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Der Schalenstein in Grenchen-Eichholz
Archäologie des Kantons Solothurn. Nr. 1(1979), S. 9-11.

Grenchen - Eichholz
LK 1126, 595 940 / 225 750: 1 Schalenstein. 2 Römische Villa.
Ausschnitt aus der LK. Reproduziert mit Bewilligung des Bundesamtes für Landestopographie vom 25.10.1979.
Vorbemerkung
von Ernst Müller
Die Schalensteinforschung hat in den letzten Jahren durch Dr. H. Liniger, Basel, und durch eine Bieler Equipe (H. Matile, Prof. Dr. H. Schilt und Dr. W. Schönmann) neuen Auftrieb erhalten. In der Region Biel wurden neue Schalensteine entdeckt. In die Vermessungen und in die Interpretationsversuche wurden auch bekannte Objekte einbezogen, so der Grenchner

Grenchen - Eichholz. Trockenmauer westlich des Schalensteins. Foto A. Havel
Schalenstein im Eichholz. Die Deutung der Schalen ist noch immer ein schwieriges Problem. Zahlreiche Untersuchungen lassen darauf schliessen, dass ein Teil der Schalen astronomisch zu lesen ist. Einige durch die Schalen gegebene Richtungen beziehen sich auf den Jahreslauf der Sonne, die Aequinoktien und die Sommer- und Wintersolstitien. Die genaue Datierung der Herstellung der Schalen muss in den meisten Fällen offen bleiben.
Im Zusammenhang mit den Vermessungen des Schalensteins im Eichholz führte die Kantonsarchäologie 1975/76 eine Grabung durch. Einerseits galt es, den im Verlaufe der Zeit vom angrenzenden Acker her an den Schalenstein angelagerten Humus so weit abzutragen, dass alle Schalen zum Vermessen und Fotografieren sichtbar wurden. Einige kleinere erratische Blöcke, die nahe beim Schalenstein zum Vorschein kamen, zeigten keine Schalen und lagen wahrscheinlich nicht mehr in ihrer ursprünglichen Position. Andererseits sollte das 1941 festgestellte, Nord-Süd verlaufende Trockenmäuerchen westlich des Schalensteins wieder freigelegt und steingerecht gezeichnet werden.
Die Bürgergemeinde und die Einwohnergemeinde Grenchen planten, beim Schalenstein eine kleine Anlage zu erstellen, damit die Spaziergänger den urgeschichtlichen Zeugen beachten. Die Bürgergemeinde stellte im Einverständnis mit dem Pächter, Herrn Paul Sperisen, das Areal zur Verfügung, während die Einwohnergemeinde im Einvernehmen mit der Kantonsarchäologie 1977/78 die Planie und die Bepflanzung übernahm. Nun stehen dem Wanderer auf dem Breitholz zwei interessante archäologische Zeugnisse zur Verfügung: die römische Villa und der urgeschichtliche Schalenstein.
E. Müller
Grenchen - Eichholz.
Schalenstein. Die Schalen sind mit Kreide umrandet. Foto H. Matile
Der Schalenstein in Grenchen Eichholz
von Hubert Matile
Ein erratischer Block befindet sich auf dem als Munters bezeichneten Feld am Nordostrande des Eichholzwaldes. Die Höhe über Meer misst 463 m. Pinösch berichtete 1941 (JSoIG. 14, 1941, 106-111), dass der Block auf offenem Felde südwestlich des Dorfes, an der Westabdachung eines kuppenartigen Plateaus mit freier Sicht ringsum sich befinde. «Früher war hier Eichenwald.» Diese Angaben stimmen heute nicht mehr. Der Block befindet sich am Rande eines Mischwaldes, der wahrscheinlich als Wind-Schutzwald aufgeforstet worden ist. Pinösch berichtete weiter, dass in unmittelbarer Nähe keine Quelle und keine prähistorische Siedlung gefunden wurde. «Dagegen wurden im Norden und Süden vom Stein oberflächlich Silexfunde gemeldet. ...Eine römische Villa wurde in ca. 400 m Entfernung ausgegraben». Wie uns bekannt ist, haben die Römer ihre Bauten in der Nähe bestehender Siedlungen, hauptsächlich in die Nähe von Kultstätten errichtet, in der richtigen Annahme, dass sich die Einwohner immer um ihre Kultstätten bemühen werden. Im Jahre 1867 wurde der Arzt Franz Josef Schild (Grenchen) auf diesen Stein aufmerksam und nahm an, dass die sogenannten Schalen künstlich in den Stein gebohrt worden sind. Bis auf die heutige Zeit waren der Zweck und die Aufgabe dieser Schalen' ein Rätsel geblieben. Eine Legende, mitgeteilt von Friedli, Band Ins, sagt folgendes: «Der Zwölfistei über Biel neigt sich in jeder Quatembernacht (mit der ein Vierteljahr beginnt), wenns Zwölfi schlaat.» Eine von Prof. Heinz Schilt auf meinen Wunsch durchgeführte Vermessung ergab, dass vier künstliche Kanten an diesem Stein auf den Aufgang und Untergang der Sonne
Grenchen - Eichholz.
Sonnenuntergang hinter dem Schalenstein am 21.12.1975. Foto E. Müller
zur Zeit der Tag- und Nachtgleiche und der Solstitien hinweisen, zugleich auf die Festzeiten des astronomischen Jahres der Bewohner der Bronzezeiten. Es waren dies religiöse Feiern, die den Menschen dieser Zeit ein Stück von ihrem ganzen Leben bedeuteten. Weitere Untersuchungen von Prof. Dr. H. Schilt an einem von mir in Tüscherz entdeckten Schalenstein (welcher als "Druidenstein" im amtlichen Situationsplan aufgeführt war) ergaben, dass auch die Schalen astronomisch geortet waren. Auch diese wiesen auf den Sonnenauf- und untergang zur Zeit der Tag- und Nachtgleiche und der Sommer- und Wintersolstitien hin. Prof. H. Schilt berechnete mit Hilfe einer Kippregel die Azimute für den Durchgang der Sonne zur Zeit der Feste der Kelten. Die Beobachtung und Fotografie des Phänomens zur oben angegebenen Zeit bewies die Richtigkeit. Dass auch die Schalen astronomisch angeordnet sind (Sonnenortung), ist die Neuentdeckung.

Grenchen-Eichholz. Schalenstein. Das Schalenbild. Aus Liniger 1974.
Diese Erkenntnis wurde nun an 32 neu oder wieder entdeckten Schalensteinen ausgewertet. So auch am Schalenstein in Grenchen. Eine Schalenreihe, auffallend durch die grosse Anzahl der Schalen, weist, wie Prof. H. Schilt berechnet hat, auf den Untergang der Sonne zur Zeit der Wintersonnenwende hin. Das Phänomen wurde an einem Wintersonnenwendetag (21. Dezember 1975) beobachtet und fotografiert. Da zu dieser Jahreszeit das Mittelland oft in dichten Nebel gehüllt ist, ist die Beobachtung selten möglich. Die Genauigkeit der astronomischen Beobachtung der Kelten variiert mit der heutigen Berechnung von + oder -0,1 °. Wahrlich eine ausserordentliche Leistung der Druiden. Am oben angegebenen Datum vom 21. 12. 1975 war auch Dr. E. Müller, Kantonsarchäologe, dabei, der die Richtigkeit des berechneten Azimuts bestätigen kann. Auf Wunsch des Schreibenden wurde vor dem Schalenstein (Südwest-Seite) eine neuerliche archäologische Grabung von der Solothurnischen Kantonsarchäologie ausgeführt, wobei die Trockenmauer freigelegt wurde, die seinerzeit durch David Andrist entdeckt worden ist.
Wenn man auf der Landeskarte 1:25 000 vom Schalenstein Grenchen-Eichholz aus eine Gerade nach Westen über zwei im Büttenberg befindliche Schalensteine zieht, so fällt diese Gerade auf die Kirche Mett, wo mir vom Archäologischen Dienst des Kantons Bern ein Schalenstein gemeldet wurde. Dieser wurde in zweiter Verwendung als Grabdeckel benutzt. Er wird wohl in der Nähe der Kirche gelegen haben, wurde aber verschoben und gedreht. Die über zwei Schalensteine gefundene Linie - einer dieser zwei Steine hat nur eine Schale - wirft die Frage nach ihrer Bedeutung auf, die noch ungeklärt ist.
Bewiesen ist nur, dass die Schalen Sonnenortungen sind. Dr. H. Liniger, Basel, hat zusammen mit Prof. H. Schilt die Schalensteine in Tüscherz und in Grenchen in Auswertung der erwähnten Feststellungen untersucht.
H. Matile
Literatur:
Pinösch, St.: Die Schalensteine des Kantons Solothurn. JSoIG. 14, 1941, S. 91-150.
Liniger, H.: Die astronomische Bedeutung des Bildsteins von Grenchen - Eichholz (Schweiz). Basler Beiträge zu den Felsbildproblemen, 8, 1974, 20 S.
Liniger, H. und Schilt, H.: Der astronomisch geortete Schalenstein ob Tüscherz (Biel). JbSGUF, 59, 1976, S. 215-219.
Matile, H.: Prähistorisch bearbeitete Steine in der Gegend von Biel. JbSGUF, 59, 1976, S. 213.
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