Generalstreik 1918 in Grenchen
Schilderung der Ereignisse in Grenchner Heimatbüchern
Schilderung der Ereignisse vom 14. Nov. 1918 im Buch:
Kaufmann, Hans, und Peter Zurschmiede: Grenchen. - Solothurn: Verlag Vogt-Schild AG, 1974.
Dass mit dem Kriegsende überlebte Wirtschafts- und Sozialzustände zu reformieren waren, wurde allgemein erwartet; plötzlich aber sah sich Europa der anderen Möglichkeit, Zustände zu ändern, gegenüber: der Revolution. Die spät und oft ungerecht organisierte Kriegswirtschaft hatte auch in unserem Lande eine benachteiligte Bevölkerungsgruppe entstehen lassen, die, von ausländischen Entwicklungen animiert, die Aenderungen mit Mitteln durchsetzen wollte, die Verfassung und Gesetze nicht vorsahen. "<....>"
Am letzten Tag des Generalstreiks, am Donnerstag, 14. November, lösten bernische und waadtländische Ordnungstruppen die Streikversammlung auf, und an der Kirchstrasse und der Solothurnstrasse feuerten die Soldaten auf die Demonstranten, wobei drei Männer den Tod fanden. Die Frage der Schuld der beiden Seiten wäre nur unter der Berücksichtigung der damaligen Situation zu lösen; die Tatsache, dass am 10. November in Zürich ein Soldat durch einen anonymen Revolverschuss getötet wurde, hat sicher die Handlungsweise des Militärs beeinflusst.

Die Beschreibung der Ereignisse vom 14. November 1918
zeigt eine gewisse Unsicherheit der Autoren gegenüber dieser ungesühnten Bluttat
Schilderung der Ereignisse vom 14. Nov. 1918 im Buch:
Strub, Werner: Heimatbuch Grenchen. Die vergangenen Jahrhunderte bis in die Gegenwart / dargestellt von Werner Strub. - Solothurn: Verlag Vogt-Schild AG, 1949.
Donnerstag um elf Uhr folgten ca. 200 Streikende der Aufforderung, auf dem Bahnhof Nord die Einfahrt eines Zuges zu verhindern. Der aufgebotene hiesige Landsturm sollte für Ordnung sorgen.
In dem Moment erschien militärische Hilfe von Solothurn, zwei Kompagnien Waadtländer und eine Kompagnie Dragoner mit einem Zug Mitrailleure. Bald kamen weitere Truppen. Es gelang, diejenigen, die sich am Eisenbahneigentum vergriffen, auseinanderzutreiben. Es war überhaupt die Absicht des Militärkommandos die brodelnde Menge aufzulösen und zu zerstreuen. Das Militär drängte die Leute gegen das Dorf, um sie dort in die Strassen zu verteilen. Bei der Kirche gab es eine Stauung; es kam zur ersten Schussabgabe. Die Bewegung pflanzte sich weiter gegen den "Löwen" und die Hauptstrasse fort, und dort ereignete sich nun die betrüblichste und bedauernswerteste Begebenheit in der ganzen Aktion: es kam dort dazu, dass schliesslich von de Schusswaffe Gebrauch gemacht wurde, eine Ladung Schüsse abgegeben und drei Leute aus der Menge erschossen wurden. Das war das dramatische Endergebnis der Siedehitze, in der sich die Seelen der streikenden und demonstrierenden Bevölkerung von Grenchen Befand. Wäre die Mitteilung vom Streikabbruch den Streikenden durch ihre eigenen Organe gemacht worden, so wäre die Katastrophe in Grenchen unterblieben. Im Verlaufe des Abends nahm man mehrere Verhaftungen vor. Rüdt verzog sich mehrere Tage, um sich dann der Staatsgewalt zu stellen.
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A. Fasnacht 01/2000