Geschichte des Weinbausin Grenchenzusammengestellt von Alfred Fasnacht |
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Inhalt Einleitung, Dank Römer Mittelalter Chronik Stellenwert des Weines Saurer Wein und alte Reben Geographie Zehntenloskauf Neue Zelg Niedergang im 19. Jh. Literarisches und Anekdoten Erinnerungen Neuanfang 1975/76 Bibliographie ![]() |
Regeneration und Zehnten-Loskauf im Kanton Solothurn Im Zuge der Regeneration im Jahre 1830 und den folgenden Jahren als hauptsächlich die Landbevölkerung des Kantons auf ihre Rechte und auf eine angemessene Vertretung in Parlament und Regierung pochte, nahm auch der Druck zu, Zehnten und Bodenzinse durch Loskäufe endgültig abzuschaffen. Auf den Druck der Bevölkerung erhielt der Kanton Solothurn 1830 die erste ansatzweise freiheitliche Verfassung. Die Abschaffung des Zehntenwesens war bereits in der Helvetik (1798) verfassungsmässig vorgesehen. In der Ausstellung zum Grenchner Weinbau liegt ein Originaldokument (1834) aus den Beständen der Heimatsammlung von Hans Kohler auf, das die Bereitschaft der Rebenbesitzer des Weinbergs in der Unteren Neuen Zelg bezeugt, sich von den Zehnten des St. Ursenstifts in Solothurn los zu kaufen. Als Berechnungsgrundlage der Loskaufssummen diente meistens der Durchschnittswert des Zehntertrages der letzten Jahre multipliziert mit 15 bis 25. Unter den Rebenbesitzern finden wir auch Josef Girard, Gründer des Bachtelenbades.
Der ehemalige Rebberg Neue Zelg Grenchen aufgenommen im Juli 2007. Foto A. Fasnacht. Das Dokument ist für die Geschichte Grenchens auch deshalb interessant, weil es eine Momentaufnahme (1834) der Rebenbesitzer in der Neuen Zelg wiedergibt. Verzeichnet sind bekannte Grenchner Namen wie Girard, Wullimann, Vogt, Feremutsch, Stüdi, Stüdeli, von Burg, Gast, Wälti, Schwarzentrub, Obrecht, Schürer, Helbling. Neben den Namen ist jeweils die Grundbuch-Nummer des Grundstücks und dessen Fläche verzeichnet. Als Flächenmass wird ein kaum mehr bekanntes Mass angewendet, nämlich "Stück". Erste Abklärungen haben ergeben, dass ein "Stück" Reben vermutlich etwa 22a - 24a umfasst. Die Rekonstruktion des Flächenmasses konnte nur sehr ungenau vorgenommen werden. Es handelt sich beim vorliegenden Dokument um eine Absichtserklärung, in der erst die Besitzer und die Fläche ihrer Rebberge aufgelistet werden. Von der Loskaufssumme ist noch nicht die Rede. Unter den Rebenbesitzern in der Neuen Zelg gab es einige, die vom Loskauf absehen wollten, dies wohl aus finanziellen Gründen. Oft übernahmen die Loskaufswilligen die Loskäufe der "Unwilligen", worauf die Loskaufswilligen zinsberechtigt wurden. Wie der Handel mit dem Loskauf ausging und welche Loskaufssummen zu begleichen waren, ist bis heute unerforscht geblieben.
Ganzes Dokument "Proces Verbal" im PDF-Format Teil-Transkription des Dokuments "Proces Verbal" im PDF-Format Der Loskauf der Rebenbesitzer in der Unteren Neuen Zelg ist nicht als Einzelfall zu werten, sondern als Teil der Freiheitsbewegung, die sich in diesen Jahren mit grosser Kraft durchzusetzen begann und mit der Gründung des schweizerischen Bundesstaates 1848 und der ersten wirklich freiheitlichen Kantonsverfassung von 1856 ihr Ziel finden sollte. ![]() Freiheitsfahne der Grenchner Liberalen Die gut erhaltene Fahne aus dem Jahre 1830 mit dem Grenchner Wappen auf weissem Grund, den Trauben und dem Spruch "Vo Gränchä bi Gott" geht auf die Regenerationsbewegung von 1830 zurück. Ob die Grenchner Delegation schon unter dieser Fahne an die grosse Volksversammlung von 1830 nach Balsthal marschierte, ist nicht nachgewiesen aber durchaus möglich. Sicher ist jedoch, dass die Fahne in diesen unruhigen Zeiten für die Grenchner eine grosse Bedeutung hatte und ein Identifikationsobjekt darstellte. Adolf Gschwind berichtet in den Erinnerungen eines ETA-Arbeiters, wie die Fahne noch im späten 19. Jahrhundert bei Grenchner Festanlässen hervor geholt und von seinem Grossvater im Festzug getragen wurde. Die Fahne ist im Kultur-Historischen Museum Grenchen ausgestellt. |