Grenchen, nein danke, ich lebe gerne in meinem Quartier.

Kultur-Historisches Museum Grenchen:
Eine Austellung im Rahmen der Grenchner Wohntage 2007,
vom 31. Okt. 2007 - 24. Feb. 2008.


fürs Internet aufbereitet von Alfred Fasnacht

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Museums-Gesellschaft
Grenchen





Leben im Lingerizquartier

Inhalt

Die Projekte: Einleitung

Beispiel Kastels & Ziegelmatt

Ziele und Vorgehen

Quartiere: Definitionen & Wahrzeichen

Zufriedenheit & Mobilität

Quartiersbewertung & Sozialraumorientierung

Engagement & Aktivität

Beispiel "Läbigs Lingeriiz"

Hektarraster-Karten

Weitere Informationen, Links

Ein wenig Geschichte und alte Pläne


Naherholungsgebiet Aare




Hektarraster-Karten

Ausgangslage und Vorgehen. Was sind Hektarraster-Karten?


Themen

Städtebauliche Entwicklung

Bevölkerungsdichte

Haushaltstypen

Ausbildungsgrad

Sozialstruktur

Zusammenfassung und Schlussfolgerungen


Städtebauliche Entwicklung

Hektarraster-Karten Städtebauliche Entwicklung


Das Bundesamt für Statistik zählt für Grenchen 2'765 Gebäude (davon 2'558 nur oder vorwiegend Wohnhäuser). An der Verteilung der Bauten nach Zeitpunkt ihrer Erstellung pro Hektare lässt sich die städtebauliche Entwicklung nachvollziehen. In den vorliegenden vier Karten können insbesondere drei Phasen der Stadtentwicklung festgemacht werden:
  1. PhaseZentrumsentwicklung: Bis 1945 erfolgte der städtebauliche Wachstum vor allem im Zentrum Grenchens sowie den daran angrenzenden Quartieren. Der Anteil an Gebäuden aus der Zeit bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs ist auch heute noch sehr hoch. Im Zentrum machen diese bis zu 60 Prozent des Gebäudebestands aus.
  2. PhaseExpansion: In der Nachkriegszeit bis zur Rezession, und hier vor allem in den 1950er- bis 1960er-Jahren, verzeichnet Grenchen einen Wachstumsboom. Der Aufschwung der Industrie und die hohe Zahl von Arbeitsplätzen schlagen sich auch im Wohnungsbau nieder. Grenchen gehört zu dieser Zeit zu den am stärksten wachsenden Städten der Schweiz. Neubauten aus der Phase der Hochkonjunktur zwischen 1946 und 1970 finden sich dann auch dispers über ganz Grenchen verteilt. Wo Bauland vorhanden war, wurde gebaut. Allerdings ist eine Massierung an den Rändern festzustellen. Dabei lassen sich auch Gebiete unterschiedlicher Bau- und Wohnqualität ausscheiden. Zum einen das Wachstum in den nördlichen und östlichen, höher gelegenen Teilen der Stadt. Hier sind es vor allem die Ein- und Mehrfamilienhausquartiere, welche in den 1950er und 1960er Jahren entstehen; diese Quartiere profitieren von der Exposition, der Aussicht und der naturnahen Lage. Im Süden und vor allem im Westen in den heutigen Quartieren Lingeriz und Ruffini entlang von Einfallsstrasse und Eisenbahn entstehen dichte Blockbebauungen (vgl. Luftbild Grenchen).
  3. PhaseAusbau der Ränder: Zwischen 1970-1990 konzentriert sich die Neubautätigkeit zunehmend auf die Ränder des Stadtgebiets. Der höchste Anteil an Häusern aus dieser Zeit findet sich in den süd-westlichen, westlichen und nördlichen Teilen Grenchens. Damit endet (vorerst) auch die Phase der städtebaulichen Aussenentwicklung der Stadt Grenchen.
Seit den 1990er Jahren sind keine eigentlichen städtebaulichen Entwicklungsmuster mehr zu erkennen. Wie die Karten zeigen, hat sich die Neubautätigkeit seit Ende der 1960er-Jahre auf einem tief(er)en Niveau stabilisiert. Insbesondere die süd-westlichen, westlichen und östlichen Wohngebiete verzeichnen keine oder nur noch eine geringe Neubautätigkeit. Am ehesten könnte von einer Phase der inneren Verdichtung gesprochen werden.


Bevölkerungsdichte

Hektarraster-Karten Bevölkerungsdichte


Grenchens Bevölkerung ist ungleich verteilt. Am geringsten ist die Bevölkerungsdichte in den Einfamilienhausgebieten im Süd-Westen, Norden und Nordosten der Stadt. Die Hektare mit der höchsten Bevölkerungsdichte von bis zu 280 Personen liegen im Zentrum der Stadt. Höhere Dichten finden sich in den zentrumsnahen Bereichen von Quartieren wie Freimatt, Däderiz, etc. sowie im Bereich von kleineren Wohnblockbauten (Ziegelmatt, Kastels). Keines dieser Quartiere weist allerdings eine durchgehend gleichmässige Dichte auf. Ein anderes Bild bietet sich beim Lingeriz. Aufgrund der Siedlungsstruktur (Hochhäuser) weist dieses Quartier eine durchgehend hohe Bevölkerungsdichte auf. Im Vergleich mit den anderen Grenchener Quartieren teilen sich hier sehr viele Personen einen sehr kleines Gebiet.

Bevölkerungsverteilung nach Nationalität

In Grenchen besitzen 12'276 Bewohnerinnen und Bewohner oder 75.8 Prozent der Gesamtbevölkerung einen Schweizerpass. Davon gehören 24.2 Prozent einer anderen Nationalität an (Quelle: VZ 2000). Betrachtet man den relativen Anteil an Schweizern pro Hektare ergibt sich nahezu ein Spiegelbild zur Karte der Bevölkerungsdichte. Je höher der Anteil an Grenchener mit einem Schweizer Pass, desto geringer die Anzahl BewohnerInnen pro Hektare. Insbesondere in den höher gelegenen westlichen und nördlichen Lagen, ergeben sich homogene Gebiete mit einem Schweizeranteil zwischen 80 bis 100 Prozent. Diese Gebiete bestehen vorwiegend aus freistehenden Ein- und Mehrfamilienhäusern oder Terrassensiedlungen. Sie verfügen über eine attraktive Lage (Aussicht, Exposition) und bleiben von den Emissionen der Hauptverkehrsachsen (Strasse, Bahn) weitgehend verschont.
Ein deutlich anderes Bild ergibt sich, wenn die relative Verteilung von Personen nicht schweizerischer Nationalität pro Hektare betrachtet wird. Generell liegen die dunkel eingefärbten Gebiete, welche auf einen hohen Anteil an AusländerInnen pro Hektare hinweisen, in einem Südwest-Nordost Korridor, welcher auch als „Industrie und Gewerbezone“ beschrieben wird.

Bevölkerungsdichte und Nationalität

Wird die Verteilung nach Bevölkerung und Nationalität verglichen, fallen zwei Aspekte auf. Erstens besteht mit dem Lingeriz ein räumlich sichtbar abgrenzbares Quartier mehrfacher Konzentrationen (Anteil von 30 Prozent und mehr AusländerInnen pro Hektare, höchste Bevölkerungsdichte), während ansonsten zusammenhängende Gebiete mit einer hohen Bevölkerungszahl bzw. einem höheren AusländerInnenanteil Quartiergrenzen übergreifen. Zweitens weisen die am dichtesten besiedelten Gebiete zugleich den höchsten Anteil an AusländerInnen auf. Damit wird deutlich, dass in Grenchen insbesondere die nicht-schweizerische Bevölkerung mit einer geringeren Verfügbarkeit von (öffentlichem) Raum konfrontiert ist.


Haushaltstypen

Hektarraster-Karten Haushaltstypen


Wie die Karte Familienhaushalte mit Kindern (absolute Werte) zeigt, finden sich Kinder in nahezu allen Gebieten von Grenchen. Anteilsmässig die geringste Konzentration an Kindern hat es im Zentrum und in den von der Industrie, der Bahn und den Dienstleistungsgebäuden belegten Gebieten. Absolut betrachtet, ist das Lingeriz das Quartier mit der höchsten Kinderdichte. Dies kommt nicht unerwartet: Die Bevölkerungsdichte ist in diesem Quartier die höchst; zudem zeigt sich hier, wie in anderen Schweizer Städten auch, dass die ausländische Bevölkerung einen höheren Anteil an Haushalten mit Kindern zu verzeichnen hat (Tab. 1).



Die auf den Karten abgebildeten Verteilungen nach Haushaltstyp macht für Grenchen eine Zentrums-Peripherie Differenz sichtbar. Dabei werden vor allem unterschiedliche Verteilungen hinsichtlich der Familienhaushalte und der Haushalte ohne Kinder deutlich:

Einpersonen Haushalte machen insgesamt 38 Prozent aller Grenchener Haushalte aus. Diese Haushaltsform findet sich über ganz Grenchen verteilt. Jedoch mit einer leichten Konzentration im Zentrum sowie in den südlich und östlich vom Zentrum gelegenen Quartieren.

Familienhaushalte ohne Kinder machen mit einem Anteil von 30 Prozent die zweitgrösste Gruppe der Haushaltsform aus. Konzentrationen von Mehrpersonen-Haushalten ohne Kinder finden sich insbesondere an den Rändern im Nordwesten und Westen des Stadtgebiets. Ein Grund für diese Verteilung mag darin liegen, dass Familienhaushalte ohne Kinder in jenen Einfamilienhaus- bzw. kleinen Mehrfamilienhausgebieten liegen, die in den 1960er Jahren erstellt wurden, und deren Erbauer heute ohne die Kinder darin wohnen. Hinzu kommt, dass bei Handwechseln aufgrund der attraktiven Lage wohl nicht nur Familien, sondern auch erwerbstätige Paare ohne Kinder Interesse an diesen Liegenschaften zeigen.

Familienhaushalte machen im und ums Zentrum zwischen zwei und zwanzig Prozent der Anteil der Haushalte aus. Im Gegensatz dazu verzeichnen vor allem die westlichen, südwestlichen und östlichen Stadtränder den höchsten Anteil an diesem Haushaltstyp. Es sind zugleich jene Gebiete, in denen der Anteil an Neubauten seit den 1970er Jahren am grössten ist.


Ausbildungsgrad

Hektarraster-Karten Ausbildungsgrad


Für die Darstellung des Ausbildungsgrads wurden nur die Personen erfasst, welche aufgrund ihres Alters nicht mehr unter die obligatorische Schulpflicht fallen. Eine Analyse der Volkszählungsdaten 2000 zeigt, dass die Hälfte aller Grenchener ihre Ausbildung mit einem Sekundarschule II Abschluss (Berufslehre, Berufsschule, Maturität) beendet hat. Ein Drittel verfolgte nach der Sekundarstufe I (Abschluss obligatorischen Schulzeit) hingegen keine weitere Berufsausbildung. Insgesamt zwölf Prozent haben eine tertiäre Ausbildung abgeschlossen (Universität, Fachhochschule, Höhere Fachschule), während sieben Prozent über gar keinen Bildungsabschluss verfügen.

Diese Verteilung lässt sich in Grenchen auch räumlich nachvollziehen, wie die Hektarrasterdatenkarten deutlich machen. Vergleicht man die Kartierung des Merkmals Sekundarstufe I, welches für 33 Prozent der Bevölkerung ab 18 Jahren zutrifft mit der Kartierung Sekundarstufe II welches für 48 Prozent zutrifft, so ist Folgendes erkennbar: Beide Ausprägungen sind ziemlich gleich verteilt und kommen in allen Quartieren vor. Doch es ist sichtbar, dass AbgängerInnen der Sekundarstufe I in geringerem Masse im Nordgürtel sowie im Munters vertreten sind. Gerade umgekehrt verhält es sich bei Personen mit einem Abschluss Sekundarstufe II.

Vergleicht man die Hektarrasterkarten Ohne Ausbildung und Tertiärstufe miteinander, so verdeutlicht sich das oben geschilderte Bild: Es ergibt sich nahezu ein Umkehrbild in der räumlichen Verteilung. Die zwölf Prozent jener, welche über einen Abschluss auf Tertiärstufe verfügen, konzentrieren sich in den am Hang und Stadtrand gelegenen Quartieren im Nordwesten, Norden und Nordosten der Stadt, sowie im südlich gelegenen Munters; also in den weniger dicht besiedelten Ein- und Mehrfamilienhausquartieren. Die sieben Prozent ohne Ausbildung hingegen kommen vor allem im Zentrum, in den südöstlichen und östlichen Teilen von Grenchen sowie im Lingeriz vor. Die Karten zeigen somit einen eigentlichen Südwest-Ost Korridor, welcher sich hinsichtlich des Bildungsstandes von den höher gelegenen Randquartieren abhebt.


Sozialstruktur

Hektarraster-Karten Sozialstruktur


Die vom Bundesamt für Statistik für die Volkszählung gebildete Kategorie „sozio-professionell“, ergibt sich aus der Aggregation von berufs- und bildungsbezogenen Daten. Verwendet werden unter anderem Angaben zur beruflichen Tätigkeit, zum Erwerbssttus, zur höchsten abgeschlossenen Ausbildung oder bei Selbständigen und Direktoren auch zur Betriebsgrösse. Die nach der Kategorie sozio-professionell aufgeschlüsselten Karten vermitteln ein Abbild der Sozialstruktur der Bevölkerung von Grenchen.

Im Jahr 2000 zählten von den gut 16'194 EinwohnerInnen 32 Prozent zu den Nichterwerbspersonen; 14.5 Prozent waren 15 Jahre alt oder jünger. Damit zeigt sich, dass etwas mehr als die Hälfte im formellen Arbeitsprozess (d.h. ohne unbezahlte Haus- oder ehrenamtliche Betreuungsarbeit) eingebunden war.

Für die Kartierung der berufstätigen Bevölkerung wurde eine Grobkategorisierung vorgenommen welche zehn Ausprägungen annehmen kann: oberstes Management, akademische Berufe und oberes Kader, freie Berufe, andere Selbständige, intermediäre Berufe, qualifizierte nicht-manuelle Berufe, qualifizierte manuelle Berufe, ungelernte Angestellte und Arbeiter, Erwerbslose sowie nicht zuteilbare Erwerbstätige. Daneben gibt es die beiden Kategorien: Nichterwerbspersonen und Kinder bis 15 Jahr. Für die folgenden Karten wurden die beiden Ausprägungen oberstes Management und akademische Berufe und oberes Kader zusammengefasst.

Betrachtet man die Karte mit der Unterkategorie oberste Kader & akademische Berufe so wird deutlich, dass diese Gruppe sich dispers über ganz Grenchen verteilt. Allerdings gibt es hellere Flecken ohne bzw. mit sehr wenigen Kaderleuten und AkademikerInnen. Etwa im Südwesten (Lingeriz, Ruffini), im Nordosten (z.B. Kastels, Ziegelmatt) und im Süden, sowie im Weiler Staad.

Eindeutigere Zuordnungen finden sich, wenn die Verteilung der intermediären Berufe betrachtet wird (v.a. Dienstleistungsbereich wie Unternehmens- und Kommunikationsdienstleistungen, soziale und persönliche Dienstleistungsbereich, etc.). Diese können als Zeichen für Mittelschichtzugehörigkeit gelesen werden. Diese Personengruppe liegt nahezu konzentrisch ums Zentrum verteilt. Verstärkt tritt sie im „oberen Gürtel“ der Stadt, sowie im Munters auf.

Die ungelernten Angestellten und Arbeiter bilden fast das Spiegelbild der intermediären Berufe. Die höchste Konzentration findet sich im Zentrum, den ans Zentrum angrenzenden Gebieten, sowie im Lingeriz.


Zusammenfassung und Schlussfolgerungen


Räumliche Verteilungsmuster
Die Hektarraster-Darstellungen der fünf sozio-demografischen Kategorien Nationalität, Bevölkerungsdichte, Haushaltstypen, Ausbildung und der sozio-professionellen Kategorie haben gezeigt, dass hinsichtlich jeder dieser Kategorie räumlich fassbare Differenzen in der Verteilung der Bevölkerung auszumachen sind. Ein Vergleich der Kategorien lässt zudem gemeinsame Muster der räumlichen Verteilung erkennen. Als grundlegende Erkenntnis kann festgehalten werden: Grenchens Bevölkerung ist ungleich verteilt.

Es zeigen sich folgende räumliche Verteilungsmuster:

1. Eine Zentrum-Peripherie Verteilung ist erkennbar. Die Ränder von Grenchen erweisen sich mehrheitlich als jene Gebiete, wo statushöhere Personengruppen (Bildung, Sozioprof.Kategorie) einen grösseren Anteil der QuartierbewohnerInnen stellen. Zudem sind diese Gebiete vorwiegend von Personen schweizerischer Nationalität bewohnt.

2. Von Südwesten nach Nordosten wird Grenchen von einem Korridor durchschnitten. Auf den Karten dominieren in diesem Korridor Merkmale, die auf einen tieferen sozialen Status hinweisen (z.B. kein Bildungsabschluss). Es sind zugleich jene Gebiete, welche die höchste Bevölkerungsdichte und den grössten Ausländeranteil haben.

Möglichen Gründen für dieses räumliche Verteilungs muster soll im Folgenden kurz nachgegangen werden:
Die Randbereiche erweisen sich offensichtlich als attraktiv: dazu tragen ihre exklusiven topografischen Lagen (Aussicht, Exposition) bei. Sie profitieren zudem vielmals von der naturnahen Lage (Waldrand im Norden, Hügellage und Landwirtschaft im Süden). Die Dominanz von Einfamilienhäusern und kleineren Mehrfamilien- sowie Terrassenhäusern zeigt, dass diese Lageeigenschaften seitens der Grundstückbesitzer in Wert gesetzt wurden. Ein Blick auf das Luftbild offenbart eine Vielzahl an (privaten) Grünfläche. Die geringere Dichte der Bevölkerung verweist zudem auf höhere Wohnflächen und grössere private oder gemeinsam nutzbare Gärten. Die Kartierung der Haushaltstypen zeigt, dass sich Quartiere wie Munters, Bachtelen oder Schmelzi insbesondere für Familien, welche sich das leisten können, als besonders attraktiv erweisen.

Statustiefere Personengruppen finden sich im Südwest-Nordost-Konidor. Dieser ist gekennzeichnet durch die Hauptverkehrsachsen (Bahn, Strasse) und die Industrie. Die BewohnerInnen dieser Gebiete sind hohen Lärm- und Umweltimmissionen des Durchgangs- und Erschliessungsverkehrs auf Strasse und Schiene ausgesetzt. Innerhalb dieses Korridors treten zwei Gebiete hervor, die sich durch eine gering Varianz bezüglich der erhobenen Merkmale charakterisieren: das Zentrum mit den zentrumsnahen Gebieten im Süden und Westen sowie das Lingeriz/Ruffini:

a. Im Zentrum sind die grössten Differenzen zu den höher gelegenen Stadtrandgebieten im Norden auszumachen. Das Zentrum besitzt sowohl den höchsten Anteil an Einpersonenwohnungen als auch den geringsten Anteil an Familienhaushalten. Es zeichnet sich zudem durch einen hohen Ausländeranteil und eine grosse Bevölkerungsdichte aus. In den direkt ans Zentrum anschliessenden Gebieten wie dem Freimatt, Leimen oder dem Gebiet Breite/Nord Bahnhof finden sich vergleichbare Strukturen..


b. Das Lingeriz erweist sich wie kein anderes Quartier hinsichtlich der verschiedenen Kategorien als äusserst homogen (z.B. Bildung, Nationalität, etc.). Der Anteil von SchweizerInnen oder Personen der Mittelschicht liegt unter dem Durchschnitt. Ins Auge sticht insbesondere die hohe Bevölkerungsdichte. Diese ergibt sich aus der hohen Anzahl von Hochhäusern im Quartier. Diese Bevölkerungsdichte führt dazu, dass den QuartierbewohnerInnen im Vergleich zu anderen Gebieten auch äusserst wenig (öffentlicher) Raum zur Verfügung steht. Zudem erscheint das Quartier auf grund der Abtrennung durch die Verkehrsachsen von Strasse und Bahn, dem Friedhof und den südlich und nördlich liegenden Landwirtschaftszonen auch räumlich von Grenchen etwas abgeschnitten.

Überlegungen zur städtebaulichen Entwicklung
Wie die städtebauliche Entwicklung und die räumliche Verteilung der Bevölkerung zeigt, galten (und gelten) in Grenchen vor allem die Lagen am nordwestlichen, nördlichen und nordöstlichen Stadtrand, sowie die neu erschlossenen Gebiete im Süden als attraktive Wohnlagen. Dagegen befindet sich insbesondere im Zentrum und in den angrenzenden Gebieten eine grosse Anzahl von gegenwärtig noch in Betrieb stehenden Industrieanlagen. In diesen Bereichen konzentriert sich auch die ältere Bausubstanz. Damit sind in Grenchen städtebauliche Strukturen vorzufinden, welche mit (ehemaligen) Industrieorten wie Zürich, Winterthur aber auch Basel vergleichbar sind. In diesen Städten lässt sich für die zentralen Lagen gegenwärtig eine Tendenz zur Erneuerung der alten Bausubstanz feststellen - mittels Renovation oder Abriss und Neubau. Dies geht einher mit der Wiederentdeckung des Zentrums als Ort urbanen Lebens. Zudem erweisen sich die im Rahmen der Deindustrialisierung freiwerdenden Grundstücke (Bahn- und Industrieanlagen) als Gebiete mit einem hohen Wachstumspotential. Ein weiterer Strukturwandel der Industrie könnte für Grenchen somit nicht zwingend nur als ein Legat (Verlust von Arbeitsplätze, Vernachlässigung von Sanierungen alter Häuser, etc) erweisen. Für eine darauf abgestimmte Stadtentwicklungspolitik (Stichwort: "Wohnstadt Grenchen'') könnten sich diese Flächen auch als Potential (zentrumsnahes Wohnen, sanierte Altbauwohnungen) erweisen - die gute Erschliessung von Grenchen mit Strasse und Bahn spielt dabei sicherlich eine bedeutende Rolle. Welche Situation sich aber mit einer verstärkten Freigabe von Industriearealen tatsächlich einstellen wird, kann an dieser Stelle nicht abschliessend bewertet werden.






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A. Fasnacht, 12/2007