Der Römische Gutshof Breitholz, Grenchen

Römervilla im Breitholz


ein Bericht von Hermann Hugi, Grenchen

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Modell der Römervilla im Kultur-Historischen Museum Grenchen. Südwestansicht.
Bild: A. Fasnacht




Modell der Römervilla im Kultur-Historischen Museum Grenchen. Nordansicht.
Bild: A. Fasnacht



Modell der Römervilla im Kultur-Historischen Museum Grenchen. Ostansicht.
Bild: A. Fasnacht




Modell der Römervilla im Kultur-Historischen Museum Grenchen. Südansicht.
Bild: A. Fasnacht







Der Römische Gutshof im Breitholz

Von Hermann Hugi, Grenchen

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Schon vor 100 Jahren stellte Prof. Dr. Franz Josef Hugi auf dem Eichholzhügel südlich von Grenchen bauliche Ueberreste fest, von denen er annahm, dass sie zu einer römischen Befestigungsanlage gehörten. Als römisches Kastell wurde das Mauerwerk auch im Gemeindeplan von 1870 vorgemerkt. Als 1911 ein Solothurner Bataillon beim Ausheben eines Schützengrabens den Mauerfuss neuerdings freilegte, liess Prof. Tatarinoff einen kurzen Sondiergraben ziehen. Er erstattete darüber Bericht in den Tageszeitungen, verzichtete aber darauf, die untersuchte Stelle genau zu bezeichnen. Im März 1940 nahm Prof. Laur-Belart auf- Einladung der neugegründeten Museumsgesellschaft auf dem Eichholzhügel einen Augenschein vor und überzeugte sich davon, dass sich dort in der Tat einst eine grosse römische Siedelung befand. Stücke von Leistenziegeln und Mörtelüberreste, denen er auf Schritt und Tritt begegnete, liessen keinen Zweifel mehr zu. Brennend wurde die Frage nach der Art und dem Ausmass der Anlage, als einige Wochen später Luftschutztruppen wiederum eine gut erhaltene Mauerecke freilegten. Prof. Laur und Architekt Gerster in Laufen rieten nun dringend dazu, sogleich an die Arbeit zu gehen und das Mauerwerk auszugraben. Um die Sache zu beschleunigen, versprachen sie, der Museumsgesellschaft den Bundeskredit für 1940 im Betrage von 1000 Fr. zuweisen zu lassen. Der Vorstand der Museumsgesellschaft wandte sich darauf an den Präsidenten der solothurnischen Altertümerkommission, Erziehungsdirektor Dr. Oskar Stampfli, der für das Vorhaben das grösste Verständnis zeigte und durch den Regierungsrat einen vorläufigen Kredit von 3000 Fr. eröffnen liess. Die Gesellschaft beschloss überdies, aus eigenen Mitteln und durch eine Sammlung rund 2000 Fr. an die Kosten der Ausgrabung beizutragen.

Mit den Arbeiten wurde am 21. Oktober 1940 begonnen. Die Oberaufsicht übte der kantonale Konservator, Prof. Dr. S. Pinösch in Solothurn aus. Die wissenschaftliche Leitung lag in den Händen von Prof. R. Laur-Belart, Basel, und später Architekt Alban Gerster, Laufen. Die technische Leitung wurde Tiefbautechniker J. L. Karpf, Holderbank, und Karl Hürbin, Ausgrabungsleiter von Vindonissa, anvertraut. Die Zahl der Arbeiter, die anfänglich nur 6 Mann betrug, wurde später auf 15 erhöht.

Schon beim ersten Sondierungsschnitt, der von Osten nach Westen verlief, stiess man auf vier ausgezeichnet erhaltene Mauerzüge. Durch einen zweiten Graben weiter nördlich wurden die dazu gehörenden Quermauern blossgelegt. Es war jetzt kein Zweifel mehr möglich, dass es sich um eine römische Villa handelte, die am Südabhang des Eichholzhügels terrassenförmig aufgebaut war. Talwärts standen die beiden Risaliten mit Eckverstrebungen, verbunden durch den Portikus, von dem nicht feststeht, ob er nach Süden offen oder geschlossen war. Im Verhältnis zu der Gesamtanlage zeichnen sich die Eckbauten durch ihre Grösse aus. Die Hauptfassade schaute gegen Süden, also gegen die Aaresenke, die Seitenfassade gegen Westen, gegen die Abendsonne. Die Siedelung sass auf der Kante der Moräne auf und War deshalb von jeher den Einflüssen der Witterung, der Auswaschung und Zerspülung ausgesetzt, abgesehen davon, dass sich hier der Boden mehr oder weniger gesenkt haben mag. Das erklärt es, warum das Gehniveau im mittleren Teil der Anlage vollständig verschwunden ist und dort überhaupt keine Funde gemacht worden sind. Dagegen sind die Kulturschichten weiter oben und weiter unten noch recht gut erhalten.

Wie bei fast allen römischen Siedelungen, so kann man auch bei derjenigen auf dem Eichholzhügel verschiedene Bauperioden unterscheiden. Es wurden Mauerreste vorgefunden, die mit den Hauptmauerzügen nicht verbunden waren und augenscheinlich einer früheren Bauetappe angehören. Trotzdem steht fest, dass die Villa am Ende des ersten oder zu Beginn des zweiten Jahrhunderts erstellt wurde, also zu einer Zeit, als der normale Typus der Portikus-Villa mit Eckrisaliten bereits entwickelt war.

Der Grundriss der Villa ist quadratisch mit einer Seitenlänge von 31,5 Meter. In der Mitte befand sich der Hof, dessen Ausmasse 13 X 16 m betrugen. Die unterste Lage der Hofmauern, aus Kieselsteinen ohne Mörtel bestehend, war 60 cm breit. Darauf lag eine Schicht zerschlagener Findlinge. Im Süden war die Hofmauer 70-80 cm breit. Die Länge der östlichen und westlichen Umfassung des Hofes betrug 13, die Breite 4 Meter. Auch hier fehlte die Kulturschicht vollständig. Vom nordwestlichen Eckbau wurde gutes, zum Teil noch aufgehendes Mauerwerk mit Vorfundamenten gefunden.

Südöstlich des Hofes stand ein gut erhaltener Wohnraum von 8 auf 8 Meter, dessen Aussenmauern als Schutz gegen die Bise eine Mächtigkeit von 1,20-1,50 Meter aufwiesen. Bemerkenswert sind hier mehrere Wandpfeiler aus gesägtem Tuffstein, die den Schub aufhielten. Im Innern lag sehr viel Bauschutt, dabei einige Leistenziegel mit Handmarken, sämtliche Bruchstücke zu drei Kugelamphoren, Marmorplatten, Stücke des Wandverputzes, Hypokauströhren und Kalkreste.

Durch den windgeschützten Portikus mit prachtvoller Aussicht über das Aaretal gelangte man in den westlichen Parallelraum. Auch' hier wurden Scherben von Amphoren, Urnen und Schalen, zum Teil aus Terra sigillata, gefunden. Die südliche Abschlussmauer dieses Risalites war merkwürdigerweise schon im Fundament nur 50 cm breit. Im Innern konnten zwei Böden mit einer Zwischenfüllung aus Bauschutt festgestellt werden. Neben guten Mauern mit Messerschnittverzierungen gab es hier auch schlechte Fundamente, was auf verschiedene Bauzeiten schliessen lässt.

Anfangs März 1941, als die letzten T eile der Villa wieder mit Erde aufgefüllt wurden, stiess man unterhalb der südlichen Portikusmauer auf einen mit grossen, flachen Steinen zugedeckten Kanal, in dem Wasser floss. Nachforschungen ergaben, dass es sich um den Ablauf eines kreisrunden, nach oben sich verjüngenden Brunnenschachtes handelt. Der Schacht wurde sorgfältig ausgeräumt, ausgebessert und hochgeführt. Nach der Ansicht des kantonalen Konservators, Prof. Dr. S. Pinösch, befand sich am Südende des Auslaufes ein Brunnentrog, aus dem das Wasser mit Tonkrügen geschöpft und in die Villa getragen wurde. Während das Mauerwerk der Siedelung fast gänzlich abgebrochen und zur Ausbesserung der Wege auf dem Eichholzhügel verwendet wurde, bleiben der Brunnenschacht und ein besonders gut erhaltener Mauerwinkel erhalten. Auf Kosten der Gemeinde wurde dort eine öffentliche Anlage mit Ruhebänken und Schattenbäumen erstellt, die nunmehr "Römerplatz" heisst. Wertvolle Fundgegenstände sind ausser den schon genannten ein silberner Denar mit dem Kopfe Kaisers Vespasian, eine bronzene Standartenspitze, Scherben einer Reibschüssel, ein Bleirohr der Wasserleitung, das Bruchstück eines Schalensteines, das in das Fundament eingemauert war, u. a. m.

Die Kosten der Ausgrabung belaufen sich auf Fr. 10,513.-, von denen nahezu 90 Prozent für Arbeitslöhne ausgegeben wurden. Die Einnahmen setzen sich aus dem genannten Bundesbeitrag von Fr. 1000.-, einem staatlichen Beitrag von Fr. 4000.-, einem Zuschuss der Gemeinde a fonds perdu von Fr. 500.- und einer Zuwendung der Association pour la Defense des Interets du Jura von Fr. 500.- zusammen. Dazu kommen noch ca. 1000 Fr., welche die Museumsgesellschaft aufbrachte, sowie zwei Darlehen von Fr. 300.- und 800.-, jenes von der Genossenschaft für Arbeitsbeschaffung, dieses von der Einwohnergemeinde.


Aus:
Jahrbuch für solothurnische Geschichte, Bd 15(1942), S.185-188.



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A. Fasnacht, 04/2006