Tripoli Grenchen

Grenchen: Tripoli und Tunnelbau 1911-1915

Simplontunnel 1898-1906





In den Jahren 1898-1906 bauten fast ausschliesslich italienische Arbeiter den 20 km langen Simplontunnel, der Italien und die Schweiz direkt miteinander verbindet. Mit dem Staatsvertrag zwischen der Schweiz und Italien betreffend den Bau und Betrieb einer Eisenbahn durch den Simplon von Brig nach Domodossola vom 25. November 1895 wird der Bau und die Konzessionserteilung an die Jura-Simplon-Bahn-Gesellschaft geregelt.

Mit der neuen Strecke Mailand-Brig-Westschweiz sah Frankreich die Realisierungsmöglichkeit einer schnellen Verbindung von Norditalien nach Paris, die nicht über deutsches Hoheitsgebiet führte. In der Folge der neuen Verbindung nach Italien gewann auch das Projekt der Lötschbergbahn Bern-Thun-Spiez-Frutigen-Kandersteg-Goppenstein Brig mächtig an Auftrieb. Auch dieses Projekt lenkte die Aufmerksamkeit Frankreichs auf sich.

Die folgenden Ausführungen beziehen sich auf die Simplon-Baustelle Nord im Wallis. Die meisten Arbeiter des Simplontunnels fanden in Naters eine Unterkunft im sogenannten "Negerdorf". Die hygienische und sanitäre Situation in Naters war sehr schlecht, wie sie von Dr. Pometta geschildert wird. Es kam u.a. zu zwei Typhusepidemien und mehreren einzelnen Typhusfällen. Unfalltote gab es 67 und rund 200 Arbeiter starben an Krankheiten. Im Jahre 1900 wohnten im Raume Brig/Naters rund 3600 Italienerinnen und Italiener. Etwa 2500 arbeiteten im Tunnel oder auf den externen Baustellen.

Tunnelarbeiter-Siedlung in Naters, das sog. Negerdorf
Unterkünfte der Tunnelarbeiter in Naters, das sog. Negerdorf.
Bildquelle: Steiner-Ferrarini, Marina: Wahlheimat am Simplon. Brig, 1992.


Zum Thema Arbeiterunterkünfte und Hygiene gibt es für Baustelle Nord des Simplontunnels ein hervorragendes Zeitdokument. Es ist die Dissertation von Daniel Pometta, angestellter Arzt der Tunnelbaugesellschaft für die Arbeiter der Tunnelbaustelle und ihre Familien. Pometta beschreibt in seiner Dissertation die Probleme mit den Arbeiterunterkünften, die sanitären und hygienischen Mängel, die Krankheiten Epidemien und Unfälle. Pometta hält sich nicht zurück mit Vorschlägen zur Lösung der damaligen Probleme wie auch für die rechtzeitige Planung der Arbeiterunterkünfte auf kommenden Grossbaustellen. Die Grenchner Behörden befolgten bei der Planung des Tripoli Pomettas Vorschläge.


Dr. med. Daniel Pometta
Dr. med. Daniel Pometta, der Simplonarzt.
Bildquelle: Steiner-Ferrarini, Marina: Wahlheimat am Simplon. Brig, 1992.




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A. Fasnacht 01/2004