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Generalstreik 1918 in Grenchen

Volksküche Grenchen

Zeugeneinvernahme Ernst Bächler
Küchenchef der Volksküche Grenchen
23. November 1918, Bundesarchiv MJ 1919, 98/2369 II



Zeugeneinvernahme Ernst Bächler, Küchenchef der Volksküche Grenchen


Die Volksküche ist eine Wohlfahrtseinrichtung der Gemeinde Grenchen.

Am ersten Streiktag hatte ich vom Gemeindeammann den Befehl, den anwesenden Truppen (Landsturm) Suppe und Würste zu kochen. Auch für die folgenden Tage hatte ich Weisung für das Militär zu kochen. Am Mittwoch Morgen kochte ich noch für Ldst Kp III/27. Dem Fourier von III/25 habe ich schon vorher gesagt, es sei technisch nicht gut möglich, mit unserem Herd für das Militär zu kochen. Er fand denn auch sofort für seine Kompagnie eine andere Küche. Am Mittwochvormittag kamen dann Streikende und untersagten mir weiter für das Militär zu kochen. Sie überreichten mir den mir vorgewiesenen schriftlichen Befehl von Rüdt; sie fügten bei, es sei eine Volksküche und nicht eine Militärküche, wenn ich nicht meine Stelle verlieren und auf den Ranzen kriegen wolle, so solle ich gehorchen. Die Namen der Streikenden kann ich nicht angeben, ich bin erst drei Wochen hier.

Handschriftliche Verfügung von Rüdt betr. Volksküche

Handschrift von Max Rüdt: Verfügung betr. Volksküche
aus dem Anhang der Proseminararbeit von R. Blaser


Von da an wurde für das Militär nicht mehr gekocht. Ich war den 27ern behilflich eine andere Küche zu finden. Sie hätten auch ohne den Befehl von Rüdt eine andere Küche aufsuchen müssen, es war technisch mit den vorhandenen Einrichtungen nicht möglich noch für das Militär zu kochen. Das Wasser kam nicht zum Sieden und der Herd rauchte stark. Ich hatte auch nur zwei Kessi. Offiziere der Kp III/27 haben sich am Mittwochvormittag selber überzeugt, dass es mit dem Kochen nicht gut gehe. Sie erklärten sich von sich aus bereit, eine andere Küche zu aufzusuchen.



Anmerkung A. Fasnacht:
  • Max Rüdt war auch Präsident der Volksküchenkommission
  • Interpunktion und Orthografie habe ich beibehalten
  • Den Text verdanke ich Herrn Rolf Blaser, er recherchierte für seine Proseminararbeit im Bundesarchiv Bern




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    A. Fasnacht 08/2001