Grenchen, nein danke, ich lebe gerne in meinem Quartier.

Kultur-Historisches Museum Grenchen:
Eine Austellung im Rahmen der Grenchner Wohntage 2007,
vom 31. Okt. 2007 - 24. Feb. 2008.


fürs Internet aufbereitet von Alfred Fasnacht

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Museums-Gesellschaft
Grenchen





Leben im Lingerizquartier

Inhalt

Die Projekte: Einleitung

Beispiel Kastels & Ziegelmatt

Ziele und Vorgehen

Quartiere: Definitionen & Wahrzeichen

Zufriedenheit & Mobilität

Quartiersbewertung & Sozialraumorientierung

Engagement & Aktivität

Beispiel "Läbigs Lingeriiz"

Hektarraster-Karten

Weitere Informationen, Links

Ein wenig Geschichte und alte Pläne


Naherholungsgebiet Aare




Beispiel Kastels und Ziegelmatt

Kastels und Ziegelmatt aus der Sicht von Kindern.

Kastels und Ziegelmatt aus der Sicht von Jgendlichen.

Kastels und Ziegelmatt aus der Sicht von Eltern kleiner Kinder.

Kastels und Ziegelmatt aus der Sicht von Erwachsenen.

Kastels und Ziegelmatt aus der Sicht von Seniorinnen und Senioren.

Fazit aus den Sozialraumanalysen.

Was schliessen wir aus den Profilen der einzelnen Gruppen?


Kastels und Ziegelmatt aus der Sicht von Kindern

Die Kinder im Kastels nehmen ihr Quartier eindeutig als Quartier wahr und können es auch benennen. Teilweise wird es sogar als Dorf erlebt. Im Gegensatz dazu ist der Quartiername bei den Kindern im Ziegelmatt eher unklar.

In der Freizeitgestaltung bevorzugen die Kinder aus dem Kastels das Schulgelände und die anliegenden Wiesen und den Wald mit dem Wissbächli. Bei den Kindern vom Ziegelmatt zeichnen sich Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen ab. Während die Jungen hauptsächlich den Spielplatz zum Fussballspielen nutzen, spielen die Mädchen lieber zu Hause im Garten.

Gemeinsam ist den Kindern in beiden Quartieren, dass organisierte Hobbys wie Musik und Sport ausserhalb des eigenen Quartiers stattfinden. Ebenso ist ihnen gemeinsam, dass sie die Einkaufsmöglichkeiten als beschränkt erleben und mit ihren Familien lieber im Zentrum bzw. in Biel oder Solothurn einkaufen.

Kastels und Ziegelmatt aus der Sicht von Jugendlichen

Sowohl das Kastels als auch das Ziegelmatt werden von den befragten Jugendlichen als klassische Wohnquartiere eingeschätzt. Während das Kastels einen eher dorfähnlichen und ländlichen Charakter aufweist, erweckt das Ziegelmatt eher einen städtischen und etwas anonymeren Eindruck.

Der Freundeskreis beider Gruppen setzt sich vor allem aus Mitschüler/innen der Bezirksschule zusammen. Da diese aus den verschiedensten Quartieren von Grenchen und Bettlach stammen, trifft man sich mehrheitlich im Zentrum oder an der Aare. Attraktivere Treffpunkte und Aufenthaltsorte in den Quartieren werden von den Jugendlichen daher nicht als Bedürfnis formuliert. Den Jugendlichen dient ihr Quartier als Wohnort; als Aufenthalts- und Entfaltungsort ziehen sie städtisch geprägte Räume vor (z.B. Grenchen, Solothurn, Biel). Den Gesprächen ist zu entnehmen, dass die befragten Jugendlichen in ihren Aktivitäten nicht primär quartier-, sondern vielmehr stadtorientiert und regional ausgerichtet sind. Auch werden Freizeitaktivitäten und Beziehungen im Privaten und nicht in öffentlichen Räumen organisiert. Bemängelt wurden die strikten Öffnungszeiten des Pausenareals; hier müsste geprüft werden, ob es jugendgerechtere Alternativen gibt.

Kastels und Ziegelmatt aus der Sicht von Eltern kleiner Kinder

Den Interviews lässt sich entnehmen, dass sich die interviewten Eltern in ihren Wohnquartieren wohl fühlen. Die befragten Mütter schätzen besonders die grüne Umgebung sowie die qualitativ gute und nahe gelegene Schule. Auch die Nähe zum Stadtzentrum sowie die generell spürbare familienfreundliche Atmosphäre in den Quartieren werden positiv bewertet. Die Mütter schätzen, dass sich die Stadt und die IG Spielplätze um die Organisation und den Unterhalt der Spielplätze und anderen öffentlichen Orte kümmern. Bemängelt wird allgemein das dürftige soziale und kulturelle Angebot in Grenchen, welches die Befragten dazu veranlasst, nach Biel oder Solothurn auszuweichen. Als wichtiges Anliegen wird von den Müttern der Wunsch nach einer vermehrten Verkehrsberuhigung in den Quartieren formuliert (bessere Verkehrsregelung, Tempo- 30-Zonen, Wohnstrassen, etc.). Aussagen wie „Es gibt eigentlich mehrere schöne Quartiere in Grenchen“ lassen auf eine grundsätzlich positive Grundeinstellung zur Stadt Grenchen schliessen.




Kastels und Ziegelmatt aus der Sicht von Erwachsenen

Beide Quartiere werden von dieser Altersgruppe als ruhige Quartiere beschrieben und geschätzt. Während das Kastels über seinen relativ homogenen Einfamilienhauscharakter definiert wird, ist das Ziegelmatt durch eine Mischung aus Einfamilienhäusern und Blocksiedlungen geprägt. Unterschiedlich wird auch die Wohnbevölkerung beschrieben. Im Kastels leben fast ausschliesslich Schweizer aller Altersgruppen, während im Ziegelmatt der Anteil an betagten und fremdsprachigen Menschen gross ist. In beiden Quartieren gibt es Treffmöglichkeiten, die zwar genutzt werden, aber nicht dazu führen, dass in der Bevölkerung starke Beziehungen oder gemeinsame Aktivitäten entstehen. Engagement ist in beiden Quartieren kaum auszumachen und in der Tendenz abnehmend. Es scheint den Bewohnern in dieser „Halbanonymität“ gut zu gehen und sie vermissen auch nichts. Die Infrastruktur ist ausreichend, und - mit Ausnahme einer Person aus dem unteren Ziegelmatt - man wünscht sich auch nicht mehr Aktivitäten oder „Leben“ im Quartier. Geselligkeit und gemeinsame Aktivitäten werden eher ausserhalb des Quartiers (z.B. in Vereinen) gelebt. Einigkeit besteht weiterhin darüber, dass das Zentrum auch für die Quartiere eine wichtige Funktion erfüllen könnte („das gehört alles irgendwie zusammen“). Daher beziehen sich die Veränderungswünsche nicht auf das eigene Quartier, mit dem die Menschen in beiden Quartieren zufrieden sind, sondern auf das Zentrum, die Verwaltung und die Politik.

Kastels und Ziegelmatt aus der Sicht von Seniorinnen und Senioren

Dem Empfinden der befragten Bewohner nach sind beide Quartiere typische Wohngebiete. Das Kastels und das Ziegelmatt sind einander sehr ähnlich. Beide sind nah am Zentrum gelegen und dennoch in der Nähe von Erholungsgebieten, sie sind verkehrsarm und familienfreundlich.

In beiden Quartieren gibt es neben den Angeboten des Alterszentrums keine regelmässigen Angebote für Menschen ab 65 Jahren, etwa Altersturnen oder einen Mittagstisch. Die Befragten äusserten in den Gesprächen keine spezifischen Anliegen oder Verbesserungswünsche. Trotzdem kann festgestellt werden, dass bei den interviewten Senioren und Seniorinnen ein Bedürfnis nach Zugehörigkeit besteht und dass Angebote, die vermehrt Kontaktoptionen mit anderen Quartierbewohnern ermöglichen würden, gefordert werden.

Dieser Wunsch nach vermehrtem Kontakt unter der Quartierbevölkerung ist ein möglicher Ansatzpunkt, dieB efindlichkeit der älteren Personen im Quartier zu verbessern. Durch die Organisation verschiedener Angebote könnten intergenerationelle Kontaktmöglichkeiten hergestellt und der Zusammenhalt in der Quartierbevölkerung gestärkt werden. Möglich wären etwa altersübergreifende Angebote wie zum Beispiel gemeinsame Projekte der Schule und des Alterszentrums.

Aus den Ergebnissen lässt sich schliessen, dass beide Quartiere, das Kastels wie das Ziegelmatt, gut als Wohnorte für ältere Menschen geeignet sind. Die Bewohnerinnen und Bewohner beider Quartiere fühlen sich wohl in ihrer Wohnumgebung und leben gerne dort. In beiden Gesprächen kam es immer wieder vor, dass die Befragten die Antwort auf ganz Grenchen bezogen und nicht speziell auf ihr Quartier. Daraus lässt sich schliessen, dass die Stadt als Ganzes einen höheren Stellenwert hat als die einzelnen Quartiere für sich.



Fazit aus den Sozialraumanalysen

Im Prinzip fühlen sich alle Altersgruppen in den beiden Quartieren wohl und sehen - innerhalb ihres Quartiers - keinen Veränderungsbedarf. Gewünscht ist eher die Erhaltung des Status quo.

Bedingt durch seinen Einfamilienhauscharakter und den hohen Anteil an Wohneigentum wirkt das Kastels sehr homogen und stabil (viele „Alteingesessene“, Kinder übernehmen die Häuser ihrer Eltern). Das Ziegelmatt ist differenziert in einen Einfamilienhaus- (leichte Hanglage) und einen Wohnblockteil. Der Einfamilienhausteil ist dem Kastels sehr ähnlich. Der Wohnblockteil ist heterogener in der Bevölkerungszusammensetzung (Schweizer und Ausländer) und ist auch durch mehr Fluktuation der Bevölkerung (Zuzüger, leer stehende Wohnungen, Abwanderung) gekennzeichnet. Der Zustand der Wohnungen und das Preis-Leistungs-Verhältnis dürfte dabei eine Rolle spielen. Es ist anzunehmen, dass der Wohnungs- und Immobilienmarkt in Bezug auf die Bevölkerung in den Quartieren der entscheidende Faktor ist, zumal die Quartierwahl meist aus ökonomisch-praktischen Überlegungen erfolgt.

Beide Quartiere bieten Treffmöglichkeiten, die auch genutzt werden. Diese dürften aber für die verschiedenen Altersgruppen von unterschiedlich grosser Bedeutung sein. Die Quartierläden und der Schulhof haben eine solche Treffpunktfunktion. Bewusst geplante, Generationen übergreifende Treffpunkte gibt es - mit Ausnahme der Spielnachmittage auf dem Rötispielplatz - kaum. Die Beziehungen sind, ausser bei den Kindern und Betagten, nicht sehr stark an die Nachbarschaft gebunden.



Wenn die Bewohner sich engagieren, geschieht dies im Moment eher über Vereine, die ihren „Sitz“ im Zentrum oder sogar ausserhalb von Grenchen haben. Das Quartier selbst dient eher als Erholungs-, Rückzugsund Ruheort, in dem eine gewisse „Halbanonymität“ genossen wird. So gesehen besteht in den beiden Quartieren aus der Sicht der befragten Gruppen kein Bedürfnis nach Veränderungen oder einer vermehrten Aktivität der Bevölkerung.


Was schliessen wir aus den Profilen der einzelnen Gruppen?



Es fällt auf, wie oft alle Beteiligten festhalten, wie wohl sie sich in der Stadt Grenchen fühlen. Nur aus Sicht der Jugendlichen werden einige Wünsche an zu Veränderndem deutlich formuliert - mit ihnen wurde allerdings auch das Stadtgebiet begangen und nicht nur das Wohnumfeld.

Die Identitäten der Quartiere sind unterschiedlich ausgeprägt. Kastels ist geprägt durch seinen dörflichen Charakter. Beim Ziegelmatt gibt es Unsicherheiten sowohl bezüglich der Bezeichnung als auch bezüglich der Grenzen des Quartiers.
Beide Quartiere bieten Treffmöglichkeiten, die auch genutzt werden. Diese dürften aber für die verschiedenen Altersgruppen von unterschiedlich grosser Bedeutung sein. Die Quartierläden haben eine solche Treffpunktfunktion, ebenso der Schulhof. Bewusst geplante, Generationen übergreifende Treffpunkte gibt es - mit Ausnahme der Spielnachmittage auf dem Rötispielplatz - kaum. Die Beziehungen sind, ausser bei denKindern und Betagten (aufgrund ihrer beschränkten Mobilität), nicht sehr stark an die Nachbarschaft gebunden.

Wenn die Bewohner sich engagieren, geschieht dies im Moment eher über Vereine. Das Quartier selbst dient eher als Erholungs-, Rückzugs- und Ruheort.




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A. Fasnacht, 06/2007