Tripoli Grenchen

Grenchen: Tripoli und Tunnelbau 1911-1915

MLB und Grenchenbergtunnel:
Fakten, Daten, Zahlen 1911 - 1915






MLB und Grenchenbergtunnel: Fakten, Daten, Zahlen 1911 - 1915

Länge des Tunnels: 8578 m
Höhe Nordportal (Moutier)         535,30 m ü.M.
Höhe Südportal (Grenchen)        484,15 m ü.M.
Kulminationspunkt im Tunnel        545,05 m ü.M.

Vom Nordportal steigt der Tunnel mit 1,5 Promille auf einer Länge von 3900,85 m bis zum Kulminationspunkt/Tunnelwasserscheide (Höhe 545,05 m ü.M.) und fällt dann mit 13 Promille auf einer Länge von 4660 m. Unmittelbar vor dem Südportal in Grenchen befindet sich nochmals ein Gefällsbruch von 13 auf 15 Promille.



Ausführende Baugesellschaft:
Société Franco-Suisse de construction, ligne Moutier-Longeau, Prud'homme, Rothpletz & Cie., Berne

Name des Bauobjekts :
Münster-Lengnau-Bahn MLB

Baufinanzierung:
Credit Français, Paris, und die Französische Ostbahn

Konzessionsinhaberin und Bauherrschaft:
BLS Bern Lötschberg Simplon Bahn, Bern




Wichtige Daten

Montag, 6. November 1911
Feier zur Eröffnung der Tunnelbauarbeiten in Grenchen. Hohe Gäste, Ansprachen, Musik und Fackelzug durchs Dorf.


Beginn der Bauarbeiten in Moutier:      Montag, 6. November 1911
Beginn der Bauarbeiten in Grenchen:  Dienstag, 7. November 1911


24. Oktober 1914, 16.30 Uhr
Durchstich des Sohlstollens


24. Juli 1915
Schlusssteinlegung


10. September 1915
Belastungsproben der Brücken


16. September 1915
Amtliche Bauabnahme (Kollaudation), erster Zug fährt durch den Tunnel


1. Oktober 1915
Betriebseröffnung:




Baukosten der MLB

Voranschlag 1912   Fr. 26.022.000.-

Ausgaben bis 30.6.1916   Fr. 25.718.735.19




Unfälle während des Tunnelbaus

Unfälle mit einer Arbeitsunfähigkeit von sechs und mehr Tagen kamen zur Anzeige:

Nordseite Moutier 556
Südseite Grenchen 552
Total Unfälle 1108

Unfälle mit tödlichem Ausgang ereigneten sich:

Nordseite Moutier 4
Südseite Grenchen 8
Total tödliche Unfälle 12


Die von den Arbeitern einbezahlten Geldsendungen nach Italien betrugen in SFr.:

In Grenchen 734'774.—
In Moutier 746'777.—
In Lengnau 57'400.—
Total Geldsendungen 1'538'851.—




Zahlen zum Tunnelbau in Grenchen-Moutier

Rund 350'000 m3 Material Gesamtausbruch

Rund 359'000 kg Sprengstoff

Arbeit: 531'671 Arbeitertagschichten



Anzahl Arbeiter

Mittlere Anzahl Arbeiter

Süd (Grenchen) 575
Nord (Moutier) 482


Maximale Anzahl Arbeiter

Süd (Grenchen) 908
Nord (Moutier) 837




Steinbruch Leisern in Lengnau: Abbau der Steine
für die Ausmauerung des Tunnels und für die Viaduktbauten in Grenchen

Der Tunnel ist in der vollen Länge ausgemauert zum Grossteil mit Jurakalksteinen und einem kleinen Anteil von Kunststeinen.

Steine für die Ausmauerung des Tunnels Süd: aus Lengnau         50000 m3

Steine für die Ausmauerung des Tunnels Nord: aus Steinbrüchen rund um Moutier         53000 m3

Mauerung der Viadukte, Überführungen, Unterführung, Stabilisierungsbauten, Fundamente und Rampen Bahnhof Grenchen Nord: Steine aus Lengnau 18900 m3

Erdarbeiten (Material, Tunnelausbruch) für die Südrampe
Grenchen-Lengnau 153000 m3

Arbeit für die Damm- und Viaduktarbeiten: 146000 Arbeitertagschichten

Dem Lengnauer Steinbruch entnahmen die Eisenbahnbauer fast 70000 m3 Steinmaterial für die Ausmauerung des Tunnels und für die Bauten der Südrampe, hier vor allem für den Viaduktbau.





Südrampe

Die Länge der Südrampe vom Tunnelportal bis zur Einmündung der Geleise ins SBB-Trasse in Lengnau beträgt 3431,46 m


Viadukte in Grenchen

Oberdorf-Viadukt Länge 292 m
Mösli-Viadukt Länge 288 m

Oberdorf-Viadukt Mauern/Beton 7355 m3
Mösli-Viadukt Mauern/Beton 6314 m3

Gewicht der beiden Stahlbrücken auf dem Mösli-Viadukt        184400 kg




Wassereinbrüche


Am 7. Februar 1913 wurde beim Tunnelbau in Grenchen die Wasserader angeschnitten, die nicht nur den Dorfbach speiste, sondern auch das Wasserversorgungsnetz der Gemeinde Grenchen. Eine mit Wasser gefüllte Höhle entleerte sich in den Tunnel.

Weitere Wassereinbrüche folgten und am 4. März 1913 funktionierte die Wasserversorgung Grenchens nicht mehr.

Insgesamt sechs Millionen Kubikmeter Wasser ergossen sich von Januar bis Juni 1913 in den Tunnel.


Die BLS war für den Schaden voll haftbar und kam für die Errichtung einer neuen Wasserversorgung auf.


Erdbeben

Am 1. Juli, 2. und 11. November 1913 erschütterten lokale Erdbeben Grenchen und die Umgebung. Die Entleerung der Kavernen im Berg verursachte wahrscheinlich diese Erdstösse.






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A. Fasnacht 02/2004