Der 15 km lange Gotthardtunnel entstand in den Jahren 1872-1882. Auf den Baustellen der Gotthardbahn arbeiteten etwa 15000 italienische Bauarbeiter. Die Unterkunft der Tunnelarbeiter in Airolo und in Göschenen war schlicht katastrophal, wie eine vom Bundesrat in Auftrag gegegebene Untersuchung an denTag brachte. Fehlende Toiletten in den Wohnbaracken der Arbeiter und im Tunnel hatten verheerende gesundheitliche Folgen. Die Barackenbesitzer vermieteten nicht selten ein Bett an drei Arbeiter - die Schichtarbeit ging über ins Schichtschlafen, ins sog. Italienische Schlafen. Viele Schlafstätten waren ohne Fenster und konnten kaum gelüftet werden. Ich war allmählich in den Ruf eines eifrigen Gesundheitspflegers gekommen und wurde als solcher auch wirklich verwendet zu Expertisen: in Olten, Aarau, Trogen, Herisau, Solothurn, Altdorf, Schaffhausen, Münsterlingen, besonders auch vom h. Bundesrate im Jahre 1875, da ich, gemeinsam mit dem Ingenieur Hektor Egger, die Gotthardtunnelarbeiterwohnungen zu Göschenen zu untersuchen hatte. Diese waren so schlecht als möglich, manche grosse Mietwohnungen wahre Schweineställe, in denen man menschliche Exkremente mit der Schaufel zusammenscharrte. An einem grossen Miethause flossen diese von den Fenstern an der Aussenwand herab; in einem andern Hause waren alle Fenster verklebt und gar nicht zu öffnen und in dem centralen Gange war eine richtige Mistlege mit Jauchepfützen. Louis Favre hatte die Freiheit, so viele Arbeiterwohnungen einzurichten als er für gut fand, und trotzdem er einst selber ein Arbeiter gewesen, fand er es nur für gut, in Göschenen eine Arbeiterwohnung für 300 Mann einzurichten und die übrigen 1000-1200 Arbeiter der Station ihrem Schicksal zu überlassen. In Airolo, wo ebenfalls 1400-1500 Arbeiter hausten, baute er nur für die Ingenieure ein Haus. <...> ![]() Bau des Gotthardtunnels: Pressluftlok in Airolo Traurige Zahlen Mehrere Hundert Arbeiter starben an Krankenheiten, vor allem an der Hakenwurminfektion Der Bau der Gotthardbahn forderte 290 tödliche Unfallopfer, davon 198 im Tunnelbau. Anlässlich eines Streiks von 2000 Arbeitern in Göschenen erschiessen Urner Milizen 3 Arbeiter. ![]() Vincenzo Vela: Die Opfer der Arbeit, 1883 |