkes; auch Schieblehre (Messwerkzeug) oder Geschossdurchmesser.

Im Uhrenbau spricht man von Rund-, Oval- und Formkalibern, solchen mit einzelnen Brücken, mit Dreiviertelbrücke, mit sichtbarem Aufzug oder von Konstruktionstypen wie Lépine, Savonnette, Anker, Stiftanker, Zylinder, etc.

Calibriste

Praktischer Uhrenkonstrukteur, der Modelle von Mechanismen erstmalig ausführte und erprobte und anschliessend die Methoden und Werkzeugfertigung für die Serienfabrikation begleitete. Er galt auch als Prototypenbauer.

Carré

Welle mit quadratischem Ansatz oder Oeffnung mit quadratischem Querschnitt.

Colimaçon

Schneckenhausförmig, besonders für spiralförmige Verzierungen auf Sperrad und Kronrad.

Coq

Unruhkloben, Unruhbrücke.

Coulisse

Gleitbahn, Schlitten, z.B. an Werkzeugmaschinen.

Cylindre

Zylinderuhrwerk, Uhr mit Zylinderhemmung.

Décolletage

Formdreherei mittels Langdrehautomaten (Décolleteuses).

Découpoir

Stanzvorrichtung, auch Stanzmaschine oder Stanzwerkzeug.

Démonteur

Arbeiter, der das Rohwerk zerlegte und Teile zur galvanischen Behandlung weiterleitete, aus der Zeit da die Einzelteile noch nicht austauschbar waren.

Ebauche

Rohwerk; früher Werkplatte und Brücken, heute alle Teile des Uhrwerkes ohne die regulierenden Bestandteile.

Ebaucher

Zurichten, grob verarbeiten, Rohling herstellen.

Ebavurer, Ebavage

Entgraten, Säge-, Bohr-, Dreh- oder Fräsgrate entfernen

Echappement

Hemmung, hat in der Uhr die Aufgabe die Schwingungen des Schwingsystems zu unterhalten.

Entrée

Einschnitt, Oeffnung, Kerbe; in der Uhr besonders die T-förmige Oeffnung in der Werkplatte für Aufzugs- und Schiebetrieb.

Etabli

Uhrmacher-Werktisch, oft in Verbindung mit einem Schubladenstock (Layette) für Werkzeuge und Bestandteile.

Etamper

Ausstanzen, Prägen.

Etampes

Stanz- und Prägewerkzeuge.

Finissage

Fertigbearbeitung, letzter Schliff einer Arbeit. In der Uhrmacherei auch Fachausdruck für die Gesamtheit des Räderwerks

Finisseur

Allgemein der Arbeiter, der den letzten Arbeitsgang ausführt oder Arbeiter, der das Räderwerk der Uhr einsetzt und einstellt.

Fournitures

Bestandteile, Einzelteile des Uhrwerkes.

Gouge

polierte Rille, konkave Eindrehung, auch Oelsenkung bei Lagerstellen. Oft angewandt zur Verkleinerung von Reibflächen oder auch als Dekorationselement bei Kron- und Sperrrad.

Grande Moyenne

Grossbodenrad, auch Zentrumsrad oder Minutenrad.

Jauge

Lehre, Kontrollwerkzeug für Masshaltigkeit.

Laminoir

Walzwerk, zur Erlangung der zweckmässigsten Abmessungen des Ausgangsmaterials für die Fertigung; auch für die Walzgoldauflagen auf Buntmetallen für die Uhrengehäusefertigung verwendet.

Ligne

Linie, Masseinheit zur Bezeichnung der Uhrwerkgrösse. Die Linie misst: 1’’’ = 2,255 mm.

Mince Platine

In alten Uhren dünne, obere Werkplatte, die als Brücke die Organe eines Uhrwerkes mit Pfeilern überdeckt. Später wurde „Mince“ in unserer Gegend bis ca. 1960 als Bezeichnung für die Federbrücke verwendet.

Nickelage

Tätigkeit um ein unedleres Metall mit einer Nickelschicht zu überziehen durch galvanische oder chemische Vernickelung mit Hilfe von in Bädern gelösten Salzen und Gleichstrom.

Noyure

Ausfräsung, Eindrehung.

Oxydage

Anbringen einer dekorativen Färbung auf Oberflächen von Metallteilen. Es geht dabei nicht um die reine Oxydation mit Sauerstoff, sondern um die Erzeugung einer chemischen Patina.

Perçage

Bohren, Bohrung.

Pignon

Trieb, Ritzel, in der Regel Zahnrad mit 6 bis 14 Zähnen.

Pignon coulant

Schiebe- oder Kupplungstrieb

Pignon remontoir

Aufzugstrieb, steuert das Aufziehen der Zugfeder von der Aufzugskrone, über die Aufzugswelle bis zum Sperrrad.

Pivot

Drehzapfen, der sich im festen Lager (coussinet) dreht. Der Lagerzapfendreher (Pivoteur) war als Arbeiter für die Anfertigung der Lagerzapfen zuständig.

Plantage

Uebertragung der Lagerpositionen von Räderwerk, Hemmung und Unruh der Werkplatte auf die zugehörigen Brücken. Der Arbeitsgang wurde von der modernen Technik verdrängt.

Platine

Werkplatte, welche die Brücken und die verschiedenen Teile des Uhrwerkes trägt.

Pointage

Ankörnern der mittels Zirkel festgelegten Drehpunkte beweglicher Teile auf der Werkplatte. Die Tätigkeit wurde in der Folge von der Koordinatenbohrmaschine übernommen und gehört heute der Vergangenheit an.

Polissage

Polieren, Aktion zum Glanzschleifen.

Poussette

Drückstift, Druckknopf; in alten Uhren Drücker zum Zeigerrichten.

Préparage

Vorbereitender Arbeitsgang.

Près goule

Nachstanzen einer Vierkantöffnung.

Quinquet

Ehemals Oel-Arbeitslampe des Uhrmachers nach Ami Argand, hergestellt durch Quinquet; heute elektrische Arbeitslampe mit Eisenfuss, Messinggestänge und grün-weissem Papier- oder Emailschirm. Umgangssprachlich: Gänggi.

Rainures de graissage

Schmiernuten bei Gleitbahnen an Werkzeugmaschinen.

Raquette

Rücker, Organ um den täglichen Gang der Uhr zu verändern, indem die aktive Spiralfederlänge verkürzt oder verlängert wird.

Réglage

Tätigkeit des Einrichtens einer Produktionsmaschine. In der Uhrmacherei ehemals Tätigkeit der Verarbeitung von Unruh und Spiralfeder und deren Einbau in das Uhrwerk, inkl. Gangkontrolle. Auch Einregulierung einer Pendeluhr durch Verlängerung oder Verkürzung des Pendels.

Remontage

Zusammenbau des Uhrwerkes.

Remonter

Aufziehen einer Uhr, spannen der Zugfeder.

Remonteur

Arbeiter, der die verschiedenen Teile des Uhrwerkes zusammenbaut bis zum Einbau der Hemmung. Anschliessend kommen der Acheveur und der Régleur zum Zug.

Remontoir

Aufzugsmechanismus des Uhrwerkes.

Renure“, rainure

Nute, länglicher oder konzentrischer, dünner Einschrnitt.

Retouche

Nachträgliche Feineinstellung des Ganges der Uhr, genauester Frequenzabgleich.

Rhabilleur / Rhabilleuse

FacharbeiterIn für Instandstellungsarbeiten. In der Uhrmacherei ausgebildeter Fachmann, der sich in allen Sparten (Pendulerie, Kleinuhren, Elektronik) auskennt und Reparaturen fachgerecht ausführt.

Rochet

In der Uhrmacherei Bezeichnung für das Sperrrad.

Roskopf

Georg Friedrich Roskopf, 1813 - 1889. Er eröffnete 1868 in La Chaux-de-Fonds eine Uhrenfabrik, um in grossen Stückzahlen preiswerte Uhren herzustellen. Er gilt als Pionier auf dem Gebiet der industriellen Serienfabrikation. Das nach ihm benannte, vereinfachte Räderwerk und die angewandte Stiftankerhemmung wurden als Roskopfuhr erfolgreich bis in die Anfänge der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in grossen Stückzahlen gebaut.

Roulage

Rollieren der Lagerzapfen von Drehteilen mittels Rollierfeile (Brunissoir) oder maschinell auf Wig-Wag-Maschine oder mit Rollierscheibe

Die Lagerzapfen erhalten dadurch die erforderliche Druckpolitur, die nicht nur eine feinst geläppte, sondern auch eine verdichtete Oberflächenstruktur zur Folge hat.

Sertissage

Einsetzen der Lagersteine. Diese wurden früher gefasst in der Art der Edelsteine, heute mit Presssitz eingepresst.

Sertisseur

Arbeiter, der die Steine fasste, oder heute einpresst.

Taillage

Durch das Schneiden einteilen. In der Uhrenindustrie Synonym für das Verzahnen von Zahnrädern.

Tambour

Federhaustrommel, mit oder ohne Verzahnung.

Taraudeuse

Gewindebohr- oder Gewindeschneidemaschine.

Tasseau

Träger, Auflage, kleiner Amboss oder Unterlage zum Nieten, Zeigersetzen, usw.: auch Werkzeugträger von Werkzeugmaschinen.

Tige

Welle, Stift, zylindrischer Werkteil, der mit Zapfen, Fräsungen oder Gewinden versehen ist. In der Uhrmacherei Synonym für Aufzugswelle.

Tirette

Stell- oder Kupplungshebel, der durch Zugbewegung betätigt wird.

Visiteur

Kontrollarbeiter, Kontrolleur.



































Alfred Fasnacht, 04/2005