Geschichte des Weinbausin Grenchenzusammengestellt von Alfred Fasnacht |
![]() Museums-Gesellschaft Grenchen |
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Inhalt Einleitung, Dank Römer Mittelalter Chronik Stellenwert des Weines Saurer Wein und alte Reben Geographie Zehntenloskauf Neue Zelg Niedergang im 19. Jh. Literarisches und Anekdoten Erinnerungen Neuanfang 1975/76 Bibliographie ![]() |
Weinbau heute in Grenchen Verein Räbbuure vo Gränche bigott. Text von Manfred Kliegl, Weinbauer. Erste Aktivitäten in den Siebziger Jahren. Text von Urs Siegrist, Weinbauer. Reben der Gränchner Räbbuure, Stand 1985. Tabelle von Hans Brosi. Gegründet 1983 Geschichtliches: Am 24.10.1983 trafen sich Interessierte auf Anregung von Walter Emch im Restaurant Ticino (ehem. Rest. Traube) zur Gründung der Grenchner Rebfründe und Wiifründe". Ihm war es ein Anliegen den Rebbau in Grenchen nach jahrzehntelangem Unterbruch wieder aufzunehmen und Rebgärten anzulegen. Mit grossem Engagement und viel Freude am Hobby wurden Kurse zur Hege und Pflege angeboten und rege genutzt. Rebschnitt, Düngung, Bodenpflege, Spritzen, Ausbrechen, Leset, Kelterung und Pflege des Weines wurde gelehrt.
"Gränchner Räbbuure" = "Gränchner Vielfalt" Ausstellung Gretulozuzi im Kultur-Historischen Museum Grenchen, 2007. Die Kameradschaft kam auch nie zu kurz, gab es doch jedes Jahr eine Weindegustation. Zu einem späteren Zeitpunkt wurde aus den Grenchner Rebfründe die Räbbuure vo Gränche bigott! Als erster Oberwinzer amtete Roland Ledergerber. Ihm folgte Werner Wohlfahrt (Didi) der dieses Amt während 20 Jahren inne hatte und mit viel Freude und Können ausübte. Hans Brosi war als humorvoller Schreiberling tätig. Köstliche Weine kamen aus den Kellern der Räbbuuren Walter Emch, Hans Marner, Paul Rüefli, Urs Siegrist, Günter Stauffer und Didi Wohlfahrt. Diese feinen Tropfen wurden von jedem Räbbuur eigenhändig gekeltert und ausgebaut.
Weinende Rebe (Fotographie von Manfred Kliegl) und alte Rebmesser. Ausstellung Gretulozuzi im Kultur-Historischen Museum Grenchen, 2007. Leider waren auch Abgänge zu verzeichnen, dies durch Todesfälle und Wegzüge. Zum jetzigen Zeitpunkt zählen wir noch fünf Räbbuure die ihren Grenchnerwein selbst ausbauen. Es sind dies: Manfred Kliegl, Paul Rüfenacht, Urs Siegrist, Max Schwaller, und Didi Wohlfahrt.
Manfred Kliegl pflegt seine Reben. Bild: Lukas Walter, August 2007. Aktivitäten: Die Räbbuure treffen sich jeweils am ersten Montag im Monat um 20.00 Uhr. In den Wintermonaten im Restaurant Metzgerhalle. Diskussionen über den Rebbau, neue Rebsorten werden vorgestellt. Erfahrungen ausgetauscht. Informationen und Wissenswertes zum Weinbau und zur Weinkunde. In den Sommermonaten finden die Treffen bei den Räbbuure statt. Verschiedene Rebberge werden besichtigt. Ein schöner alter Brauch - im Juli wird der vorjährig gewonnene Wein in froher Runde degustiert, geprüft und begutachtet. Anschliessend gibt es ein feines Essen. Die Geselligkeit und Gemütlichkeit kommt nicht zu kurz. Der beliebte Rebbummel, der im Herbst stattfindet, wird von den Hobbywinzern sehr geschätzt. Neben der Besichtigung von Rebbergen in den verschiedensten Teilen der Schweiz kommt auch die Kulturgeschichte nicht zu kurz. Gerade in den Rebbaugebieten finden wir Urgeschichte" Wein und Kultur nahe beisammen. Ziele : Auskunft: Kliegl Manfred Im Kornfeld 31, 2540 Grenchen, Tel. 032 653 12 73 Juli 2007 Urs Siegrist berichtet: In den Jahren 1975 / 1976 begann man in den Kreisen der kulturtätigen Grenchner wieder von Grenchner Wein und vom Pflanzen von Reben zu reden. Einige bildende Künstler machten sich im 1976 erschienenen Buch, Das Buch vom Grenchner Wein, über die Qualität des ehemaligen und des eventuell wieder zu belebenden Weines von Grenchen lustig. Trotz aller Skepsis brachte diese Diskussion um den Grenchner Wein den Stein (die Traube) ins Rollen und es brach in einem ganz kleinen Personenkreis eine Rebbau Euphorie aus. ![]() Etikette entworfen von Peter Travaglini für das Buch vom Grenchner Wein, Gretulozuzi - Grenchner Tunnellochzusammenzieher. Ausstellung Gretulozuzi im Kultur-Historischen Museum Grenchen, 2007. Überall in Grenchen, wo von diesen Leuten ein freies, sonniges Plätzchen gesichtet wurde, sahen sie schon einen Rebberg und volle Fässer. So pflanzte man, eher als Mahnmal, im damaligen Museumgärtli an der Breitengasse einige Rebstöcke. Ob bei dieser Aktion, die Hans Kaufmann massgeblich befürwortete, ernsthaft mit Wein gerechnet wurde, bleibt wahrscheinlich für immer offen. Diese Rebstöcke wollten aber nicht so recht gedeihen. Vermutlich war dort die Bodenbeschaffenheit und die nicht so ideale Lage zwischen den Häusern der Grund, dass diese Rebstöcke ein nur sehr kurzes Leben hatten. In dieser Zeit, und mit bestimmten Erwartungen, begannen aber der Grenchner Kunstmaler Walter Emch und sein Nachbar Paul Rüefli in ihren Gärten an der Däderizstrasse Reben zu pflanzen. Drei Jahre nach der Pflanzung präsentierten beide Grenchner Neurebbauern ihren ersten Wein, der zum Erstaunen aller Ungläubigen und Miesmacher, nicht sauer war. Es war, wie ich als Schreiber bestätigen kann, ein wirklich guter und bouquettreicher Tropfen, dieser Riesling x Silvaner (Müller Thurgau). Versuche machte Walter Emch auch mit der Elsässersorte Gewürztraminer, die aber seine Erwartungen nicht erfüllten. Nach dem Tod von Walter Emch 1997 ging es nicht lange, da entfernte auch Paul Rüefli die Reben aus seinem Garten. So existierte der Däderizer, vom Vater der Wiedergeburt des Grenchner Weines leider nur kurze Zeit.
Links: 2 Flaschen mit Etiketten von Walter Emch, Karte: Handschrift von Walter Emch. Ausstellung Gretulozuzi im Kultur-Historischen Museum Grenchen, 2007. Durch diesen Beweis, dass man in Grenchen wirklich guten Wein machen kann, liess sich im Jahr 1977 auch Urs Siegrist von dieser Rebbau Euphorie anstecken. Er pflanzte, in seinem Garten an der Hessostrasse, etwa dreissig Stöcke vom Riesling x Silvaner an. Das Wissen vermittelte Ihm sein Rebbau Pate Walter Emch und der damalige Kellermeister der Firma Howeg, Sepp Mösch. Das gute Ausreifen der Trauben war also auch an der weniger geschützten, mehr der Bise ausgesetzten Lage, und auch in nicht so wetteridealen Jahren unproblematisch. Der Wein von der Hessostrasse, obschon er von der selben Traubensorte stammt, war wegen der ganz anderen Bodenbeschaffenheit noch um einiges kräftiger im Bouquett als jener vom Däderiz.
Nach diesen Erfolgsmeldungen vom trinkbaren Grenchner Wein begannen mehrere Begeisterte in Grenchen Reben in ihren Gärten zu pflanzen und ihren eigenen Wein zu keltern. Daraus entstand die Vereinigung der Gränchner Räbbuure, die noch heute besteht. Es zeigte sich, dass auch andere Rebsorten als nur der Riesling x Silvaner den klimatischen Bedingungen von Grenchen standhalten konnten. So stehen heute, schätzungsweise, etwa 10 15 Sorten in Grenchens Gärten und sie ergeben alle trinkbare und zum Teil exzellente Weine. Nach zehn Jahren Rebbau in Grenchen war die Euphorie von Urs Siegrist noch keineswegs verflogen. Sein Rebgarten an der Hessostrasse wurde ihm zu klein. Er fand, dass es aus seiner Liebe zu Grenchen einen richtigen grossen Rebberg geben müsste und der Rebbau wieder heimisch werden sollte. Darum trug er diese Idee in das Kinderheim Bachtelen, und konnte den damaligen Heimleiter Anton Meier und einige Leute vom Personal begeistern einen Rebberg im Bachtelenareal anzulegen. Im Jahr 1986 begannen die Bachteler Rebbauern, als Rebbauverein Bachtelen, am Nordwesthang des Bachtelentäli etwa 500 Reben der Sorte Riesling x Silvaner und einige Jahre später etwa 200 Reben der Sorte Pinot noir zu pflanzen. Dieser Rebbauverein ist privat und tritt als Pächter, ohne direkte Verbindung zum Kinderheim, auf. Der guten Gesinnung des damaligen und auch des heutigen Heimleiters Karl Diethelm verdankt der Verein die Möglichkeit zur Benützung der Infrastruktur zu mittelalterlichen Bedingungen. Der Pachtzins wird mit dem Zehntel abgegolten. Zudem versucht der Verein mit einem jährlichen Anlass die Geselligkeit unter dem Personal zu fördern. Dem Rebbauverein Bachtelen gehören Beatrice Ris, Ruth Zurschmiede, Thomas Frey, Anton Schmid, Urs Siegrist und der Nichtbachteler Edi Blaser an. Seit Mai 2007 gehört auch Rolf Neuenschwander, als weiterer Nichtbachteler, dem Verein an.
Rebberg der Bachteler Rebbauern: Rebbauverein Bachtelentäli. Die ausgezeichnet geeignete Bodenstruktur mit Kreide im Untergrund und die mikroklimatischen Bedingungen im Bachtelentäli ermöglichen einen gsüffigen, aromatischen und sehr beliebten Riesling x Silvaner zu keltern, der auch weit über die Grenzen des Bachtelen und über Grenchen hinaus gelobt und geschätzt wird. Wegen der kleineren Menge ist der Bachteler Pinot noir weniger breit bekannt, jedoch ebenfalls ein guter Tropfen. Mit der Herstellung von Wein ist aber auch die Verwertung des Tresters verbunden. Das beschert dem Verein jährlich eine beachtliche Menge von Marc und Weindrusen, die seit Beginn in der Brennerei in Ligerz gebrannt werden. Das ermöglicht regelmässige Kontakte zu den, dort ansässigen, Profiweinbauern
Urs Siegrist, Grenchen März 2007, ergänzt im Juni 2007 |