Tripoli Grenchen

Grenchen: Tripoli und Tunnelbau 1911-1915

Steinbruch und Seilbahn der Société Franco-Suisse de Construction




Der Steinbruch der Münster-Lengnau-Bahn und die Luftseilbahn

Die Société Franco-Suisse de Construction war schon bald nach dem Beginn der Arbeiten am Grenchenberg-Tunnel auf der Suche nach einem ergiebigen Steinbruch. Die geplanten Viaduktbauten in Grenchen sowie die Ausmauerung des Tunnels verlangten einen guten Kalkstein. Bedarf: 70.000 m3 bis 80.000 m3 Stein.

Zuerst trat die Baugesellschaft mit der Bürgergemeinde Grenchen in Verhandlungen. Offenbar fand man auf dem Boden der Bürgergemeinde ein quantitativ und qualitativ ausreichendes Vorkommen von Kalkstein. Die Verhandlungen liefen erfolgreich ab und die Bürgergemeinde lud zu einer ausserordentlichen Bürgergemeindeversammlung ein, die über das Geschäft befinden musste. Diese Versammlung lehnte am 28. November 1911 das Steinbruchprojekt ab. Die Verhandlungen waren umgehend einzustellen.

Die Baugesellschaft musste sich weiter nach einem Steinbruch in der Umgebung von Grenchen umsehen. Schliesslich fand man in Lengnau eine Steingrube, wo in genügender Menge ein guter Kimmeridge-Kalkstein auf den Abbau wartete. Mit der Besitzerin, der Burgergemeinde Lengnau, erzielte man rasch eine vertragliche Einigung.

Situationsplan
Situationsplan: Strecke der Luftseilbahn, ca. 2 km, vom Steinbruch im Lengnauwald zum Umschlagplatz (Areal des 1915 gebauten Nordbahnhofs)


Der Abbau begann im Jahre 1912. Zuerst brachten Pferdewagen die Steine nach Grenchen. Von Beginn an war jedoch der Bau einer Luftseilbahn vorgesehen. Sie führte vom Steinbruch im Lengnauwald zuerst durch eine Waldschneise und anschliessend über Land zum Umschlagplatz am Standort des erst 1915 gebauten Bahnhofs Grenchen-Nord.

Steinbruch Leisern im Lengnauwald
Steinbruch Leisern der Société Franco-Suisse de Construction im Lengnauwald. Der Steinbruch gehört der Burgergemeinde Lengnau.


Die Bauten der rund 2 km langen Luftseilbahn waren selbstverständlich auf die begrenzte Betriebsdauer ausgerichtet und zum grossen Teil aus Holz gefertigt. Selbst die Masten waren aus Rundhölzern konstruiert und hielten der Belastung ohne Probleme stand.


Diese Luftseilbahn war Ende 1912 betriebsbereit und transportierte die Steine in Stahlwannen lautlos und schnell über die Strecke von gut zwei Kilometern.

Eine dampfgetriebene Werkbahn brachte die Steine vom Umschlagplatz auf die Viaduktbaustellen oder zum Tunneleingang. Den Weitertransport in den Tunnel besorgten Pressluft-Lokomotiven.

Pressluftlokomotive
Pressluftloks fanden Verwendung für den Materialtransport im Tunnel.



Der Grenchenbergtunnel ist in der ganzen Länge ausgemauert mit Jurakalksteinen und einem kleinen Anteil von Kunststeinen. Der Tunnel ist ungefähr in der halben Länge mit Lengnauer Steinen ausgemauert. Die Steine für die Ausmauerung der nördlichen Tunnelhälfte stammen von Steinbrüchen in Moutier und aus der Gegend von Delsberg.

Während des Betriebs, er dauerte etwas mehr als zweieinhalb Jahre, entwickelte sich die Luftseilbahn zum Publikumsmagnet. Neben dem Tripoli und den grossen Baustellen der Münster-Lengnau-Bahn hatte Grenchen eine weitere Attraktion zu bieten.

Nach dem Tunnelbau betrieben Adolf (Chrusis Dolf) und Armin Rüfli den Steinbruch in kleinerem Umfang. Aus dieser Zeit stammt auch der Name des Steinbruchs: "Chrusis Gruebe". 1965 schloss der Lengnauer Burgerrat mit der Arbeitsgemeinschaft Nidau-Büren-Kanal (ANB) einen Pachtvertrag ab. Der Steinbruch lieferte die Steine für die Uferverbauung der Aare. Mit einem Urnenentscheid der Lengnauer wurde der weitere Abbau 1991 eingestellt. Die Grube wird aufgefüllt.



Bilderserie Luftseilbahn und Umschlagplatz



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A. Fasnacht 01/2004