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Grenchen, nein danke, ich lebe gerne in meinem Quartier.Kultur-Historisches Museum Grenchen:Eine Austellung im Rahmen der Grenchner Wohntage 2007, vom 31. Okt. 2007 - 24. Feb. 2008. fürs Internet aufbereitet von Alfred Fasnacht |
![]() Museums-Gesellschaft Grenchen |
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Inhalt Die Projekte: Einleitung Beispiel Kastels & Ziegelmatt Ziele und Vorgehen Quartiere: Definitionen & Wahrzeichen Zufriedenheit & Mobilität Quartiersbewertung & Sozialraumorientierung Engagement & Aktivität Beispiel "Läbigs Lingeriiz" Hektarraster-Karten Weitere Informationen, Links Ein wenig Geschichte und alte Pläne ![]() |
Quartiere in Grenchen: Ein Rückblick Der Text entstand vor der Durchführung der Studie und Befragung der Fachhochschule Nordwestschweiz, Basel. Blick in die Geschichtsliteratur Bahnbau und Verkehr beeinflussen Grenchens Stadtentwicklung Frühe Ansätze des Quartierdenkens Alltag Quartiere, Quartiersentwicklung, Quartiersbelebung Blick in die Geschichtsliteratur Bei Franz Josef Schild (Dr Grossätti us dem Leberberg), 1821-1889, dem Grenchner Arzt, Dichter und Sammler von Versen aus dem Volksmund, finden wir folgende Spottverse mit Nennungen von Grenchner Dorfteilen, 1863 erstmals gedruckt: Es Chappeli-Meitschi man i nit; Das Düfelhüete cha mr's nit. Es Stuude-Meitschi man i nit; Das Lütverhächle cha mr's nit. Es Staader-Meitschi man i nit; Das Aarewasser cha mr's nit. Schild zeichnete diese Verse aus mündlichen Quellen auf. Der Ursprung der Verse dürfte zeitlich weiter zurück liegen.
Uebersichtsplan der Gemeinde Grenchen aufgenommen durch Karl Feller, 1866-70. Massstab 1:10'000. Der bekannte Berner Geometer Karl Feller erstellte in jenen Jahren den ersten modernen Katasterplan der Gemeinde Grenchen. Plan: Sammlung A. Fasnacht, Kehrsatz Zum Vergrössern aufs Bild klicken. Das klassische Werk zur Grenchner Geschichte, das Heimatbuch Grenchen von Werner Strub, gibt leider kaum Antworten auf die Frage nach Quartieren in Grenchen. Strubs Werk entstand in der Mitte der ersten Hälfte des 20. Jahrthunderts. Strub erlebte Grenchen noch nicht als eigentliche Stadt mit Stadtteilen, Quartieren, vielmehr verstand er Grenchen noch als einheitliches Siedlungsgebilde (Stadt werdendes Industriedorf) mit Weilern und Höfen. Alte Grenchnerinnen und Grenchner brauchen das Wort Dorf, gemeint ist das Stadtzentrum, heute noch (I muess no i ds Dorf, hüt isch Märet). Auch in den später erscheinenden Büchern über Grenchen (Hans Kaufmann) werden eigentliche Quartiere noch nicht thematisiert. Genannt und teilweise beschrieben werden vor allem Flurnamen: Bachtelen, Breiten, Däderiz, Schmelzi Studen u.a. und natürlich die Weiler Staad und Allerheiligen.
Zehnt-Pläne des Stifts St. Ursen: Pläne der zehntpflichtigen Güter in Grenchen. Plan Nr. 13. ca. 1820. Vermutlich handelt es sich hier um den ältesten Dorfplan von Grenchen. Plansammlung Staatsarchiv Solothurn. Zum Vergrössern aufs Bild klicken. Das Geographische Lexikon der Schweiz (Neuenburg, 1902-1910) wie auch das Historisch Biographische Lexikon der Schweiz (Neuenburg, 1921-1934) erwähnen Grenchen mit seinen Weilern. Hier finden wir unter den Stichwörtern Allerheiligen, Bachtelenbad und Staad Hinweise auf Weiler. Bahnbau und Verkehr beeinflussen Grenchens Stadtentwicklung Die in der Mitte des 19. Jahrhunderts entstandene Bahnlinie Herzogenbuchsee-Solothurn-Biel bildet auch heute noch eine Trennlinie zwischen Stadtteilen und Quartieren. 1915 nahm die Münster-Lengnau-Bahn (MLB) den Betrieb auf. Die eleganten und durchlässigen Viaduktbauten dieser Strecke brachten eine weniger harte Unterteilung Grenchens, die im mittleren Stadtteil zwischen Kirchstrasse und Tunnelstrasse fast nur optisch wahrzunehmen ist und sich hauptsächlich auf das Stadtbild auswirkt.
Topographischer Atlas der Schweiz. Genannt "Siegfriedkarte". Blatt 123 Grenchen, Erstausgabe 1874, Massstab 1:25'000. Exemplar der Universitätsbibliothek Bern. Zum Vergrössern aufs Bild klicken. Mit der explosiv zunehmenden Motorisierung nach dem zweiten Weltkrieg bis zur neuen Verkehrsführung nach dem Autobahnbau A5 bildete auch die Hauptstrasse Solothurn-Biel (Solothurnstrasse / Bielstrasse) während eines halben Jahrhunderts eine kräftige Trennlinie durch die Stadt Grenchen. Frühe Ansätze des Quartierdenkens Beim Durchsehen des jährlich erscheinenden Verwaltungsberichts und Rechnung der Einwohnergemeinde Grenchen 1950-1980 fällt auf, dass die Grenchner Behörden bei ihrer Arbeit Quartiere höchstens mittelbar wahrnahmen, sie also weder städtebaulich noch politisch-sozial stark gewichteten. Auch in der Auflistung der behördlichen Jahresaktivitäten treten weder Quartiere noch Stadtteile als tabellarische Rubriken in Erscheinung. Dem stellt sich die Tatsache gegenüber, dass im Verwaltungsbericht und Rechnung 1976 beim Stadtplanungsamt immerhin von Quartiersrichtplänen die Rede ist. Es machten sich also damals schon quartiersbildende Kräfte bemerkbar. Wie wäre es sonst möglich gewesen, dass die Gemeinde neben dem Schulhausbau in den 50er Jahren auch Kindergärten und Kinderspielplätze in den Quartieren baute? Es entstanden Kindergärten im Bodenrain, in der Schmelzi und Spielplätze beim Schlachthaus, nördlich des Sorag-Gebäudes, Ziegelmatt und beim Feuerwehrgebäude. Die FDP kannte in den 50er Jahren bis in die 90er Jahre die Quartiersorganisation. Die Partei arbeitete mit fünf Quartiersorganisationen (Süd, West, Nord, Ost und Zentrum). Es gab Quartiersvorstände mit Präsident und Aktuar. Die Quartiersorganisationen erhielten zur Finanzierung der Aktivitäten Beiträge aus der Parteikasse. Die Quartierspräsidenten hatten dem Parteivorstand periodisch über ihre Arbeit zu berichten. Die Quartiersorganisationen führten Orientierungsanlässe durch, veranstalteten Führungen, Flurbegehungen und versuchten die Bedürfnisse der QuartiersbewohnerInnen festzustellen. Es war ein Kennzeichen der Anlässe, dass sie meistens mit einem gemütlichen Teil endeten, wo man sich persönlich näher kam. Vor Wahlen und Abstimmungen versuchten die Quartiersleute Unentschlossene zu gewinnen. Zur Zeit ist die Quartiersorganisation der FDP nicht mehr aktiv. Bruno Meier (SP-Gemeinderat) ist die Organisation und Durchführung des Grenchner Spielplauschs 1974 und 1975 zu verdanken. Etwas später und in direkter Linie entwickelten sich aus dem Spielplausch der ebenso beliebte wie erfolgreiche Grenchner Ferienpass (1979) und die Gesamtkonzeption Kinderspielplätze (1979). In der Gesamtkonzeption Kinderspielplätze spricht man erstmals von Quartiertreffpunkten und man machte sich Gedanken, was zu unternehmen wäre, solche zu schaffen und zu betreiben. Grenchen war sich der Wandlung vom Dorf zur Stadt durchaus bewusst: Die spontane Umformung des grossen Industriedorfes zur Stadt ruft dringend nach einer ordnenden Planung heisst es im Verwaltungsbericht 1951 der Einwohnergemeinde. Aufgrund einer 1956 aufgelegten Gesamtkonzeption erarbeitete die Bauverwaltung einen Zonenplan und eine neue Bauordnung, die 1960 in Kraft traten. Grenchens Wachstum nach dem Zweiten Weltkrieg brachte neue Siedlungen hervor, die heute wohl als Quartiere zu bezeichnen sind: Miba (Lingeriz), Ziegelmattquartier, Bodenrain, Witmatt, Munters-Eichholz, Halden, Leimen. Doch auch die älteren Quartiere und Stadtteile Grenchens profitierten vom Bauboom der 50er und 60er Jahre (Schmelzi, Däderiz, Studen/Kastels, Riedern, Bachtelen, Rebgasse/Schönegg, Breiten, Jurastrasse, Bettlachstrasse, Soloturnstrasse). Alltag ![]() Von einem Quartiersleben wie es heute angestrebt wird, konnte man in den Siedlungsgebieten und Stadtteilen Grenchens nicht sprechen. Ein Netzwerk entstand eher auf der Ebene gutnachbarlicher Beziehungen, gegenseitiger Hilfe im Alltag, Kinderspiel und Kinderbeziehungen, die sich nicht zuletzt auf dem gemeinsamen Schulweg ausbildeten. Vereine, die ihre Aktivitäten auf ein Quartier bezogen oder deren Mitglieder nur aus einem Quartier stammten, gab es kaum. Es entstanden also keine Quartiersvereine, wie z.B. in der Stadt Bern die Leiste, als Gefäss und Drehscheibe für Quartiersinteressen, Quartierskultur und Quartiersidentifikation. Die zuvor erwähnten Quartiersorganisationen der FDP bilden eine Ausnahme. In vielen Quartieren gab es jedoch eine Versorgungsinfrastruktur (Konsum oder andere Lebensmittelläden, Bäckerei, Metzgerei), Spielplätze, Kindergärten und Restaurants, die einen lockeren Quartierstreff darstellten. Aerzte, Primarschule (vor dem Bau der Schulhäuser Kastels, Eichholz und Halden), Sekundar- und Bezirksschule, Behörden, Post waren seit jeher im Stadtzentrum aufzusuchen. Quartiere, Quartiersentwicklung, Quartiersbelebung ![]() Bemerkungen und Feststellungen aufgrund von Recherchen und Befragungen. 1. Politische Sicht: Der Eindruck, dass die Grenchner Behörden bislang die Quartiere nicht besonders stark wahrnahmen bzw. als solche gewichteten, festigte sich. Es fehlen definierte Quartiere und feste Quartiersinstanzen, die mit der Stadt zusammenarbeiten und ihre Vorschläge, Anliegen und Forderungen an die Stadtbehörden richten. 2. Administrative Sicht: Von Parteien, Interessengruppen, Vereinen, Kirchgemeinden, Post und Stadtverwaltung gibt es verschiedene Sichten auf die Stadt und deren Aufteilung in Stadtteile und/oder Quartiere. Dabei spielt die jeweilige administrative, wirtschaftlliche oder soziale Nutzungsabsicht eine wichtige Rolle. Die Wahrnehmung und unterschiedliche Abgrenzung der Quartiere/Stadtteile erfolgte ganz klar im Zusammenhang mit den Zielen und Absichten der jeweiligen Interessenten. So blieb es oft bei grossräumigen, jedoch stets unterschiedlichen, eher administrativ oder ökonomisch gewichteten Sichtweisen wie z.B. Zentrum, Ost, West, Süd, Nord. Selbst innerhalb der Stadtverwaltung ist Aufteilung nicht einheitlich. Die Einteilungen, welche als Quartiere bezeichnet werden, sind in den wenigsten Fällen identisch. 3. Sicht der QuartiersbewohnerInnen: Die Abgrenzung dessen, was die Bewohnerinnen und Bewohner als ihre Quartiere, ihre nähere Heimat wahrnehmen, deckte sich bisher nur selten mit den in Punkt 2 erwähnten, eher administrativen Quartierseinteilungen. Die Sicht der Bewohner auf ihr Wohnquartier ist eher kleinräumig, bezieht sich auf einige Strassenzüge. Beispiele: Die Bewohner der Ruffini-Siedlung fühlen sich nicht als Teil des Lingerizquartiers. Die Anwohner des Grubenwegs, der Waldegg- und Waldheimstrasse führen seit einigen Jahren regelmässig ihr Quartiersfest durch. Die Trennung wird meist durch stark befahrene Strassen, Eisenbahnlinien, oder andere topografische Hindernisse bestimmt. 4. Quartierdefinition: Bevor Quartiere belebt werden können, müssen sie als solche erkannt und definiert werden. Das relativ enge Quartiersverständnis der Bewohner reicht für die behördlich gestützte Belebung nicht aus. Es müssen räumlich grössere, verwaltungstechnisch bearbeitbare Einheiten zusammengestellt werden können, die sich als Quartiere definieren lassen. Die Planungsarbeit muss auf den Ergebnissen einer Studie oder Analyse basieren. In der Detailberatung der Gesamtkonzeption Kinderspielplätze (1979) fällt folgende wichtige Aussage auf: Dabei sollte nicht in allen Quartieren gleichzeitig etwas begonnen werden. Man sollte sich für den Anfang auf ein Quartier beschränken und diesen Treffpunkt auch tatsächlich ausbauen. Indikatoren für die Quartiersbestimmung: Standorte der ehemaligen Konsumfilialen der Allg. Konsumgenossenschaft Grenchen (AKG), Standorte der öffentlichen Spielplätze, neuere Siedlungsgebiete, Flurnamen, Weiler. Quartiere lassen sich auch durch negative Indikatoren wahrnehmen wie Wegzug von BewohnerInnen, überdurchschnittliche Kriminalität und Gewalt, bauliche Verwahrlosung, Jugendprobleme. Hans Graf, Bruno Meier und Rainer W. Walter danke ich für die wertvollen Gespräche und Hinweise. A. Fasnacht |