Grenchen, nein danke, ich lebe gerne in meinem Quartier.

Kultur-Historisches Museum Grenchen:
Eine Austellung im Rahmen der Grenchner Wohntage 2007,
vom 31. Okt. 2007 - 24. Feb. 2008.


fürs Internet aufbereitet von Alfred Fasnacht

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Museums-Gesellschaft
Grenchen





Leben im Lingerizquartier

Inhalt

Die Projekte: Einleitung

Beispiel Kastels & Ziegelmatt

Ziele und Vorgehen

Quartiere: Definitionen & Wahrzeichen

Zufriedenheit & Mobilität

Quartiersbewertung & Sozialraumorientierung

Engagement & Aktivität

Beispiel "Läbigs Lingeriiz"

Hektarraster-Karten

Weitere Informationen, Links

Ein wenig Geschichte und alte Pläne


Naherholungsgebiet Aare





Beispiel „Läbigs Lingeriz“

Die innere Entwicklung eines benachteiligten Quartiers stellt die Raumplanung vor eine Reihe von Problemen, deren nicht geringstes der Einbezug der Liegenschaftseigentümer in die Quartieraufwertung ist. Diese Arbeit will anhand des Lingeriz-Quartiers in Grenchen zeigen, wie Liegenschaftseigentümer in eine Quartieraufwertung einbezogen werden können. Dabei soll das Thema so weit gefasst werden, dass auch Fragen nach einer wünschenswerten Gesamtentwicklung des Quartiers Lingeriz beantwortet werden. Nach der Lagebeurteilung des Quartiers aus räumlicher und sozialer Sicht wird die konkrete Liegenschaftseigentümer-Struktur analysiert. In einer Befragung der Liegenschaftseigentümer wird ihre Motivation und Handlungsbereitschaft im Hinblick auf eine Quartierentwicklung erhoben.

Die aus der Lagebeurteilung und der Befragung der Liegenschaftseigentümer abgeleiteten Massnahmen verknüpfe ich dann zu einem Handlungskonzept, das die kurz-, mittel- und langfristige Quartieraufwertung unter besonderer Berücksichtigung der Liegenschaftseigentümer gewährleisten soll:

Die Basis aller weiteren Massnahmen wird die Selbstorganisation der Liegenschaftseigentümer in einer Interessengemeinschaft sein sowie die kontinuierliche Kommunikation zwischen ihnen und der Gemeinde. Die Verbesserung der Kommunikation in den Mietshäusern dienen, die Förderung von Sanierungen und das Bekämpfen bestehender Leerstände dient der kurz- bis mittelfristigen Quartieraufwertung. Eine langfristige Quartieraufwertung soll gewährleistet werden durch drei Schlüsselprojekte: das Erstellen eines Quartierleitbildes, die Aufwertung des Strassenraumes und eine Nutzungs- und Bebauungsstudie für die grösste noch freie Bauparzelle.

Colette Peter





In den 50er Jahren ein Vorzeigequartier,
heute ein Quartier mit einem schlechten Ruf – zu Recht?

Mit dem Projekt „Läbigs Lingeriz: Quartierentwicklung und Integration“ will die Stadt Grenchen das Zusammenleben im Lingeriz fördern und das Image gegen aussen und innen positiv beeinflussen: Lingeriz soll lebendiger und attraktiver werden - auch aus der Sicht von Aussenstehenden. Die Beteiligung der im Lingeriz lebenden Menschen spielt dabei eine wichtige Rolle.

In Zusammenarbeit mit der Hochschule für soziale Arbeit HSA Luzern wurde in einem ersten Schritt im Frühjahr 2007 eine Quartieranalyse unter Beteiligung der Quartierbevölkerung durchgeführt. Dabei befragten interessierte Bewohnerinnen und Bewohner Mitbewohnerinnen und Mitbewohner im Quartier nach ihren Wahrnehmungen, Wünschen und Anliegen betreffend das Lingeriz.
Mit der „Kinderspionage“ wurden die räumlichen Beurteilungen des Quartiers und das räumliche Verhalten der Kinder erfasst.



Die Ergebnisse dieser Arbeiten wurden der Quartierbevölkerung im Juni 2007 an einer öffentlichen Veranstaltung vorgestellt. Hier haben die Teilnehmenden gemeinsame Massnahmen und Projektideen erarbeitet. Diese sollen dazu beitragen, den gesellschaftlichen Zusammenhalt im Quartier zu fördern, das Image positiv
zu beeinflussen und bauliche Aufwertungen in Gang zu setzen.

Das Projekt „Läbigs Lingeriz“ ist Bestandteil des Schwerpunktes „Städtebauliche Aufwertung“ aus dem Businessplan der Stadt Grenchen und wird unterstützt von:
• Bundesamt für Migration / Eidgenössische Ausländerkommission
• Kanton Solothurn / Amt für soziale Sicherheit
• Rosmarie & Armin Däster-Stiftung Grenchen
• Bundesamt für Wohnungswesen




Aus dem Projekt lassen sich verschiedene Massnahmen ableiten. Sie gliedern sich in bauliche und gesellschaftliche Bereiche. Dabei konnten einige Massnahmen sofort realisiert werden, andere mögliche Massnahmen stehen noch zur Diskussion.

A) Sofortmassnahmen
A1 "Ein Platz für Alle" Ein Grundstück im Westen des Quartiers liegt brach und wird vorläufig nicht bebaut. Der Eigentümer ist bereit, die Parzelle zwischenzeitlich als Freiraum zur Verfügung zu stellen. Der Platz wird zu einem neuen Begegnungs- und Treffpunkt. Die Gestaltung des Platzes erfolgt unter der Leitung der Baudirektion in enger Zusammenarbeit mit den interessierten BewohnerInnen, welche anschliessend die Verantwortung für die Bewirtschaftung des Platzes übernehmen.




A2 "Der Spielplatz in neuem Glanz" Der vorhandene öffentliche Spielplatz wird zwar geschätzt, doch alle wünschen sich den Lingeriz-Spielplatz aufgeräumter, farbiger und besser unterhalten. Die vorhandenen Anlagen sollen saniert und mit zusätzlichen attraktiven Geräten ergänzt werden. Die Behörden sind verantwortlich für Gestaltung und Unterhalt des Platzes. Die Sanierung und der Ausbau erfolgt in enger Zusammenarbeit mit den interessierten BewohnerInnen und der Interessengruppe Spielplätze Grenchen ISG.

A3 "Erweiterung Parkplatzangebot" Die Quartierstrassen sind dauernd mit abgestellten Autos überstellt weil zu den Wohnblöcken aus den 50er Jahren die entsprechenden Garagen fehlen. Das ist gefährlich und verunmöglicht eine gestalterische Aufwertung der Strassenräume. Als kurzfristige Massnahme gegen diese unbefriedigende Situation sollen entlang der Bielstrasse provisorisch zusätzliche Autoabstellplätze bereitgestellt
werden. Die Baudirektion prüft die Möglichkeiten zusammen mit dem Kanton, der für die Bielstrasse zuständig ist.

A4 "Sorg ha zum Lingeriz" Der unsorgfältige Umgang mit der Abfallentsorgung und Sperrgut, das ohne Marken deponiert wird und deshalb liegen bleibt, tragen zum Eindruck einer Verluderung und damit zum schlechten Image des Quartiers bei. Die meisten QuartierbewohnerInnen stören sich daran und wünschen sich eine Verbesserung der Situation. In Zusammenarbeit zwischen Stadt, Hauswarten und Liegenschaftseigentümern ist eine Kampagne zur Information der BewohnerInnen über die Möglichkeiten und Notwendigkeit einer korrekten Abfallentsorgung in den für das Quartier relevanten Sprachen zu lancieren.

B) Mögliche weitere Massnahmen
B1 "Professionelle Quartierarbeit" Einrichten einer Stelle für professionelle Quartierarbeit. Diese Stelle hat ihr Büro im Quartier. Das Quartierbüro erfüllt eine übergeordnete Aufgabe, ist direkte Anlauf- und Kontaktstelle für die interessierte Bevölkerung und betreut alle weiteren Massnahmen in der Umsetzung.

B2 "Lingerizer Kids" Die Verbesserung der Bedingungen in der vorschulischen Phase hat für die spätere Entwicklung der Kinder zentrale Bedeutung. Ein Angebot für Vorschulkinder (und deren Eltern) und Hausaufgabenhilfe im Quartier sollen die Chancen der Lingerizer Kinder verbessern. Dabei kann auf bestehende Frühförderprogramme und -erfahrungen zurückgegriffen werden, um daraus eine angepasste Variante für das Lingeriz zu entwickeln.

B3 "Im Team mit den Eigentümern" Die Liegenschaftseigentümer spielen eine zentrale Rolle bei der Umsetzung der Quartierentwicklungsmassnahmen. Eine institutionalisierte Zusammenarbeit zwischen Stadt und Liegenschaftseigentümern, die sich zu einer Körperschaft zusammenschliessen, soll die Koordination in der Umsetzung der Massnahmen gewährleisten. Das kann heissen: bauliche Sanierung oder den Ausbau von Liegenschaften, Aufwertung der Aussenräume / Strassenräume, koordinierte Schulung von Hauswarten.

B4 "Der neue Strassen- und Aussenraum" Mit der Einführung der Zone Tempo-30 hat die Stadt einen ersten Schritt getan, um die Verkehrssituation im Quartier zu beruhigen, was von der Bevölkerung sehr positiv gewürdigt wurde. In einem weiteren Schritt sollen Grundlagen geschaffen werden, um die Parkierungsprobleme zu lösen und die Strassenräume aufzuwerten.





Schlusswort
Das Lingeriz ist ein Quartier im Aufbruch. Wie die Quartier-Entwicklung längerfristig aussehen wird, das weiss heute noch niemand. In einem spannenden, partizipativen Prozess müssen Gemeinde, Bewohner und Liegenschaftseigentümer gemeinsam die Zukunft ihres Quartiers planen. Das wird nicht ohne schmerzliche Kompromisse auf allen Seiten geschehen. Als Aussenstehende, der das Lingeriz im Rahmen dieser Arbeit durchaus ans Herz gewachsen ist, möchte ich gerne diese Arbeit beschliessen mit einer ganz unwissenschaftlichen persönlichen Vision:

Das Lingeriz hat sich zu einem Wohnquartier entwickelt, das attraktive Wohnangebote für unterschiedliche Zielgruppen bereitstellt. Neben den bereits im Quartier vertretenen Bevölkerungsgruppen sind vermehrt junge Schweizerfamilien, junge Paare und Fachhochschulstudierende aus den benachbarten Städten Solothurn und Biel ins Quartier gezogen. Sie alle profitieren nicht nur vom günstigen und zentrumsnahen Wohnraumangebot, sondern auch von der kulturellen und ethnischen Vielfalt.
Sie alle leben in renovierten Wohnungen in einem attraktiven und kinderfreundlichen Wohnumfeld. Die Quartierstrassen sind als Begegnungszonen gestaltet. Die Grünräume zwischen den Häusern sind ökologisch aufgewertet und mit einheimischen Gehölzen bepflanzt. Sie bieten Nischen mit Bänken, wo man gerne verweilt. Das Quartier ermöglicht Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen, sich in öffentlichen Begegnungsräumen zu treffen. Eine attraktive Neuüberbauung auf der Parzelle 6272 bietet der Quartierbevölkerung ein Café und einen Quartierladen. Ältere Menschen profitieren vom betreuten Alterswohnen und von einer auf sie zugeschnittenen Infrastruktur (Apotheke, Gesundheitseinrichtungen), Familien schätzen den Kinderhort und die ausserschulische Betreuung ihrer Kinder während der Freizeit. Die Jugendlichen sind froh um ihren eigenen Treffpunkt, ausländische Mütter besuchen regelmässig den „Table Femmes“, wo sie nicht nur Unterstützung in ihrem Alltag erhalten, sondern auch neue Kontakte knüpfen können.

Colette Peter





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A. Fasnacht, 06/2007