Geschichte des Weinbausin Grenchenzusammengestellt von Alfred Fasnacht |
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Inhalt Einleitung, Dank Römer Mittelalter Chronik Stellenwert des Weines Saurer Wein und alte Reben Geographie Zehntenloskauf Neue Zelg Niedergang im 19. Jh. Literarisches und Anekdoten Erinnerungen Neuanfang 1975/76 Bibliographie ![]() |
Saurer Wein und alte Rebsorten Der saure Grenchner, war er der einzige? Arbeit in den Grenchner Rebbergen Der Alkoholgehalt des Weins in alter Zeit Alte Traubensorten. Text von Heidi Lüdi Das Jahr des Winzers / Das Jahr der Rebe Klimatische Anforderungen für den heutigen Weinbau Der saure Grenchner, war er der einzige? Doch man weiss, dass der Wein, der in jener Zeit im Mittelland wuchs, allgemein recht sauer war und deshalb vor dem Genuss nach Belieben mit Honig (später mit Zucker) und Gewürzen angereichert wurde. Erst mit dieser Behandlung erreichte der Wein seine lieblichen Eigenschaften. Im Vergleich mit den importierten Weinen aus dem Süden, die ohne weitere Zusatzbehandlungen zu trinken waren, fielen die einheimischen Gewächse stark ab. Auffallend ist die Tatsache, dass viele Anekdoten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden. In einer Zeit also, wo sich der Grenchner Weinbau bereits im Niedergang befand. Die Vermutung liegt nahe, dass sich mit der allmählichen und nach 1891 spürbar beschleunigten Aufgabe der Grenchner Rebberge und des Weinbaus eine gewisse Resignation breit machte, die sich auch in Form von Anekdoten äusserte. Man rechtfertigte die Aufgabe des Weinbaus mit Witz und Humor, die Rebbauern hatten nicht mehr viel zu verlieren. Arbeit in den Grenchner Rebbergen ![]() Träger eines Halskorbs. Zeichnung von José Mercier. Ausstellung Gretulozuzi im Kultur-Historischen Museum Grenchen, 2007. oder es wurde hiezu die Lime gebraucht, ein Rad, an dem ein langes Seil läuft. Das eine Ende war mit einem Kippkarren verbunden, an das andere wurde ein Rind gespannt oder aber es zogen einige Jünglinge daran. Mit dem Leset waren kleine Feste verbunden. Es standen zur Zeit in der Gemeinde vier Trotten. Werkzeuge des Winzers. Ausstellung Gretulozuzi im Kultur-Historischen Museum Grenchen, 2007. Ums Jahr 1857 waren die Grenchner noch stolz auf ihre Reben. Was war das für eine Freude im Weinmonat, wenn es ans Lesen ging! Die jungen Grenchner der alten Zeit konnten auch schön jodeln und jauchzen und von den Reben her hörte man schon früh morgens die fröhlichen Stimmen der Winzer. Und wenn dann das letzte Fuder Trauben heimgeführt wurde, trug die Hausfrau oder wohl auch die hübsche Tochter einen vollen Rebstock in der Hand wie einen Meie. Nach dem Leset gehörten die Weinberge den Kindern. Sie gingen Rappen, das heisst, sie durften die vergessenen Trauben einsammeln. So berichtet uns Werner Strub über Arbeit und Bräuche in den Grenchner Weinbergen. ![]() Alte Rebscheren und Rebmesser. Ausstellung Gretulozuzi im Kultur-Historischen Museum Grenchen, 2007. Franz Josef Schild, der Grossätti us em Leberberg, überliefert uns in seinem zwischen 1856 und 1860 entstandenen Gedicht "Grenchebuurs Herbstbitrachtige" (19 vierzeilige Strophen) eine Menge Nachrichten über den Grenchner Weinbau und die Bräuche im Dorf Grenchen. Schon in den ersten zwei Strophen erzählt er, dass die Landwirte den Weinbau als Teil ihrer Landwirtschaft betrieben. In Grenchen fand man keine eigentlichen Weinbauern. Neben den Bauern gab es Einwohner, Wirte oder Gewerbetreibende mit eigenen Rebbergen. Meistens waren weinbaukundige Bauern beauftragt, diese Rebberge zu pflegen und den Wein für die Besitzer zu keltern. Als Entschädigung hatten die als Rebleute arbeitenden Bauern Anspruch auf einen Teil der Ernte oder auf eine Barentlohnung ihrer Arbeit. Zur Mithilfe in den Reben stellten die Bauern Taglöhner oder Kleinstbauern (Tauner) ein. Doch mit dem Aufkommen der Uhrenindustrie standen diese Hilfskräfte nicht mehr zur Verfügung. Sie fanden ein regelmässiges und besseres Auskommen als Uhrenarbeiter. In der dritten Strophe berichtet Schild, dass gar nicht jedes Jahr eine Weinernte eingefahren werden konnte. Schild spricht sogar von mehreren Fehljahren in Folge: Mr hei scho mängs Johr nüt meh gläse, Hei 's Wygschirr uff dr Schöpfi gloh Und d'Züber, d'Bränte loh verlächne, Und d'Fässer gar vergraue no. Aus einer Strophe vernehmen wir, dass der Grenchner Wein oft schon im Frühjahr zur Neige ging: Do geit me goge d'Fässer helte, Wo alli uff dr Truese sy, Und schänkt de no zum Fasnechtgrümpel Die allerletschte Schoppen y. Im Gedicht stossen wir auf Wörter, die aus der heutigen Grenchner Mundart verschwunden sind, so zum Beispiel: Räbesoome, das war der Wein, der während des Schneidens der Reben getrunken wurde oder Räbwärch, darunter verstand man den Weinberg. Es Tränli Wy, war gleichzustellen mit einem Tröpfchen (Träne) Wein, unter Abbräng verstand man Speiseresten, An- oder Abschnitte. Fasnacht war die Zeit der Maschgrate und Harligingge, der Masken und Harlekine. Der Alkoholgehalt des Weins in alter Zeit Die geschichtlichen Werte entsprechen etwa dem Alkoholgehalt eines heutigen Starkbiers. Die heutigen Weine kommen mit einem Alkoholgehalt von 11-13% Vol. im Weisswein und 12-14% Vol. im Rotwein auf den Markt. Alte Traubensorten Text von Heidi Lüdi, Konservatorin, Rebbau-Museum am Bielersee "Hof", Ligerz Erste Traubennamen sind schon im 11. Jahrhundert entstanden. Damals unterschied man noch nicht einzelne Sorten, sondern nur verschiedene Traubengruppen mit gleichen Merkmalen. Die wichtigsten Kriterien für die Benennung und Einteilung der mittelalterlichen Traubensorten waren: Daneben waren auch Grösse und Form der Trauben, auffallende Form der Blätter, spezielles Aroma oder Farbe des Rebholzes für die Bezeichnung massgebend. Erstmals unterschied Hieronymus Bock (1498-1554) in seinem 1539 veröffentlichten Kreütterbuch 12 Traubensorten mit ihren deutschen Namen. Er unterschied diese sogar als Zame Weinreben von den Wild Weinreben. Die Sortenauswahl war im Mittelalter in der Deutschschweiz nicht besonders so gross. Bei den weissen Sorten waren fast überall Elbling, Räuschling, weisser Heunisch und seltener noch Chasselas anzutreffen, für rote Weine wurde ausschliesslich Blauburgunder angebaut. Weisse Sorten Im Mittelalter war in unseren Breitengraden die reichtragende Weissweinsorte Elbling die am häufigsten angebaute Traube. Elber lässt sich in Oberhofen am Thunersee seit dem 12. Jh. nachweisen. Auch am Bielersee wurde er unter den Sortennamen Elsasser/Elsässer angebaut. Für den Eigengebrauch falle der gewöhnliche Elsisser noch immer stark in Betracht, schrieb Emanuel Friedli 1922 in seinem Twann-Buch. Nachgewiesen ist diese Sorte auch in den Kantonen Aargau, Zürich, Schaffhausen, Thurgau, Schwyz und St. Gallen.
Weisser Elbling, war vermutlich auch in Grenchen verbreitet. Nachweislich seit dem Mittelalter wurde aber nicht nur in der französischen sondern auch in der deutschen Schweiz Chasselas unter dem Namen Edeldraube/Gut Lauter/Gutedel angebaut. Zum Teil wurde er auch Klepfer oder Sprützer genannt. Fast ausgestorben ist die alte, ehemals weitverbreitete Traubensorte Heunisch. Diese ebenfalls weisse Traube wurde im 19. Jh. wegen mangelnder Qualität praktisch überall ersetzt. Hingegen erfreute sich der Räuschling in der Schweiz, insbesondere am Zürichsee bis ins 20. Jh. immer noch grosser Beliebtheit. An anderen Orten wurde er durch den RieslingxSylvaner verdrängt. Rote Sorten Unter den roten Trauben war sehr früh der Blauburgunder mit vielen Spielarten bekannt. Als Klebroth, Klävner, Clevner, Pinoz oder unter dem französischen Synonym Savagnin noir ist er seit dem Mittelalter in der Schweiz weitverbreitet. Andere Rotweinsorten wurden nur sehr lokal angebaut und fanden keine grössere Verbreitung. ![]() Blauburgunder / Pinot Noir Quelle: Marcel Aeberhard, Geschichte der alten Traubensorten, 2005 Lü / 02-2007 Das Jahr des Winzers / Das Jahr der Rebe
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