Generalstreik 1918 in Grenchen
Nationalrat: Interpellation Schmid
vom 4. Dezember 1918
Interpellation Schmid
Am 4. Dezember 1918 reichte der SP Nationalrat Jacques Schmid (Olten) im Parlament folgende Interpellation ein:
Weiss der Bundesrat, dass während den Tagen des Generalstreiks in Grenchen von den dort anwesenden Truppen grundlos auf das Volk geschossen und 3 Arbeiter getötet wurden, und kann er darüber Auskunft geben, ob die Schuldigen dieses Arbeitermordes zur Rechenschaft gezogen werden?
Unterzeichner: Schmid-Olten, Frei-Basel, Graber, Greulich, Grimm, Huggler, Ilg, Naine, Platten, Ryser, Schneeberger, Studer
Bundesrat Decoppet wartete am 10. Dezember 1918 mit folgendem Untersuchungsergebnis auf:
Die Truppen und die Offiziere wurden mit hässlichen Worten beschimpft. Verschiedene anwesende Bürger haben die Ruhe der Truppe bewundert. Das sind die Ereignisse. Finden Sie in der Haltung der Offiziere und der Truppe etwas Tadelnswertes? Sie haben ihre Pflicht getan. Man hat sie mit Steinen beworfen. Nach dem Reglement waren sie zum Waffengebrauch berechtigt. Sollte diese kleine Truppe etwa sich schimpflich zurückziehen? Die Truppe ist nicht schuld an den drei Opfern. Schuldig sind die, die die Truppe gereizt, sie zur Revolution aufgefordert haben.
Schmid erklärte sich von der Antwort des Bundesrats nicht befriedigt. Während des Generalstreikprozesses in Bern betonte er vor Gericht, es sei eine "erbärmliche und liederliche Art", wie ihm der Bundesrat geantwortet habe. Auf den Einwand des Grossrichters, es habe doch über die Ereignisse von Grenchen zweifellos eine Strafuntersuchung stattgefunden, entgegnete Schmid:
Ja, und ich hätte sehr gerne gesehen, wenn Herr Bundesrat Decoppet von diesen Akten Mitteilung gemacht hätte. Er hat aber in Beantwortung meiner Interpellation in kaum zwei Minuten einfach gesagt, die Akten hätten ergeben, dass mit Recht geschossen worden sei. Zufälligerweise habe ich den Rapport der Polizei gesehen. Auf ihn hat sich das ganze Aktenmaterial der Untersuchung gestützt. Unter solchen Umständen verzweifelt die Arbeiterschaft. Nicht nur sie, sondern jeder noch fühlende Mensch muss sich gegen solche Zustände empören.
Zu Schmids Entgegnung vor dem Richter meint Rolf Blaser, der für seine Arbeit die entsprechenden Akten studierte:
Der Bericht von Bundesrat Decoppet ist in der Tat summarisch; anhand des Protokolls liessen sich unverantwortliche Entstellungen nachweisen. Der Vorwurf Schmids, die Untersuchung habe sich nur auf den Polizeirapport gestützt, scheint dagegen nach Durchsicht der Akten nicht gerechtfertigt.
Zurück
A. Fasnacht 10/2001