Münster-Lengnau-Bahn MLB: Die Südrampe
Die Länge vom Südportal bis Mitte Station Grenchen beträgt 1129,52 m, von da bis Mitte Station Lengnau 2301,94 m. Die ganze Länge der Südrampe misst 3431,46 m.
Die bedeutenden Umbauten der Station Lengnau wurden von den SBB gegen Pauschalentschädigung ausgeführt.
Die Südseite (Grenchen-Lengnau) zeichnet sich vor der Nordseite (Moutier) durch grosse Erd- und Kunstbauten aus. Von der Südseite sind zu erwähnen der Tunnelvoreinschnitt und Aushub für den Installationsplatz mit einer Kubatur von 20546 m3 und die Materialentnahme für den Bahndamm in Richtung Lengnau mit einer Kubatur von 98071 m3.
Kunstbauten waren in Grenchen folgende auszuführen: hauptsächlich die zwei Viadukte Oberdorf und Mösli, die Strassenunterführungen bei km 9,774 (Tunnelstrasse) und km 10,194 (Kirchstrasse), die Strassenüberführung bei km 10,464 (Schützengasse beim Nordbahnhof), ferner die Strassenunterführungen bei km 11,682 (Austrasse) und in Lengnau bei km 11,932 (Eichholzweg).
Es war vorgesehen, das Tunnelausbruchsmaterial zur Auffüllung der Geleiseanlage der Station Grenchen Nord zu benützen; da aber der Transport des Materials dorthin bei Beginn der Bauten nicht möglich war, weil der Terrainerwerb durch das Dorf Grenchen grossem Widerstand seitens der Besitzer begegnete und deshalb bundesgerichtiche Entscheide erforderte, so musste noch für einen zweiten Ablagerungsplatz gesorgt werden. Dieser fand sich in der Nähe des Tunnelportals, anschliessend an den Installationsplatz. Auf diesem Ablagerungsplatz stehen heute Gebäude der Firma Vollenweider AG.
Die Materialentnahme für den Damm zur Station Lengnau geschah mit Hilfe eines Löffelbaggers.

Dampfgetriebener Bagger beim Bahndammbau der MLB in Lengnau.
Bild: Monografia della Società di Mutuo Soccorso. Grenchen, 1914.
Der Oberdorfviadukt
Der Oberdorfviadukt führt mitten durch den oberen Teil der Stadt Grenchen. Er überführt die Oberdorfstrasse (heute Zentralstrasse), die Kirchstrasse und erforderte den Abbruch von drei Häusern. Die ganze Länge des Oberdorfviadukts beträgt 291,7 m, wovon 160 m im Bogen von 500 m Radius verlaufen. Er besteht aus 26 Öffnungen mit Weiten zwischen 6 m und 20 m.

Grenchen: Oberdorfviadukt mit Werkbahn unterwegs zur Tunnelbaustelle, ca. 1914.
Bild: Sammlung Rainer W. Walter, Grenchen
Die Fundamente östlich der Oberdorfstrasse fielen auf schlechten Grund und mussten deshalb auf Pfähle gestellt werden. Sämtliche Fundamente bestehen aus Beton, die Pfeiler aus Beton mit Bruchsteinverkleidung (Hausteinen). Eine eigentliche Gerüstung wurde nur für die Gewölbe errichtet. Die grösste Höhe über Boden beträgt 15,5 m.
Der Oberdorfviadukt erforderte einen Materialaufwand (Beton, Mauerwerk usw.) von 7355 m3.
Der Mösliviadukt
Der Mösliviadukt hat eine Länge von 288,30 m und setzt sich zusammen aus den beiden Endteilen mit reduzierter Pfeilerbreite von 3,60 m und armierten Betonkonsolen, aus den beiden Eisenkonstruktionen über die Bielstrasse und die SBB-Linie und aus dem mittleren Teil mit normaler Pfeilerbreite von (5,60 m).
Der Mösliviadukt besteht aus 14 Steinbogen-Öffnungen mit Weiten von 12 m und 13 m und 2 Öffnungen überbrückt mit Eisenkonstruktionen von 39,15 m und 33,8 m.

Bielstrasse Grenchen: Mösliviadukt im Bau, ca. 1912.
Bild: Monografia della Società di Mutuo Soccorso. Grenchen, 1914.

Grenchen: Mösliviadukt ca. 1915/16. Bild: Schlussbericht an das Schweizerische Post- und Eisenbahndepartement
über den Bau der normalspurigen Hauptlinie Münster-Lengnau. Bern: BLS, 1917.
Die höchste Höhe über Boden beträgt 18,30 m. Die Sondierungen für die Pfeilerfundamente ergaben überall günstige Resultate. Es wurde durchwegs auf Kiesgrund fundiert, mit Ausnahme der drei westlichen Fundamente, welche auf Molasse zu liegen kamen.
Der Mösliviadukt erforderte einen Materialaufwand (Beton, Mauerwerk usw.) von 6314 m3 ohne die Eisenkonstruktionen.
Die weiteren Brückenbauten
Die beiden Strassenunterführungen (Tunnelstrasse und Kirchstrasse) sind Balkenbrücken (einbetonierte Differdingerträger). Die Strassenüberführung (Schützengasse) erforderte eine eiserne Fachwerkbrücke von 28,8 m Lichtweite.

Überführung Schützengasse im Bau ca. 1912/13
Bild: Sammlung Rainer W. Walter, Grenchen
Die Strassenunterführungen Austrasse und Eichholzweg Lengnau führte man als gewölbte Bahndurchführungen aus. Die Unterführung des Eichholzweges kam auf schlechten Grund zu stehen. Deshalb kamen Widerlager nach System Frankignoul (armierte Betonpfähle) zum Einsatz.
Die Erdarbeiten
Die Erdarbeiten auf der Südseite (Grenchen-Lengnau) ergaben lt. Abrechnung eine Kubatur von 153000 m3. Das ausgeführte Mauerwerk hat ein Volumen von 18900 m3. Die Arbeiten an der Südrampe nahm man am 7. November 1911 mit dem Voreinschnitt des Tunnels auf. Beendigt war der Unterbau im Rohen bereits Ende 1913, mit Ausnahme eines Teils der Auffüllung der Station Grenchen Nord, welcher aus Tunnelausbruchsmaterial besteht. Arbeitsaufwand: 146000 Tagschichten.
Baumaterial
Das Baumaterial stammt zum grössten Teil aus einem oberhalb Lengnau von der Unternehmung Société Franco-Suisse de Construction erschlossenen Kalksteinbruch.
Der harte Kimmeridge eignet sich sehr gut für Hausteine, so dass die Deckplatten und Gewölbesteine der beiden Viadukte vollumfänglich aus diesem Steinbruch stammen. Da die Abfuhr aus diesem Steinbruch mit Schwierigkeiten verbunden war, baute man eine 2 km lange Luftseilbahn, welche die Steine direkt auf den Umschlagplatz im Gebiet des späteren Bahnhofs Nord beförderte.
Als Bindemittel verwendete man Schlackenzement von Choindez und Portlandzement von Reuchenette.
Bilderserie Grenchner Viaduktansichten
Textquelle:
Schlussbericht an das Schweizerische Post- und Eisenbahndepartement über den Bau der normalspurigen Hauptlinie Münster-Lengnau. Bern: BLS, 1917. 70 S., Fig., Tab., 20 Karten und Tafeln
(Den Text habe ich weitgehend aus dem Schlussbericht übernommen mit kleinen Anpassungen und Ergänzungen. A. Fasnacht)
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