Vortrieb und Ausbruch

Arbeitszonen beim Tunnelbau. Beispiel Hauenstein Basistunnel.
Aus: Wiesmann, E.: Der Bau des Hauenstein-Basistunnels Basel-Olten.
Denkschrift von E. Wiesmann, hrsg. Von der Julius Berger Tiefbau-Aktiengesellschaft, Berlin. Berlin, Bern, 1917.
Die obige Abbildung zeigt Vortrieb, Ausbruch und Installation beim Bau des Hauenstein-Basistunnels in den Jahren 1912-1916. Der Arbeitsbetrieb im Grenchenberg war sehr ähnlich eingerichtet.
Rechts in der ersten Arbeitszone ist der eigentliche Vortrieb des Sohlstollens dargestellt. Dahinter folgt in den Arbeitszonen II-IV der erweiterte Ausbruch des Sohlstollens und die Ausbrüche der Firstschlitze als Ausgangspunkte für den Vollausbruch. In der Arbeitszone V erfolgt der Vollausbruch des Tunnels. In dieser Zone werden am meisten Arbeitskräfte eingesetzt. In den Zonen VI-VII wird der Tunnel ausgemauert, Fundamente und Widerlager werden erstellt. In den weiteren Zonen erfolgt der Feinausbau und schliesslich der Einbau der bahntechnischen Anlagen.
Ein Querschnitt des Grenchenbergtunnels zeigt die Arbeitsschritte des Ausbruchs bei normalen geologischen Verhältnissen.

Ausbruch im Grenchenbergtunnel.
Grafik aus: Schlussbericht an das Schweizerische Post- und Eisenbahndepartement
über den Bau der normalspurigen Hauptlinie Münster-Lengnau. Bern, 1917. S. 25.
Der Vortrieb des Sohlstollens erfolgte unter Einhaltung einer Querschnittfläche von 7 m2. Diese Grösse war vertraglich festgehalten. Für die eigentliche Vortriebsarbeit im Sohlstollen kam eine relativ kleine Arbeitsgruppe von 15 bis 17 Mann zum Einsatz. Ausgehend vom Sohlstollen wurden nach oben die Firstschlitze ausgebrochen (Schritte II und III). Schliesslich folgte der Vollausbruch beiderseits mit den Arbeitsschritten IV, V und VI.
Vortriebsarbeit im Sohlstollen. Bild: Stadtarchiv, Grenchen
Für die mechanischen Bohrung zum Vortrieb des Sohlstollens kamen Meyersche Druckluft-Stossbohrmaschinen zum Einsatz. Diese Maschinen setzte man bereits mit Erfolg beim Bau des Lötschbergtunnels ein.
Zahlen und Daten
Für einen Kubikmeter Tunnelausbruch waren 1,52 Arbeiter-Tagschichten und 1,02 kg Sprengstoff nötig, für einen Meter Tunnel 62,07 Arbeiter-Tagschichten und 41.9 kg Sprengstoff.

Grenchenbergtunnel: Tunnelprofil
Der Grenchenbergtunnel ist 8578,36 m lang. Das Nordportal in Moutier liegt auf 535,3 m ü.M. Von da steigt der Tunnel mit 1,5 Promille auf einer Länge von 3900,85 m bis zum Kulminationspunkt/Tunnelwasserscheide (Höhe 545,05 m ü.M.) und fällt dann mit 13 Promille auf einer Länge von 4660 m. Unmittelbar vor dem Südportal in Grenchen befindet sich nochmals ein Gefällsbruch von 13 auf 15 Promille. Die Schwellenhöhe des Südportals liegt auf 484,15 m ü.M.
Mit den Arbeiten am Vorausschnitt begann man am 6. November 1911 in Moutier und am 7. November 1911 in Grenchen. Der Durchschlag fand am 27. Oktober 1914 statt und die Schlusssteinlegung am 24. Juli 1915.
Löhne und Arbeitszeiten
Gelernte Arbeiter und Handwerker verdienten in diesen Jahren in der Schweiz allgemein zwischen Fr. -.50 und Fr. -.70 in der Stunde, Hilfsarbeiter Fr. -.45 bis Fr. -.50.
Löhne im Tunnel- und Streckenbau
Für Hilfsarbeiter ausserhalb des Tunnels zahlten die Unternehmen etwa Fr. -.45 in der Stunde, im Tunnel waren es etwa Fr. -.55. Mineure verdienten Fr. -.75 bis Fr. -.80 in der Stunde.
Tunnelbau Grenchen: Arbeitszeiten
Die Arbeit im Grenchenberg war täglich in drei achtstündige Schichten aufgeteilt: 6 Uhr – 14 Uhr, 14 Uhr – 22 Uhr, 22 Uhr – 6 Uhr. Man kannte nur die Sechstage-Woche, arbeitete also 48 Stunden jede Woche im Tunnel. Ferien gab es damals noch nicht. Die Bauarbeiter auf den Viaduktbaustellen arbeiteten sogar noch länger, 10 Stunden täglich, bis 60 Stunden in der Woche. Ausserhalb des Tunnels, auf den Viaduktbauplätzen, gab es keinen Schichtbetrieb.
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