Tripoli Grenchen

Grenchen: Tripoli und Tunnelbau 1911-1915

Hauenstein-Basistunnel 1912-1916





Die Vollendung des Gotthardtunnels 1882 wertete die zwischen 1854 und 1858 gebaute alte Hauensteinlinie zur internationalen Verbindung auf. Die Diskussionen um einen zweiten Durchstich am Hauenstein setzten mit der Eröffnung des Simplontunnels im Jahre 1906 ein. Verschiedene Studien zur Verbesserung der Verkehrsverhältnisse von Basel in Richtung Zentral- und Westschweiz wurden in Auftrag gegeben. Bei der alten Hauensteinlinie mit dem Scheiteltunnel ging es nicht darum, dass sie überlastet gewesen wäre, vielmehr ging es um die starke Steigung dieser Strecke bis 26,3 Promille. Eine solche Steigung war für den internationalen Bahnverkehr auf die Dauer nicht mehr zumutbar und die Verantwortlichen der SBB suchten nach einer bedeutend weniger steilen Variante.

Bereits 1907 befürwortete die Generaldirektion der SBB den Hauenstein-Basistunnel als direkteste Linie für die Verbindung Olten - Basel. Neben weiteren aufwändigeren Varianten setzte sich schliesslich das Projekt des Hauenstein-Basistunnels durch und am 20. Juni 1910 bewilligte die Bundesversammlung den Schweizerischen Bundesbahnen den erforderlichen Kredit von Fr. 24.000.000.-. Den Auftrag erhielt die deutsche Baufirma J. Berger aus Berlin. Der Vertrag mit den SBB trägt das Datum vom 29. Dezember 1911. Die Bauarbeiten am Hauenstein-Basistunnel waren am 20. Dezember 1915 abgeschlossen und 1916 konnte die neue Strecke in Betrieb genommen werden.


Tripolis Trimbach

Die Bauarbeitersiedlung des Hauenstein-Basistunnels erhielt, wie die gleichzeitig bestehende Siedlung am Grenchenbergtunnel, den Namen Tripolis. Die Siedlung in Trimbach setzte sich ähnlich zusammen wie diejenige in Grenchen. Neben den Wohnbaracken, der Schule, vielen Kantinen, einem Kino und Tanzlokalen gab es im Tripolis Trimbach sogar eine eigene Poststelle. Tripolis Trimbach beherbergte mehr als 2000 Menschen, mehrheitlich Italiener mit ihren Familien. Im Grenchner Tripoli wohnten vermutlich gut 1000 Menschen.

Im Gegensatz zum Grenchner Tripoli wuchs das Tripolis in Trimbach unkontrolliert. Am 14. März 1912 schreibt das Oltner Tagblatt: " ... dass am Südhange des Hauensteinbasistunnels, auf dem Gebiete der Gemeinde Trimbach, sich eine Wirtschaftsbaracke neben der anderen erhebt, kreuz und quer, bis hart an die Arbeitsstätten hinan, ohne Kanalisation, ohne gesundheitsmässige Aborte etc. - eine ungeregelte Wirtshausstadt. Wenn da nicht von Anfang an in besonderer, planmässiger Weise vorgegangen wird, gestalten sich diese planlosen Neuanlagen zu einem schweren Schaden der Arbeiter und der Bauleitung." Zu spät eingeführte Bauvorschriften brachten keine Wirkung mehr, die Siedlung war bereits gebaut.

Tripolis Trimbach
Tripolis in Trimbach. Bildausschnitt aus: Laube, Thomas: Trimbach, 1998. S. 111.


Die ersten Bewohner der Arbeiterkolonie lebten wochenlang ohne Frischwasserzufuhr, ohne brauchbare Kloaken, von einer richtigen Kanalisation ganz zu schweigen. Gravierend war die ungenügende Ableitung der Abwässer. Das gebrauchte Wasser der Küche und des WC floss irgendwo aus der Baracke und nahm dort den Weg des geringsten Widerstandes ins umliegende Land. Diese unhaltbaren Zustände zeigten ihre Wirkung: 2 Typhusfälle und hohe Kindersterblichkeit. Zwischen 1912 und Frühjahr 1913 starben im Tripolis Trimbach 35 Kinder. In seiner Dissertation beklagt auch Dr. Daniel Pometta (Betriebsarzt der Simplontunnelbau-Gesellschaft) die hohe Kindersterblichkeit in der Arbeitersiedlung in Naters zur Zeit des Simplontunnelbaus.

Erst in der zweiten Hälfte 1913 errichtete die Gemeinde Trimbach im Tripolis eine Kanalisation, entwässerte die Strasse und führte eine regelmässige Kehrichtabfuhr ein. Diese Massnahmen führten zu einer spürbaren Verbesserung der Situation im Tripoli Trimbach. Die Barackenbesitzer hatten die Kosten der Sanierung mitzutragen.

Interessant ist die Tatsache, dass es im Tripolis Trimbach etwa gleich viel Kantinenbetriebe / Restaurants gab wie im Tripoli Grenchen, obwohl im Tripolis Trimbach fast doppelt so viele Leute wohnten.



Literatur:
Bloch, Urs: Die braunen Söhne des Südens.-
Die Einwanderung italienischer Arbeiter in die Schweiz vor dem Ersten Weltkrieg, am Beispiel des Barackendorfes Tripolis bei Olten. -
Olten, 1997. Liz.-Arbeit Uni Basel. 114 S.


Schreibweise Tripoli / Tripolis:

Um die Grenchner Arbeitersiedlung von jener in Trimbach zu unterscheiden, entschied man sich, in der Ausstellung des Kultur-Historischen Museums Grenchen und in weiteren Publikationen den Namen Tripoli (ohne Endungs s) für die Grenchner Siedlung zu verwenden.



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A. Fasnacht 01/2004