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JUNGSTEINZEIT (ca. 4500 BIS 1800 v. Chr.)
Wahrscheinlich zwangen Bevölkerungszunahme und schwindende Wildbestände die Halbnomaden der Mittelsteinzeit, sesshaft zu werden. Der damit verbundene Kulturwandel veränderte ihr Leben radikal. Nicht länger ausschliesslich von dem abhängig, was die Natur ihnen bot, konnten sie nun ihre materielle Lebensgrundlage zu einem grossen Teil selbst erschaffen. Sie bauten feste Siedlungen und entwickelten das Töpfern und Weben auf ein bemerkenswertes Niveau.
Da das Land nach wie vor zum grössten Teil von Wald bedeckt war, wundert es nicht, dass die meisten bekannten Siedlungen dieser Zeit an Seeufern standen. Der See diente als Verkehrsweg und lieferte die begehrten Fische. Die Siedlungen waren relativ klein und bestanden aus sechs bis zwölf Häusern, deren Wände aus einem Geflecht von Weidenruten zwischen senkrecht eingeschlagenen Prahlen bestand, die innen und aussen mit Lehm verputzt wurden. Die Äcker lagen ausserhalb des Dorfes und mussten in mühsamer Arbeit durch Abbrennen und Schlagen der
Bäume und Büsche dem Urwald abgerungen werden. In den Überresten der Steinzeitsiedlung von Twann wurde das älteste Brötchen Europas gefunden.
Funde legen nahe, dass auf dem Gebiet der heutigen Schweiz nicht mehr als fünfzig Siedlungen gleichzeitig bewohnt waren. Obwohl das Land sehr dünn besiedelt war, betrieben die Menschen regen Austausch von Dorf zu Dorf und waren auch an grossräumige Handelsrouten angeschlossen, wie Funde von Artefakten beweisen, die aus Hunderten von Kilometern entfernten Gegenden stammen.
In den Gräbern aus der Jungsteinzeit wurden Beigaben gefunden, die auf den Glauben an das Weiterleben nach dem Tod hinweisen. Die Menschen verehrten offenbar die Erde als Grosse Göttin sowie andere Naturgottheiten. Sie besassen ein erstaunliches Wissen der Astronomie, die unter anderem für die Landwirtschaft von grosser Bedeutung war. Weitere Zeugnisse des religiösen Lebens sind die Schalensteinen und andere Steinheiligtümer. Es ist anzunehmen, dass mit der Kultivierung der Natur nun weniger den Kräften der Wildnis geopfert wurde als in der Mittelsteinzeit. Im Wissen, dass sie von der Ernte und dem Nachwuchs der Hoftiere abhängig waren, entwickelten die Menschen einen Fruchtbarkeitskult mit Dankesopfern. Die neuere Forschung zeigt ein wesentlich anderes Bild der Steinzeitmenschen, als es bis vor einigen Jahrzehnten dargestellt wurde. Wahrscheinlich lebten sie ähnlich wie gewisse Stämme der amerikanischen Ureinwohner, die eine hoch entwickelte Spiritualität und Kultur besassen. Die in steinzeitlichen Gräbern gefundenen Tonpfeifen bezeugen, dass die Menschen der Jungsteinzeit, ähnlich wie die Indianer, offenbar auch Kräuter rauchten.
Text aus:
Hänni, Pier: Magisches Bernbiet. Wanderungen zu Orten der Kraft im Emmental, Schwarzenburgerland, Seeland und Mittelland. - Aarau: AT Verlag, 2003. - 320 S., ill.
ISBN 3-85502-804-4
S. 290-291
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