Generalstreik 1918 in Grenchen
Begnadigungsgesuch von Max Rüdt an den Bundesrat
eingereicht am 26. Dezember 1919.
Auszug.
Auszug aus dem Begnadigungsgesuch von Max Rüdt, das er am 26. Dezember 1919 an den Bundesrat adressierte.
... Der Unterzeichnete versucht keineswegs seine Taten vom November letzten Jahres zu beschönigen, um in einem milderen Lichte dazustehen. Er will auch nicht von dem Standpunkte abweichen, dass er seine Handlungen nicht in vollster Ueberzeugung begangen habe und dass er nicht den festen Glauben in sich trug, dass der Kampf für ein hohes, ideelles Ziel gewesen sei, aber er kann es nicht mit seiner Ueberzeugung vereinbaren, dass andere, welche von der revolutionären Umwälzung plaudern, sich in gut bezahlten Pöstchen und Anstellungen befinden, ins Fäustchen lachen und noch lustig sind, dass es einem, der auch in den Tagen der Not zu den Arbeitern stand, so ergangen ist. Das ist ein Punkt und der zweite dürfte der sein, dass der Gesuchsteller von der politischen Tätigkeit Abschied genommen hat und wieder ins Geschäftsleben zurückgetreten ist.
Eine Nichtbeachtung meines Gesuchs würde den Unterzeichneten zum gänzlichen Ruin führen, da er vor kurzer Zeit in Zürich ein Geschäft übernommen hat resp. gekauft hat und seine Frau nicht in der Lage wäre, dieses Geschäft zu führen.
Mein Gesuch ist ehrlich gemeint und ich habe die Ueberzeugung, dass der Bundesrat meine Gründe versteht und sie durch Entsprechung meines Gesuchs zu würdigen weiss. Der Krieg mit seinen Begleiterscheinungen hat sowieso auch hart auf mich gedrückt, da ich doch auch anno 1914 im Auslande meine Stellung aufgeben musste, um dem Mobilisationsbefehl Folge zu leisten. Volle 18 Monate stand ich im Wehrkleide, so dass ich glaube, dass ich auf der anderen Seite meine Pflicht auch wieder getan habe. ...
Anmerkung A. Fasnacht:
Orthografie, Interpunktion und Unterstreichung wurden vom Original übernommen.
Rüdts Begnadigungsgesuch wurde schon am 8. Januar 1920 vom Bundesrat abgewiesen.
Rolf Blaser ist bei seinen Recherchen auf dieses Begnadigungsgesuch gestossen.
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A. Fasnacht 08/2002